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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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56918. Juli 1852 zahlreiche und brillante gesellschaft seyn, weßhalb ich der vorsicht halber bereits eine Wohnung bestellt habe, von Bekannten werde ich dort, soviel ich weiß, außer den Barkoczys, franz Wimpfen, lichnowsky, Pachta, van de Weyer etc. finden, also genug für den Anfang. hier ist Alles auseinander gestoben, neues hört man also gar nichts. Pil- lersdorf und, wie einige sagen, sogar auch doblhoff sollen in untersuchung gezogen seyn, eine commission zur „Purificirung“ der geheimenräthe und kämmerer ist niedergesetzt, also wühlt die reaction und rancune noch im- mer weiter, der kaiser ist diese nacht auf ein paar stunden hieher gekom- men, um die königinn von sachsen in schönbrunn zu begrüßen, dürfte aber heute wieder hinabfahren, indem morgen in ofen die enthüllung des hentzi denkmals statthat, wozu die generale und offiziere von allen ecken geladen sind. ich bin außer mit meinem Zahnarzt auch noch mit den vorbereitungen zu meiner Badereise beschäftigt, war aber doch vor 2 tagen in Baden, wo ich die ganze familie spaur, mit inbegriff der beyden Alten, sah. gestern besuchte ich hier meine alte flamme Bujanovics, deren gemahl schon un- zählige mahle bey mir war, und die jetzt hier ist, fand sie ziemlich verändert. kissingen 18. July Am 12. Abends 7 uhr fuhr ich von Wien ab, war am anderen morgen nach 10 uhr in Prag und um 1/2 6 in dresden, bey einer furchtbaren hitze, um 6 fuhr ich nach leipzig weiter (und wäre beynahe zur Abfahrt zu spät gekommen), wo ich um 1/2 10 ankam. soupirte dort im hôtel de Bavière und reiste um 1/2 11 weiter nach hof, wo ich vor 4 uhr des morgens anlangte. dort mußte ich beynahe 2 ewig lange stunden warten, bis der Zug nach Bamberg abging, wo ich nach 4 uhr ankam. von dort fuhr ich noch ungefähr anderthalb stun- den im eilwagen weiter, bey einer wo möglich noch unerträglicheren hitze als am vorigen tage. ich hatte übrigens zum glücke mit meinem neu aufge- nommenen italienischen kammerdiener ein coupé für mich allein bekom- men. gegen 1/2 9 des Abends war ich hier. im russischen hofe fand ich trotz früherer Bestellung keine Wohnung, weil Alles für den könig von schweden in Beschlag genommen worden war, jedoch hatte mir der Wirth in einem ganz in der nähe gelegenen hause, bey d.m. ebert, eine Wohnung bereitet. für die erste nacht mußte ich mich mit einem Zimmer gegnügen, tags dar- auf bekam ich jedoch im selben hause eine ganz hübsche Wohnung parterre. Auf der letzten station von hier fuhren wir den Barkoczy’s vor, welche eben erst ankamen. es ist hier so voll, daß es kaum möglich ist unterkunft zu finden. die elite der gesellschaft bilden wie überall, wo sie vorhanden sind, die russen, graf nesselrode, daher eine menge russischer diplomaten, und viele ele-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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