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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher518 [Wien] 7. Jänner man hört nicht viel über den staatsstreich vom l. dieses monats sprechen. niemand wagt es, eine meinung darüber laut werden zu lassen, selbst die nicht, welche darüber erfreut sind (deren es freylich wenig gibt). die Presse ist ohnehin schon seit monathen sogut wie null. im Allgemeinen scheint man zu glauben, daß auch diese sogenannte verfassung, die fünfte seit 4 Jahren, nicht lange dauern werde, und diese Ansicht theile auch ich und glaube, daß das Jahr 1852 manches unerwartete bringen wird. die schwurgerichte, welche für den laufenden monat bestimmt waren, sind bereits vertagt worden, also wohl bis zur einführung der neuen ge- richtsordnung. Bach hat das großkreuz des leopoldordens erhalten und damit die ge- heimrathswürde und das Baronat, heute spricht man sogar von einer dona- tion – wofür? daß er geholfen hat umwerfen, was er seit 3 Jahren mühsam und freylich ungeschickt genug gebaut hat. dieses rücksichtslose festhalten eines von aller Welt verachteten menschen macht viel böses Blut, erbittert und erschwert jede lösung, liegt aber ganz im charakter des kaisers und schwarzenbergs. überhaupt nimmt unsere krankheit einen viel schnelleren verlauf, als ich gedacht hätte. gegenwärtig ist also Alles suspendirt, paralysirt und provisorisch: die ge- richte stehen still, die Beamten stehen bey der bevorstehenden totalen reor- ganisation der politischen eintheilung und verwaltung in der luft, ebenso die gemeinden, die sitzungen des hiesigen gemeinderathes sind bereits ein- gestellt. einige (z.B. stifft, dem der kopf brennt, und der sein haus auf alle mögliche fälle bestellen will) sagen, durch die Aufhebung der verfassung vom 4. märz seyen die alten stände ipso facto wieder hergestellt. Andere weisen auf die §.§. 13 und 56 der Bundesakte etc.1 Alles aber mit der größten vorsicht und insgeheim, denn der terrorismus des Belagerungsstandes, kempen und Weiss schrecken ganz anders als in früheren Zeiten sedlnitzky und metter- nich, überhaupt hört man jetzt vielfach vergleiche zwischen Jetzt und 1847 anstellen, die in jeder Beziehung zu gunsten der damaligen Zeit ausfallen. in den finanzen ist momentan eine günstigere constellation eingetreten, wiewohl an eine verminderung des deficits und der verlegenheiten nicht zu denken ist, als folge der besseren stimmung des Auslandes wegen der allgemeinen europäischen Aspecten, eine stimmung, welche ich wohl für die nächsten 2–3 monathe aber nicht für länger hinaus theile, das silber 1 § 13 der Bundesakte vom 8.6.1815 lautet: in allen Bundesstaaten wird eine landständische Verfassung statt finden; § 56 der Wiener Schlussakte vom 15.5.1820: Die in anerkannter Wirksamkeit bestehenden landständischen verfassungen können nur auf verfassungsmä- ßigem Wege wieder abgeändert werden.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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