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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Page - 592 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II

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Tagebücher592 sehr einfach mein altes eintöniges Wiener leben fort: gehe des morgens vor dem frühstücke, wenn ich kann, spatzieren, was mir sehr gesund ist, gehe Abends in irgend ein theater und nachher meistens in das casino, manchmal besuche ich lucile grahn aus alter Anhänglichkeit. die taglioni war auch auf der durchreise ein paar tage hier mit ihrer auffallend hübsch geworde- nen tochter. mathilde Berchtold ist ebenfalls in diesem Augenblicke hier. heute besuchte ich gusti Batthyány, welche aus Paris hier ist, um ihre Ansprüche an das confiscirte vermögen ihres mannes casimir durchzuset- zen, es schien sie sehr zu freuen, daß nicht Alle ihrer früheren Bekannten und courmacher sie vergaßen, doch dürfte ich ziemlich der einzige gewe- sen seyn, als courtisan du malheur, sey es nun stolz oder trotz oder eine Art von ritterlichkeit, bey mir wahrscheinlich von dem Allem ein wenig. sie zeigte mir einen entwurf zu einem gnadengesuche, den man ihr (auf ihren Wunsch) hier für casimir verfaßt hat, der ebenfalls gerne heimkehren, vor Allem aber seine güter wiederhaben möchte, das gesuch war so abject als möglich, und ich hoffe für ihn, daß er es so nicht unterschreiben wird.1 neues hört man nicht viel, die dinge gehen so confus wie immer, eine stelle, eine richtung paralysirt die andere, der übergang aus den ewigen Provisorien in das definitivum scheint noch lange nicht kommen zu wollen, für ungarn scheinen selbst die zunächst erwarteten gesetze über grund- entschädigung, gemeindetheilungen und civilrecht hinausgeschoben, und man hört von nichts als von zunehmenden räubereyen, in croatien soll die unzufriedenheit ärger seyn als jemals, über den empfang des kaisers hört man die kuriosesten geschichten, und die stellung des Banus soll durchaus nicht mehr haltbar seyn, heute hieß es sogar schon, er habe resignirt, da wird dann ein deutsches Beamtenregiment und somit natürlich noch größere unzufriedenheit nachfolgen. Auch daß grünne abtreten soll, sagt man schon seit längerer Zeit. kurz nachdem man es nach und nach mit allen ländern und nationen verdorben hat, verdirbt man es jetzt auch mit den individuen, außer radetzky und allenfalls hess ist kein einziger der männer der that mehr übrig, der nicht zu den disgustirten gehörte. von Bach hört man gar nicht mehr sprechen, er trägt die strafe seiner sünden und ist eine complete null geworden. dagegen ist, so wie immer mehr durch Polizey und gensdar- men regirt wird, kempens stern in den vorgrund getreten. die gewerblichen und industriellen verhältnisse werden immer schlech- ter, die geldnoth, welche die regirung künstlich durch allmälige vermin- 1 graf kasimir Batthyány war seit mai 1849 Außenminister der ungarischen regierung und wurde nach der niederschlagung der revolution in Abwesenheit zum tode verurteilt und in effigie gehängt. Er starb am 12.7.1854 im Exil in Paris, sein Vermögen blieb beschlag- nahmt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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