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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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61530. Jänner 1853 seit lange: il perd contenance, um so eher ist es möglich, daß er losschlüge, pour s’en donner. [Wien] 30. Jänner ich war durch 3 bis 4 tage recht unwohl. hatte eine sehr heftige grippe, so daß ich die vormittage meist im Bette zubrachte und zu fuße gar nicht ausging. Auch die Abende so ganz allein zu hause zuzubringen, wäre allzu langweilig gewesen. Jetzt ist dieses gottlob bis auf die letzten nachklänge von husten und schnupfen vorüber. Während derselben tage regnete und schneyte es (alles durcheinander) fortwährend, beynahe durch 4 mal 24 stunden, seitdem haben wir warmes nebelwetter, daher weder auf der straße noch fast auch auf dem glacis eine spur von schnee. die tanzende Welt ist nunmehr seit der durch erzherzog rainer verur- sachten Pause1 wieder in Bewegung gekommen, und es ist beynahe jeden Abend ein Ball bis zum 8. kommenden monats (faschingsdienstag), ich denke, am 2. zu Westmoreland und vielleicht am 5. zum französischen ge- sandten, der par ordre de mufti einen Ball geben muß, zu gehen, sonst nir- gends hin, bey hofe ist glücklicherweise nichts. dagegen ist marie taglioni, deren Ballett satanella noch immer furore macht, in einem andern kreise der gesellschaft der mittelpunkt oder Anlaß zu einer reihe von soirées etc., so sah ich sie neulich bey eskeles, gestern bey todesco, neulich war ich bey einem großen und recht hübschen diner, welches stametz meyer ihr zu ehren gab, und am selben Abende gab ihr ed- mund Zichy, den eine unglückliche liebe zu der schönen (aber sonst ziemlich unbedeutenden) satanella plagt, ein recht hübsches kleines fest, welches seitdem die Jungen dieses krähwinkels genannt Wien in Bewegung setzt. es ist unglaublich, wie klein und kleinlich alle verhältnisse, die menschen und die gesellschaft hier sind, mich als oesterreicher demüthiget dieses beynahe, fremden gegenüber. in Wien selbst aber gibt es keine coterie, wel- che wieder kleinstädtischer wäre als gerade die aristokratische, aus lauter Absperrung, geistesträgheit und physischer und geistiger unbeweglichkeit ist sie dahin gekommen, jedes neue, fremde, oder selbst höhere, nicht ganz hausbackene element gênirt und decontenancirt sie, und während in der finance die frauen, ob geistreich oder nicht, wenigstens den Wunsch haben, liebenswürdig und angenehm zu erscheinen, affektirt man in unserer klasse den schlafrock, das laisser-aller, und findet jede conversation, welche sich nicht um theater, Prater und lappalien dreht, affektirt und lächerlich. da- bey wird man wie natürlich mit jedem tage dümmer. 1 der ehemalige vizekönig von lombardo-venezien war am 16.1.1853 in Bozen gestorben.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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