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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher550 als früher und ist besonders mit militärverpflegung, naturalleistungen, öf- fentlichen robothen etc. weniger geplagt. Würde man geschickter, nicht in einer anderen Richtung, regieren, so würde man Bauer und Bürger entschie- den für sich haben, den Adel aber werde man stets gegen sich haben, solange man nicht die Zustände von 1847 wiederherstelle, d.h. ein abermaliges 1848 vorbereite, man könne aber den Adel entbehren. ich war mit deßwegen nach Preßburg gegangen, um mir die sachen in der nähe anzusehen und in muße darüber nachzudenken. mit schwarzen- bergs tode ist ein Wendepunkt eingetreten. Bach hat einerseits seine einzige stütze verloren, und man wird nun, besonders von seiten der ungarn, gegen ihn wüthend sturm laufen, andererseits ist er ganz der kerl dazu, pour viver de bord au beau matin, und, um sich zu halten, den leuten concessionen zu machen, welche jeden schatten von reichseinheit annihiliren. es ist also der moment gekommen, sich die dinge reiflich zu überlegen, den don Quixote einer idee, welche keine chancen des gelingens hat, zu machen, habe ich keine lust, und ebensowenig, ohne einen ersatz mächtige Bundesgenossen zu verscherzen. Wenn man aber zugleich den sturz einer Person und die vernünftig modificirte durchführung einer, zur politischen fortdauer un- erläßlichen, idee erreichen könnte, so wäre es ein doppelter gewinn. ohne den Adel aber in ungarn regieren zu wollen, wie jene herren meinen, wäre ein unsinn, eine unmöglichkeit, und für mich speciell eine Widernatürlich- keit. eher könnte ich noch die hiesige jämmerliche Aristocratie mit den fü- ßen treten, welche zu dumm ist, ihr interesse zu erkennen, zu charakterlos, um irgend etwas zu wagen, und die aus bloßem ererbten neid jubelt, daß ihre standesgenossen in ungarn gedemüthigt werden, jetzt bedauern sie schwarzenbergs tod, nicht aus irgend einer politischen überzeugung (bey seinen lebzeiten schimpften sie um die Wette über ihn), sondern weil sie den ungarn eine freude darüber abzusehen glauben, und weil, wie sie behaup- ten, ich mich darüber freue! – s’ils savaient lire dans mon cœur. – – so wäre ich also jetzt daran, die rolle des Pessimismus für einen Augenblick an den nagel zu hängen, welche ich nun seit einem Jahre, d.i. seit meinen letzten entrevues mit schwarzenberg, als die meinige erkannt habe, ohne sie deß- wegen aufzugeben – fata viam invenient. sonst sah ich von Bekannten in Pressburg noch marcell dessewffy, Paul Zichy und seine alte charlotte etc. eine Brochure: Zwey brennende fragen in österreich, macht in dieser todten Zeit Aufsehen, wer der verfasser sey, nescio,1 sie spricht gegen stände, für Bureaukratie und Bach! doch will sie berathende centralcongregationen in den Provinzen und in Wien! ku- 1 Zwei brennende Fragen in Österreich März 1852 (Wien 1852); die anonyme Broschüre stammt von graf franz hartig.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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