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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher492 und durch eiserne strenge vollkommen zum schweigen gebracht, dabey steigen alle Preise, auch der unentbehrlichsten lebensmittel, enorm. erz- herzog Albrecht ist civil- und militärgouverneur von ungarn, die regie- rung der erzherzoge, wie vor dem märz,1 fängt wieder an. der kaiser ist gestern nach verona und wird nicht vor 3 Wochen zurück kehren. [Wien] 20. september es ist ganz beyspiellos langweilig in dieser sogenannten großen stadt, dazu ein schauderhaftes Wetter, man muß die schönen tage oder eigentlich stunden im fluge erhaschen, denn sie dauern eben nur ein paar stunden, so hatte ich neulich einen schönen tag in Baden und machte eine ange- nehme Promenade mit gabrielle, in der hoffnung auf einen eben so schö- nen morgen übernachtete ich dort. doch regnete es tags darauf wie aus scheffeln, und ich fuhr um 1/2 9 heim. ich sprach in Baden mit löhner, der mir ganz verbissen schien und vom Auswandern sprach, der dumme kerl, er sollte sich im gegentheile freuen. neulich war carl Jablonowsky bey mir, er hat mein mémoire schon An- fangs July Baron kübeck übergeben, diesen jedoch seitdem nicht mehr ge- sehen, auch vielen Anderen hat er es mitgetheilt, als hugo salm, graf col- loredo, feri Zichy, szögyény und anderen ungarn, welche Alle, besonders die letzteren, wie er sagt, davon enchantirt waren. feri Zichy wollte es dem kaiser vorlegen, tout cela n’empêche pas, daß, wenn es von einem Ande- ren als gerade von mir wäre, z.B. von Jablonowsky, der effect ein größerer wäre, denn ich bin einmahl diesen Altconservativen diesseits und jenseits der march eine mißliebige Person, noch von vormärzlichen Zeiten her. von hartig habe ich hier ein langes schreiben, noch vom 29. Juny aus ischl datirt vorgefunden, worin er über denselben gegenstand sich auf das schmeichelhafteste ausläßt, meint, es wäre schade, wenn ich es nicht ver- öffentlichen sollte, und mir für diesen fall seine Bemerkungen mittheilt, namentlich, meint er, soll ich die Minister glimpflicher behandeln. über das, was nun zunächst bevorsteht, weiß niemand etwas zu sagen, ebenso wie noch am 25. August niemand etwas von den kaiserlichen or- donnanzen ahnte. die ganze sache ruht ausschließlich in kübecks hand, der der mann des tages ist. schwarzenberg ist im geheimnisse, sonst nie- mand. Alle Anderen sind kärrner. Bach nur der Polizeyagent, dem man soviel sagt als gerade nothwendig. die Beamten sind nun sämmtlich umge- schworen worden, d.h. der eid auf die verfassung ausgemerzt, obwohl sie ja zu mindestens zwei drittel zur Abschöpfung des staatspapiergelds verwendet werden, der Rest zur Deckung des Haushaltsdefizits. 1 die revolution vom märz 1848.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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