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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Page - 446 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II

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Tagebücher446 überhaupt experimentirt und pfuscht man in einer erbärmlichen Weise fort. die ganze politische verwaltung soll wieder anders organisirt, die kreisregierungen aufgehoben, Bezirkscommissäre creirt werden etc. die incapacität der leute übersteigt alle Begriffe, doch nehme ich mir vor, al- lerdings für mich eine schwere Aufgabe, in Wien weder zu urtheilen noch zu tadeln, da dieses nicht zu meinem gegenwärtigen nächsten Zwecke paßt, welcher darin besteht: eine angemessene amtliche stellung zu erhalten, zum theile aus finanziellen rücksichten, zum theile auch, weil ich es unter den gegenwärtigen umständen für den besten Weg halte, wieder zu einer größe- ren politischen Wirksamkeit zu gelangen, und endlich, weil eine solche zu meiner praktischen selbsterziehung nothwendig ist. von sonstigen Bekannten habe ich hier nur Bakesch, moering, egon ho- henlohe etc. gesehen. morgen Abends reise ich ab, übernachte übermor- gen in grätz, wo ich mit frank & c. sprechen will, und bin sonntag den 23. nachmittags in Wien. Wien 31. märz ich bin nun seit 8 tagen, d.h. seit 23. nachmittag hier, am 21. Abends ver- ließ ich triest, begegnete nachts in Planina den kaiser, war um 6 uhr früh in laibach und um 5 nachmittag in grätz, wo ich den Abend allein mit m. frank zubrachte und mir von ihm geschichten erzählen ließ. Am 23. früh fuhr ich von grätz ab, fand im Waggon Paul Zichy und war nachmittags nach 5 uhr hier. trotz dieser kurzen Zeit habe ich bereits Zeit gefunden, mich zu langwei- len und den venezianer Aufenthalt zu regrettiren. frauengesellschaft, wel- che doch ein sehr nothwendiger Bestandtheil des geselligen lebens ist, fehlt mir hier beynahe gänzlich, ja beynahe ebenso der umgang mit interessanten männern. es gibt kaum eine stadt mit so wenig ressourcen wie Wien, das gesellige leben reducirt sich hier auf einige große soiréen, routs, Bälle, die überall langweilig sind und namentlich hier, wo ein Wechsel durch fremde etc. nicht vorhanden ist und die einheimischen so höchst geistlos und un- bedeutend sind. ich habe daher diesen dingen schon seit lange lebewohl gesagt. kleinere salons, wo eine eigentliche conversation möglich wäre, gibt es aus ebendemselben grunde nur sehr wenige, und diese wenigen, wie z.B. bey schönburg, schwarzenberg, ficquelmont, sind mir bey der politischen Wuth, welche hier vorherrscht, verschlossen, oder will ich wenigstens den versuch nicht wagen. so habe ich mich nach und nach von aller gesellig- keit zurückgezogen und finde mich nun fast ausschließlich auf den club be- schränkt, welcher übrigens ebenfalls in der majorität aus ultragutgesinnten und beynahe in der totalität aus vollkommenen nullitäten besteht, daher ich auch dahin nur im äußersten nothfalle gehe. Jedoch bemerke ich dieß-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

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  1. Tagebücher 1848–1853 7
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