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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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5277. Februar 1852 keine kunst mehr hilft, oder, der glücklichere fall, bis ein äußeres unvorher- gesehenes ereigniß dazwischenfährt. Als observationsposten ist Brüssel sehr interessant, england und frank- reich vor der thüre und in engster verbindung mit diesem lande. die hiesige regierung (welche jetzt in den händen eines sehr liberalen mini- steriums: rogier, frére etc. ist, daher die conservative Party des Adels und größeren grundbesitzes ebenso wie die katholische Partey gegen sich hat) hat den Anforderungen frankreichs schritt vor schritt und de mauvaise grâce nachgegeben, das Bulletin français ist vorgestern saisirt, mehrere flüchtlinge weggewiesen worden, v. hugo wird sein manifeste nicht hier drucken lassen etc. van de Weyer, der von seiner begütigenden mission nach Paris zurückgekehrt (und auch schon nach london abgereist ist, so daß ich ihn nicht sah), soll hier diese maßregeln herbeygeführt haben. Wir sind ein leib und eine seele mit l. napoléon und drängen auf das arme kleine Bel- gien, möchten das jetzige cabinett stürzen, die verfassung modifiziren etc. die relationen l. napoleons zu england werden übrigens täglich kriti- scher. das Parlament, das übermorgen eröffnet wird, wird manches brin- gen, jedenfalls den sturz des cabinetts und vielleicht lord Palmerston als Premier. eine einzige frage übrigens, welche wenigstens fürs erste bey- gelegt zu [sein] scheint, es ist dieß aber auch die einzige seit 1848, ist die schleswigholsteinische, und zwar in ziemlich annehmbarer Weise.1 [Brüssel] 7. februar ich war diese ganze Woche elend, durch 3 tage hatte ich, Abends, ein hef- tiges fieber und dann einen wahren Pferdehusten, welcher mich besonders bey nacht quälte. Auch verfiel ich jede nacht in einen so starken schweiß, wie ich mich dessen nie erinnere. Alles folge von verkühlung. ich saß da- her den ganzen tag zuhause, umsomehr als das Wetter fast die ganze Zeit über ein scheußliches war, es stürmte und regnete in einem fort, des Abends aber trieb mich die verzweiflung dennoch ins theater, mit Ausnahme eines Abends, an welchem ich zu Jennison hinabging und bey ihm meinen thee trank. Jetzt ist es besser, doch noch nicht ganz zu ende, und eben gestern Abend, wo ich mit Zaremba zu seckendorf, dem preußischen gesandten, ging, débutirte ich auf die schandvollste Weise durch einen hustkrampf, der 1 die schleswig-holsteinische frage wurde erst durch die unterzeichnung des londoner Pro- tokolls am 8.5.1852 beigelegt. darin wurde die integrität des dänischen gesamtstaats zur europäischen notwendigkeit erklärt, die verbindung der herzogtümer in Personalunion mit dänemark bestätigt und die erbfolge in den herzogtümern jener in dänemark angegli- chen. im gegenzug wurde festgehalten, dass die herzogtümer als eigenständige einheiten erhalten bleiben müssten und schleswig verfassungsmäßig nicht enger mit dänemark ver- bunden werden dürfte als holstein.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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