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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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56525. Juni 1852 uhr, wo bey golubacz die berühmte herrliche gegend anfing, welche auch wirklich alle meine erwartungen übertraf. ich habe weder am rhein noch sonst irgendwo etwas so grandioses und überraschendes gesehen wie diese ganze 3stündige strecke bis orsova. dort um 9 angekommen, übernachtete ich in einem elenden wallachischen Wirthshause, mußte aber noch spät am Abend mit meinem frankfurter, der mir keine ruhe ließ, zum Platzmajor wandern, um unsere Pässe zurückzuerhalten. es ist überhaupt unglaublich, wie man in der militairgrenze mit Pässen und sonstigen ge- und verbothen maltraitirt wird. der militärische Pedantismus ist noch zehnmal ärger als jeder Andere. tags darauf, sonntag, früh 6 uhr fuhr ich mit meinem frankfurter nach mehadia, eine superbe gegend, wie man sie in der schweiz nicht oft findet, dort verbrachten wir den tag mit spazierengehen etc., es war sehr voll, eine menge hübsche Badegastinnen und wallachische Bäuerinnen in ihrer male- rischen tracht. Abends war Ball, wo mein kaufmännlein trotz seiner grauen haare lebendig wurde und sich viel Plaisir versprach, ich ging um 1/2 11 uhr fort, weil ich tages darauf um 5 uhr fort wollte, was auch geschah, die einzige möglichkeit dazu bestand nämlich in einem misérablen sogenannten eilwagen, der mit denselben 4 Pferden in 2 tagen nach temeswar fuhr, zum glücke waren nur ein paar menschen darauf, darunter eine ganz anstän- dige alte frau aus temeswar. Wir fuhren den ganzen ersten tag immer in einer superben gegend fort, auf einer magnifiquen chaussée, durch lauter reiches und vortrefflich gebautes land, nette dörfer, abwechselnd von Wal- lachen und deutschen bewohnt. gegen 5 waren wir in karansebes, einem sehr netten wohlhabenden städtchen, übernachteten dagegen in einem ganz unbedeutenden wallachischen dorfe Zakul, wo es mir sehr schlecht erging, in dem einzigen Wirthshause war nämlich eines truppendurchmarsches wegen ein einziges Zimmer leer, welches natürlich die dame occupirte, ich mußte im gastzimmer übernachten, daher geduldig warten, bis offiziere, soldaten, Bauern etc. ausgezecht hatten und verschwunden waren, bis Wirth und Wirthinn ihre rechnungen etc. beendet hatten, und mich dann in dem Bier- und Weinqualme niederlegen, wurde dann durch die abmar- schirenden truppen, eine halbe stunde durch einen wallachischen soldaten gestört, welcher durchaus ein sacktuch eines offiziers wiederfinden wollte etc. kurz ich war froh, als die nacht zu ende war, und wir weiter fuhren. ge- gen 1/2 8 waren wir in lugos, wo es des Wochenmarktes wegen von trachten aller Arten wimmelte, und nach einer ermüdenden fahrt bey brennender hitze nach 5 uhr in temeswar, wo ich in der vorstadt fabrik im Pfauen ab- stieg. ich sah mir den nachmittag die innere stadt, i.e. festung an, eine recht hübsche stadt mit ziemlich wenig spuren der Belagerung mehr, nur die gla-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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