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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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58918. Oktober 1852 an Anderen zu beobachten. in politicis kömmt egbert aus seinen organisa- tionsideen für den mährischen, höchstens auch noch den böhmischen Adel nicht heraus und baut an seiner Zelle, als ob er auf Jahrhunderte hinaus muße und Zeit hätte, was ich unter den gegenwärtigen verhältnissen un- practisch nennen muß, übrigens scheint sein einfluß wirklich früchte zu tragen und wenigstens auf den mährischen Adel wohlthätig zu wirken, na- türlich nehme ich davon die in Wien lebenden mitglieder desselben aus. hier wohnt der Auswurf aller Provinzen, ungarn ausgenommen. die neuen organisationen sollen nun bald erscheinen, ich achte wenig darauf, weil ich das Alles für ziemlich gleichgültig halte, der despotismus wird mit jedem tage bleyerner, und die regierung, oder das regieren er- streckt sich immer weiter und confiscirt nach und nach das ganze leben, was man, wenn man sein interesse gut begreifen würde, gerade am sorgfäl- tigsten vermeiden sollte, denn ein solcher despotismus ist nicht haltbar. der kaiser ist vom lager in Pordenone hieher zurück gekehrt und hat die Bereisung croatiens aufgegeben, der eingetretenen überschwemmungen wegen, auch sagt man, daß der empfang in Agram etc. nichts weniger als gut gewesen seyn soll. Alles blickt jetzt nach Paris, wo man die Ausrufung des kaiserreiches mit jedem tage erwartet. hier scheinen die leute dieses als eine für sie günstige Wendung anzunehmen, ich glaube das gegentheil und halte wenig auf die friedensversicherungen, welche louis napoléon neulich in Bordeaux wieder gegeben hat.1 verstünde man hier zu regieren, und wäre es auch nur in vernünftig despotischer Weise, so ließe sich man- ches halten, aber die leute necken und stacheln einen Jeden und verstehen dabey das große Wort nicht: panem et circenses, mit hohn und übermuth, mit einer zur schau getragenen verachtung der intelligenz, der kunst und der materiellen interessen gründet und erhält man keine reiche. Am 15. Abend kam ich hierher zurück. gabrielle kömmt wahrscheinlich heute. olga oustinoff ist auch hier, und ich gehe manchmal des Abends hin. gestern sah ich lucile grahn und sah sie am selben Abend tanzen, sie ist eine große künstlerinn geworden. es ist hier schon ziemlich Winter, und ich habe heute angefangen zu heit- zen. der plötzliche tod moritz dietrichsteins, des sohnes, macht sensation. 1 im rahmen einer Propagandareise durch südfrankreich zur vorbereitung der Wiederer- richtung des kaisertums hatte louis napoleon in einer rede in Bordeaux am 9.10.1852 erklärt, „manche leute sagen sich misstrauisch: das kaiserreich, das ist der krieg. ich aber sage: das kaiserreich ist der frieden.“ er sei sehr wohl ein eroberer, jedoch nicht im militärischen sinn, sondern er wolle das volk für die religion, die moral und den Wohl- stand erobern.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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