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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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45526. April 1851 von Wiederherstellung der alten verfassung, von einem ministerium Win- dischgrätz etc. Zsédényi hat eine fulminante Brochure gegen die minister losgelassen,1 worin er sie von ihrer schwächsten seite, nämlich ihrer stel- lung zum kaiser, angreift, welchen sie, wie er sagt, ganz anullirt haben, um unter dem schilde einer imaginairen verantwortlichkeit absoluter und widerrechtlicher zu regiren, als je zuvor geschehen ist. diese Brochure, welche viel Aufsehen macht, hat Bach am 5. tage ihres erscheinens ganz willkürlich confisciren lassen, mußte sie aber nach 3 tagen, da der staatsan- walt die verfolgung nicht übernehmen wollte, wieder freygeben, überhaupt scheint ihn seine geschicklichkeit und geistesgegenwart zu verlassen, er wird leidenschaftlich, l’avantcoureur de sa chûte, so z.B. will er einige ganz misérable subjecte, die er in ungarn zu obergespänen etc. gemacht hat, durchaus contre vent et marée, ja wie man sagt selbst gegen den Willen des kaisers festhalten, u.a. einen gewissen eckstein, der dem kriegsgerichte über eugéne Zichy beysaß und nun in demselben comitate (stuhlweißen- burg) obergespan ist! edmund Zichy hatte neulich deßhalb eine sanglante scene mit Bach. Auch schwarzenberg scheint zu wackeln, wenigstens sollen mehrere der reichsräthe, namentlich feri Zichy, vom kaiser trotz seiner wiederholten gegenvorstellungen ernannt worden seyn. unter diesen umständen steigen die Actien der männer des vormärz, wenigstens einiger unter ihnen, denn diesen dürfte vor der hand diese Be- wegung zu guten kommen, übrigens haben auch diese gelernt und verges- sen. Beweis dessen ist eine, wenn auch nicht durchaus untadelhafte, so doch jedenfalls sehr beherzigungswerthe geistreiche und interessante Brochure, welche hartig unter dem titel nachtgedanken so eben herausgegeben hat.2 das Alte will niemand zurückführen, weil es unmöglich ist, und weil selbst damals niemand ihm aus überzeugung anhing. dagegen aber sind die ge- nannten mehr als jede andere schattirung männer des Rechtes, was außer ihnen beynahe niemand ist, wenigstens keine Parthey, weder die jetzige re- gierung, noch die sogenannten liberalen, noch das militärregiment, noch selbst, glaube ich, der hof. nebst diesen dingen ist jetzt die hauptfrage die finanzen und die va- luta. es stellt sich nach und nach ein panischer schrecken ein, wozu noch die überhandnehmende theuerung kömmt. Beamte und offiziers verhungern und sind daher, wie man sich denken kann, nicht mehr gutgesinnt. man verspricht nun in nächster Zeit eine radicalcur –?!– diese könnte aber nur 1 ede szédényi, die verantwortlichkeit des ministeriums und ungarns Zustände (Wien 1851). 2 (franz hartig), nachtgedanken des Publizisten gotthelf Zurecht im februar 1851 (leipzig 1851).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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