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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Page - 549 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II

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54912. April 1852 stürzt, wenn auch nicht im ersten Augenblick, system und ministerium, zum glücke für oesterreich, besonders aber, si fata sic volunt, zum glücke für die dynastie. dieß ist mein erster eindruck, folglich ein getheilter. [Wien] 12. April Am 7. um 2 uhr nachittag, als eben das leichenbegängniß felix schwar- zenbergs sich in Bewegung setzte, fuhr ich mit der eisenbahn nach Preß- burg (mit haller, dem ehemaligen Banus) und kam gestern, ostersonntag, um mittag zurück. ich brachte diese 3–4 tage recht angenehm zu. Press- burg hat, wenigstens für mich, mehr ressourcen und angenehmere Be- kannte als Wien. Besonders angenehm war mir der salon siga Zichys, wo ich alle Abende zubrachte. Zwey charmante, sehr hübsche und lebhafte junge frauen: irma Zichy und vera esterhazy, sind der hauptmagnet dieses hau- ses, mir gefällt namentlich irma Zichy ganz außerordentlich, und sie schien sich ebenfalls nicht übel mit mir zu gefallen, c’est une femme des plus gen- tilles et séduisantes que j’aie vues, et qui tournera plus d’une tête. Auch bey fidel Palffy war ich oft in der Avantsoirée eine Pfeife rauchen. louis Palffy las mir einen vormittag ein mémoire vor, welches er kübeck übergeben hat, und das mit meiner „decentralisation“ fast wörtlich übereinstimmt. er ist überhaupt einer der wenigen ungarn, ja fast der einzige, der nicht chorus macht, dessen ideen über ungarn hinausreichen, und der kein (wissentli- cher oder unwissentlicher) separatist ist. leider ist er nicht der mann dazu, seinen ideen geltung zu verschaffen. ganz derselben Ansicht, ja noch mehr im interesse der reichseinheit, dabey heftiger und zugleich gescheidter ist georges Walterskirchen, der chef der grundsteuerregulirungscommission für den Preßburger district. ich aß am samstage bey ihm, und er lud mir einen dr. mayer, schuleninspector dazu, einen sehr gescheidten mann, ehemaligen liberalen, deutschen und Bürgerlichen, daher heftigen Anti- magyaren, freund der centralisation und enthusiasten der reichseinheit, was ich da hörte, war mir sehr interessant, wenn es auch manche meiner Ansichten und sympathieen verletzte. Was die leute dieser farbe (welche freylich nicht sehr zahlreich seyn dürften) beklagen, ist das schwanken und die unsicherheit des ministeriums, welches dadurch, daß es in Allem, in der politischen, administrativen, gerichtlichen etc. organisation zurückhält und nichts definitives erscheinen läßt, es verhindert, daß sich eine regierungs- partey bilde, diese leute beklagen natürlich den tod schwarzenbergs, weil sie von Bach noch weniger entschiedenes erwarten, ja sogar einen mögli- chen sieg der Altconservativen fürchten. sie bestätigten mir übrigens, was ich schon bey meinem letzten Aufenthalt in ungarn im herbste vorigen Jah- res von dem enormen Aufschwunge des Wohlstandes, den steigenden Boden- und früchtenpreisen gehört hatte. der Bauer zahlt jetzt bedeutend weniger
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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