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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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50120. Oktober 1851 nicht weit davon werde zubringen müssen. Zum glücke habe ich bis jetzt, so wie überhaupt nun schon seit 3 Wochen, das herrlichste Wetter von der Welt, warme, schöne octobertage nach diesem beyspiellos nassen und küh- len sommer. die ernte ist schlecht, die kartoffelkrankheit allgemein und auch der Wein schlecht, die Preise daher im steigen. Wien 20. oktober der empfang des erzherzog Albrecht war vollkommen kalt, nicht ein vi- vatruf zu hören und ziemlich wenige menschen versammelt, was auch nicht anders zu erwarten war, da er ja mit leeren händen kam und geringer & consorten vor der hand bleiben (was meines erachtens eine große bévue war). Aber auch der erzherzog benahm sich ungeschickt, d.h. ganz als blo- ßer commandirender general, stieg unmittelbar zu Pferde die truppen an- zusehen etc., seitdem thut er nichts als Paraden und militärische Aufwar- tungen abhalten und beginnt heute eine rundreise, um die – regimenter zu besichtigen, er ist durch und durch militär und kamaschenknopf, paßt daher für diese stellung nicht, ja entfremdet sich sogar das militär durch kleinigkeitskrämerey und ewiges Abhetzen. Abends war illumination der beyden städte,1 als der erzherzog ausfuhr, wurde er von einem haufen der zerlumptesten Bettelbuben umgeben und begleitet, die, offenbar bezahlt, fortwährend wüthend vivat schrieen, das sah fast aus wie eine Persiflage. tages darauf, am 15., fuhr ich um 2 uhr mit dem dampfschiffe nach Waitzen, wo ich nach 4 ankam und gleich in den bereitstehenden Wagen, ein echt ungarisches Bauernfuhrwerk, stieg. Als es schon dunkel war, ver- fuhr sich mein Bauer, oder vielmehr er kam an eine eingefallene Brücke und mußte sich einen kerl aus dem nächsten dorfe nehmen, der uns über stock und stein, durch einen dichten Wald, über sturzäcker etc. wieder auf die straße führte. da ich mit den leuten kein Wort sprechen konnte, war mir ziemlich unangenehm zu muthe, so kam es, daß ich erst gegen 9 uhr in oroszi anlangte. ich fand mathilde [Berchtold] ganz allein, d.h. umgeben von ihren kindern, den 4 ungeberdigsten knaben von der Welt, Officiere, Fiscalen und ähnlichen Leuten, das schien einen ziemlich lang- weiligen landaufenthalt zu prophezeyen. dazu kommt, daß man beynahe den ganzen Tag beysammen ist, die Zimmer sehr gut eingerichtet, aber fin- ster, feucht, daher nicht von der Art sind, daß man sich am tage viel darin aufhalten könnte, dabey kein eigentlicher garten, sondern nur ein kleiner ziemlich uncomfortabler Platz vor dem hause – – endlich die tagesord- 1 die beiden städte Buda (dt. ofen) und Pest wurden erst 1872 gemeinsam mit Óbuda (Alt- ofen) zu Budapest vereinigt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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