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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher530 Paris 17. februar morgens Am 13. war ich viel mit vater und sohn nugent zusammen und aß auch mit ihnen an unserer table d’hôte, sie erzählten mir manches interessante aus und über england. fm nugents Aufenthalt daselbst gerade zu der kri- tischen Zeit kossuths und des Austrittes Palmerston’s hat viel gutes ge- wirkt und vielleicht zu der Annäherung an oesterreich (welche übrigens, außer in der stimmung der königinn, noch nicht sehr weit gediehen ist) beygetragen. Prinz Albert ist sehr gegen uns eingenommen und preußisch gesinnt, soll aber in der letzten Zeit durch die drohende kriegsgefahr mit frankreich etwas umgestimmt seyn. im ganzen sey die stimmung ziemlich für uns, weil man einsähe, wie man sich dadurch, daß man uns, englands uneigennützigsten Alliirten vor den kopf stieß, auf dem continente isolirt habe. übrigens betrachte man uns als satelliten rußlands und halte ein Zusammenbrechen aus finanziellen ursachen für unvermeidlich. nugent glaubt, ohne äußeren Anstoß werde das ministerium dort sich halten, und Palmerston habe nur chancen im falle eines krieges, und wenn er sich mit den tories verbündet. Am 14. früh 1/2 9 uhr fuhr ich ab und war um 5 hier, wo mir villers im hôtel d’orient, rue neuve s. Augustin 48, ein ziemlich ärmliches Quartier bestellt hat. er kam, als ich eben angekommen war, zu mir, und wir gingen mit einander in ein café in der rue de la Paix essen. nach tische machte ich toilette etc. und fuhr dann ins théatre français, wo man mlle de la seiglière mit gewohnter vortrefflichkeit gab, hierauf in den Jardin d’hiver, wo ein gro- ßer Wohltätigkeitsball von vielleicht 5000 Personen war, wo ich mich in der foule und hitze weidlich ennuyirte, bis ich villers fand, dem ich da ein ren- dezvous gegeben hatte, dann fuhren wir gegen 1 uhr auf den Bal de l’opéra, dort trieb ich mich herum, sah eine Zeit lang aus der loge der englischen Ambassade dem treiben zu, fand einige Bekannte, Andrássy, san teodoro etc., traf einige bekannte masken aus Wien, einige unbekannte etc., kurz blieb bis gegen 6 uhr früh. tags darauf, sonntag, einem herrlichen tage (es ist hier überhaupt viel wärmer als in Brüssel, und in den champs elysées schlagen schon die Bäume aus) ging ich zu hübner. da weht eine ganz napoleonistische luft, zum unterschiede von allen anderen leuten, die ich bisher sah, namentlich darin die internationale lage sehr pessimistisch und resignierend. es sei ein großer Arzt notwendig, um das Ausbrechen einer großen krise zu verhindern. „Alle Quacksalbereien, niederschlagende Pulver etc. sind im besten fall wirkungslos. dieß meine überzeugung und resignation, zum mindesten kann ich mir den gegenwärtigen annormalen Zustand wohin man blickt und dieses unbegreifliche Ineinandergehen von Tollheit und Stumpfsinn, von cynismus und fanatismus und wie so viele andere große Widersprüche heißen, nicht Anders erklären.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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