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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher396 doblhoff sehe ich ziemlich oft, je länger er hier ist, desto mehr schwindet die heitere und muthige stimmung, die er vom Auslande mitgebracht, und die übrigens auch gar nicht zu seiner natur paßt. es ist ihm zuviel an den dingen gelegen, man muß mit goethe sagen können ich hab’ mein sach auf nichts gestellt darum ist mir so wohl auf dieser Welt!1 ich arbeite daran, zu diesem Ziele zu gelangen, und bin schon ziemlich nahe daran. es gibt nichts, was es verdiente, daß man sich dafür enthusiasmire, der egoismus ist das einzige Princip, bey dem man nie irre werden kann. dieser egoismus aber ist bey niedrigeren naturen das streben nach geld und materiellem Wohlseyn, bey edleren nach macht und ruhm. Wien 6. oktober es ist jetzt ein ernster brennender Augenblick. die dinge stehen auf der spitze, und obwohl ich an einen krieg mit Preußen nicht glaube und rado- witz nicht für den mann halte, energischen Worten auch energische thaten nachfolgen zu lassen, so steht der Bruch doch sehr nahe. die kurhessischen Angelegenheiten und mehr noch die differenzen wegen der nichtanerken- nung des Bundestages (dieser ungeschickten schwarzenbergschen idee) haben es soweit gebracht. hier herrscht an der Börse panischer schrecken, ein krieg wäre jetzt Jedermann (vielleicht den ultraradicalen allein nicht) höchst unwillkommen, selbst dem militair, welches sich gegen die preußi- sche Armée nicht gerne schlagen würde, und wohl einsieht, daß es gegen seine eigene sache kämpfen würde. gleiche gefühle scheinen in Preußen vorzuwalten, nur daß bey ihnen leichter eine nationalsache daraus zu ma- chen wäre, denn sie können bey einem kriege etwas gewinnen, wir nicht. rußland hat sich bis jetzt neutral verhalten, darauf kömmt Alles an. Buol ist hier auf urlaub, was mir unbegreiflich ist. Wie es hier steht, mag man daraus entnehmen, daß man hier spricht, im falle eines krieges würden russische truppen ungarn besetzen, um unserer Armée den Auszug möglich zu machen! – – Also so weit sind wir gekommen! der kaiser ist in vorarlberg und kömmt dort mit den süddeutschen kö- nigen zusammen, schwarzenberg ist ihm gefolgt.2 Prinz Wasa, der eben 1 Johann Wolfgang von goethe, vanitas! vanitatum vanitas!: ich hab’ mein sach auf nichts gestellt. Juchhe! / drum ist’s so wohl mir in der Welt. Juchhe! 2 ergebnis dieser Zusammenkunft war der vertrag von Bregenz v. 12.10.1850, in der sich österreich, Bayern und Württemberg zu gegenseitiger unterstützung für den fall einer Bundesexekution in kurhessen und eines preußischen militärischen Widerstandes dage- gen verpflichteten.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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