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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Page - 411 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II

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41119. November 1850 die letzten ungeschickten schritte des Pabstes in england wieder ein no Popery geschrey wie vor 150 Jahren hervorgerufen haben.1 rußland wird schwerlich sehr entschieden für uns [eingreifen], und es wäre gar nicht un- möglich, daß mannteuffel bald ein favorit des kaisers würde. die truppen- märsche bedecken die ganze straße von hier bis Wien. Aus italien werden 26.000 mann gezogen. dieß und radetzkys Abberufung gibt den italienern wieder muth und hoffnung, besonders wie ich höre in der lombardie. Pie- mont und neapel warten ohnehin nur auf ein signal. man sagt, daß unsere Armée, namentlich im venezianischen, sehr schwach sey. hier nur 3 Batail- lons! gyulai aber wird in ihr selbst einen sehr schweren stand haben. Als ich gestern mittags von triest (ich fuhr mit gilbert nugent) hier an- kam, überraschte mich der melancholische, verlassene eindruck venedigs, und dieser währt noch immer fort. verfall und Armuth. übrigens sind die hiesigen fashionables noch auf dem lande, leben aber auch wenn sie hier sind, ganz zurückgezogen. das Wetter ist herrlich, ich sitze jetzt in der europa am offenen fenster, mit der magnifiquen Aussicht auf die dogana etc., und so werde ich denn ruhig und harmlos den Winter hier zubringen, si fata vocant, ich glaube aber kaum, daß man mich lange hier lassen wird. [venedig] 19. november es ist hier noch sehr langweilig und still, wenig fremde, und unter diesen noch wenigere, die in irgend einer Beziehung marquiren, ein einziges thea- ter (s. Benedetto), wo oper ist, und auch da wurde seit meiner Ankunft ein einziges mal gespielt, im Apollo ist eine langweilige commedia. ich zweifle, daß es im Winter um vieles besser werden wird. Armuth und mißmuth halten die mittleren klassen, affektirter Patriotismus, größten- theils aber mißtrauen in den Bestand der jetztigen verhältnisse und furcht vor der rache der exaltirten im falle eines umschwunges die höhern stände zurück. Auch von fremden scheinen nur wenige zu kommen. dage- gen langweilige und gênante hoheiten genug. ich rechne hauptsächlich auf mathilde Berchtold und die Prinzessin Wasa, welche Beyde bald kommen sollen. im übrigen ist mir das einst so wohlbekannte venedig jetzt eine terra incognita, die sonstigen stammhäuser (thurn, Palfy etc.) sind fort, den ita- lienern nähere ich mich aus vielen gründen nicht, gorczkowsky ist ein alter husar, der ganz en garçon lebt, und toggenburg, den ich neulich besuchte, ein trockener Beamter mit beschränktem gesichtskreise, der aber innerhalb dieser sphäre viel rechtlichkeit, festigkeit und klarheit zu besitzen scheint. 1 ende september 1850 verkündete Papst Pius iX. die Wiedererrichtung der katholischen hierarchie in england und Wales mit der schaffung des erzbistums Westminster und von zwölf suffraganbistümern.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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