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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher542 Wien 19. märz 1852 ich bin nun seit zehn tagen hier und finde diese vortreffliche stadt gerade so langweilig wie immer, überhaupt nichts verändert. man fährt langsam immer tiefer in den schlamm, und das Bewußtseyn dessen wird immer all- gemeiner, seit einiger Zeit besonders unter der Aristocratie, welche endlich anfängt einzusehen, daß unter der herrschaft des Absolutismus niemand mehr leidet als sie, weil niemand mehr gesetzliche und herkömmliche rechte zu verlieren hat als sie. schwarzenberg und sein famulus Bach gehen immer schärfer über sie los, die ministeriellen Zeitungen fallen mit einer Art von Wuth über sie her, und die Zeitungen, in welchen sich noch hie und da eine gegenstimme vernehmen ließ, werden verbothen, so vor ein paar tagen die kreuzzeitung (welche von der officiellen Wiener Zeitung neulich ein schamloses Blatt genannt wurde!) und die volkshalle.1 der Absolutismus ist die einzig mögliche regierungsform, und dieser braucht eine Armée und Beamte, sonst nichts, das ist die doctrin, die täglich gepredigt wird. sym- pathieen und Anhänglichkeit brauche ich nicht, sondern nur meine Armée, sagte der kaiser neulich. dieser kam am 11. von triest zurück. das kriegs- dampfschiff marianne ist mit 120 Personen wie es scheint verunglückt, da man seit 4. dieses monats nichts von ihm hört. dieses macht einen sehr übeln eindruck, indem man es dem eigensinne des kaisers zuschreibt, wel- cher trotz alles Abrathens während einer heftigen Bora venedig verlassen wollte und auch wirklich nach rovigno verschlagen wurde.2 gewiß ist, daß er es verschmäht, comödie zu spielen und an dem schicksale jener unglück- lichen theilnahme zu zeigen. 1 die Berliner „neue Preußische Zeitung“ (wegen des eisernen kreuzes im titel weitgehend als kreuzzeitung bekannt) war das organ des preußischen konservativen Adels, die kölner „deutsche volkshalle“ die führende katholische Zeitung Preußens. 2 kaiser franz Joseph segelte zum Abschluss seiner italienreise am 4.3.1852 auf der dampf- fregatte „volta“ von venedig nach triest ab, aufgrund des extrem schlechten Wetters wurde er jedoch ins istrianische rovigno/rovinj verschlagen und nahm von dort den land- weg nach triest. Zu den Begleitschiffen gehörte auch der raddampfer „marianna“, der mit offiziell 66 Personen an Bord (darunter der Fregattenfähnrich Frh. Julius v. Kübeck, sohn des Präsidenten des reichsrats) zunächst als verschollen galt. nachdem die Wiener Zeitung am 19. märz über „mehr oder minder beglaubigte nachrichten“ berichtete, welche die „früher geäußerten Besorgnisse über das los des schiffes und seiner Bemannung zu steigern“ geeignet seien, wurde am Tag darauf das Auffinden von Wrackteilen und Leichen gemeldet. im Befund der untersuchungskommission (Wiener Zeitung v. 28.3.1852) wird als wahrscheinliche ursache des untergangs auf hoher see vor den Pomündungen in der nacht vom 4. auf den 5. märz die explosion der Pulverkammer angegeben: „läßt sich mit ueberzeugung annehmen, daß die ‚marianna‘ ein seetüchtiges schiff war, das seinen frühe- ren leistungen ehre machte, daher das Auslaufen am 4. märz keineswegs als ein riskirtes unternehmen angesehen werden dürfe. ein unheilvoller Zufall scheint allein deren bekla- genswerthes ende herbeigeführt zu haben.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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