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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher526 d’hôte zwischen Jennison und e. girardin, Abends ein theater, toujours per- drix, dazu seit ein paar tagen ein scheußliches Wetter, die unbequemlich- keit, keinen Bedienten mit mir zu haben, endlich ein Anfang von grippe, die ich den hiesigen kaminen verdanke. Alles dieses zusammengenommen con- stituirt ein sehr mäßiges vergnügen. Auch sehe ich nicht ein, wie dieses um vieles besser werden kann. Zaremba und die beyden Brüder grünne wollen mich zwar aller Welt vorstellen, wozu ich aber keine große lust habe, die gesellschaft ist sehr zahlreich und sehr animirt, alle tage gibt es irgendwo einen Ball oder rout, eben dieses aber ist für mich, da ich nicht tanze und überhaupt nur auf einige Wochen hier bin, pas mon affaire, was mir conve- niren würde, wären ein paar salons, wie ich sie z.B. voriges Jahr in venedig hatte, wo ich Abends ruhig meinen thee trinken könnte. fremde gibt es hier gar nicht, wenigstens keine solche, die in gesellschaft gehen. grünne hat mich in zwey hiesigen clubs: de l’union und du Parc vorgestellt. gestern Abends war ich eine halbe stunde auf einem Bal masqué im großen theater, ganz elend, die Belgier sind überhaupt ein steifes langweiliges volk, dazu sehr tugendhaft, es steht ihnen daher sehr schlecht an, wenn sie auf einmahl die écervelés spielen wollen. Neulich unterhielt ich mich vortrefflich in einer Vorstellung Robert Ma- caire’s durch frederick lemaitre, am selben Abende im theater traf ich ganz unvermuthet den russischen Offizier, mit dem ich im August die paar tage in interlaken zugebracht hatte, dessen nahmen ich übrigens nicht weiß. ich werde wahrscheinlich bald einen kurzen Ausflug nach Paris machen, incognito, um mich ein Bischen zu amusiren. Auch zu Augusta [horrocks] in die gegend von namur will ich jedenfalls gehen, jedoch nicht vor ende dieses monats. ob ich auf meiner rückreise über holland gehe und haag berühre, d.h. doblhoff besuche, weiß ich noch nicht, ich thäte es aus mehrern ursachen gerne, weiß jedoch noch nicht, ob es angemessen seyn würde. An- fangs oder mitte märz denke ich wieder in Wien zu seyn. von dort höre ich, daß schwarzenberg zur herstellung seiner gesundheit auf urlaub gehen soll!! die valuta wird übrigens immer schlechter, ich bin neugierig, welche Wirkungen der neue tariff, der heute ins leben tritt, äußern wird, die Zölle werden in Papiergeld bezahlt, also eine Prämie von 25–30 percent für den ausländischen industriellen! übrigens spricht man von einer großen Anleihe durch rothschild! An den administrativen und gerichtlichen reorganisatio- nen in folge der letzten Patente wird gearbeitet, doch soll es, wie es schon jetzt heißt, 1–2 Jahre dauern – ! – mittlerweilen sind sämmtliche Beamte wieder provisorisch, das experimentiren in anima vili nimmt kein ende, denn die anima villi [sic] selbst rührt und regt sich nicht, und so wird das ding fortgehen, bis man sie durch lauter experimente getödtet hat, wo dann
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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