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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher564 um 4 des morgens fuhr ich mit dem dampfboote wieder ab, stieg am drauecke auf das donauschiff, war gegen mittag in Peterwardein-neusatz (dem ersten schönen Punkte seit Pesth), es war drückend heiß, so daß auf dem vordecke gegessen wurde. nachdem wir noch bey tittel angelegt und das berühmte Plateau gesehen hatten, waren wir vor 7 in semlin, wo ich im löwen abstieg. das Panorama von semlin, Belgrad und der donau ist magnifique, semlin selbst charakteristisch durch trachten und gesichter. ich machte einen spatziergang am Wasser, wo ich einem sehr liebenswür- digen gentlemanlike aussehenden herrn begegnete, der sich mir als major und Bürgermeister matich präsentirte, ich fragte ihn natürlich über vieles aus, u.a. sagte er mir, wie nothwendig es für semlin wäre, einen freyhafen zu erhalten, indem gegenwärtig Belgrad auf seine kosten groß werde. tags darauf des morgens begegnete ich einem alten herrn, den ich auf dem dampfschiffe zwischen raab und Pesth getroffen hatte, und der, wie sich später auswies, ein kaufmann uiberfeld aus frankfurt, schwiegervater thierrys von der staatskanzley, war, und nun von Wien aus eine excursion nach constantinopel machen wollte, aber wegen eines Paßfehlers nicht nur nicht vorwärts, sondern nicht einmahl nach Belgrad hinüberkonnte und nun schon seit 2 tagen in semlin saß. da ich eben auch auf dem Wege zum Platz- commando war, um mir einen Passierschein nach Belgrad zu erbitten, so ver- schaffte ich ihm durch meine intercession ebenfalls einen, und so fuhren wir um 12 mit einem von mir aufgenommenen lohnbedienten per dampfschiff hinüber, wir aßen zuerst in einem schlechten aber europäischen Wirthshause und stiegen dann bey einer entsetzlichen hitze herum, diese wirklich merk- würdige stadt anzusehen, doppelt merkwürdig für Jemand, der den orient nicht kennt, wir sahen die festung, die Wohnung des Paschas, die kasernen, die türkenstadt, ein paar moscheen, Bäder etc., begegneten, da gerade frey- tag, der türkische sonntag war, vielen verschleyerten Weibern, die unter den tüchern herauskokettirten etc. einen gottesdienst in einer der moscheen zu sehen, verfehlten wir leider durch die ungeschicklichkeit des lohnbedienten. Was mich fast nicht weniger amusirte als das, was ich sah, war die dumm- heit meines Begleiters, ein wahrer typus eines deutschen und speciell eines frankfurter spießbürgers (von Bildung, das ist der ärgste genre), welcher unaufhörlich über den gestank, die unordnung etc. sich entsetzte und nach einer Behörde schrie, denn was ist ein deutscher ohne eine Behörde? ich mal- traitirte ihn aber auch, sowie die nächsten tage, ganz jämmerlich, übrigens ein ganz guter kerl und lief mir nach wie ein Pudel, ganz deutscher. gyula 25. Juny Abends Am 19. um 6 uhr früh fuhren wir von semlin fort, es wurde bald trüb und unfreundlich, und die fahrt war ziemlich langweilig bis gegen Abends 6
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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