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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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54524. März 1852 eine neue schwierigkeit bereitet, da, wie ich höre, eine masse von capitalien gekündet werden. der Zollcongress hier hat, wie mich Becher versichert, gar kein, wie die offiziellen Blätter sagen, ein glänzendes resultat, soviel scheint ausgemacht, daß wir in deutschland an terrain verlieren, was bey dem bley- ernen despotismus, welcher sich hier immer mehr festsetzt, natürlich ist. traurig übrigens ist es, daß wir unsere Zeit und unsere kräfte an solche mi- sérable katzbalgereyen mit Preußen verwenden, während dem tausendmahl größere interessen im oriente und anderswo uns in Anspruch nehmen sollten. schwarzenberg wird, wie man mir sagt, täglich blöder und geht mit ra- schen schritten stadion’s Weg, die einzige Ähnlichkeit, die er mit diesem hat, er leidet am schwindel, schlafsucht etc. die geschichte mit der marianne1 macht einen sehr bösen eindruck, die stimmung scheint noch weit übler als bisher, obwohl man die leute, welche das maul aufthun, zu dutzenden einfängt, die Aristocratie schweigt, und der enthusiasmus, welchen sie noch vor kurzem für die Person des kaisers zeigte, scheint verflogen, bey einer jeden anderen Aristocratie als der unsri- gen wäre bloßes schweigen wenig, hier, wo besonders unter den häuptern derselben eine blinde unterwerfung, eine vollkommene Abnegation eines je- den urtheiles in öffentlichen dingen eine angeerbte gewohnheit ist, wo man davon, que noblesse oblige, auch nicht die geringste Ahnung hat, ist dieses schweigen bedeutsam. georges Apponyi ist wieder berufen worden und wird erwartet, à quoi bon? man versucht hier eine Art von Adelsdeputation zu organisiren, welche den kaiser in ungarn bewillkommnen soll, und hat einstweilen louis károly und edmund Zichy, die allzeit getreuen, ausgefunden, die sollen nun hinab- gehen, um zu recrutiren – ! – das Wetter ist magnifique, ein wahres frühlingswetter, doch leide ich noch immer an husten und Brustschmerzen, die ich seit Brüssel nicht los werden kann. gestern war ich in schönbrunn, die glashäuser und in der ménagerie den neuen Auerochsen, ein geschenk des russischen kaisers an- sehen. ich lese jetzt mit großem interesse riehl’s bürgerliche gesellschaft.2 man fängt jetzt besonders in deutschland an, die rechnung von 1848 abzuschlie- ßen und die resultate daraus zu ziehen, und da offenbart sich eine bedeu- tende Wiederannäherung an die Principien der Aristocratie und ständischen institutionen, überhaupt an das englische system. das ist eine sehr erfreu- liche errungenschaft. die übertriebene Bedeutung der staatsidee (und folg- lich mit ihr die macht der Bureaukratie) muß gebrochen werden. 1 der raddampfer marianna, vgl. eintrag v. 19.3.1852. 2 Wilhelm heinrich riehl, die bürgerliche gesellschaft (stuttgart 1851).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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