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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher628 verschlimmern sich unsere materiellen Zustände, und besonders die kleine industrie fällt dem neuen tariffe zum opfer. Wir haben jetzt fortwährend regen, nebel und thauwetter, daher grund- loser koth. ich habe so eben ein ganz vortreffliches Buch beendet: Bastiat’s harmo- nies économiques,1 das Beste, was ich noch im gebiethe der nationalökono- mie und gegen den hirnlosen socialismus gelesen habe, ein unschätzbarer Beytrag zur lösung der beunruhigenden gesellschaftlichen fragen, welche die socialisten seit 40 Jahren aufgeworfen haben, zur rechtfertigung der ideen des eigenthumes, des capitals und der göttlichen harmonie, welche in der Anordnung der menschlichen natur und gesellschaft liegt. heute ist in der Wienerzeitung offiziell mitgetheilt, daß der kaiser die Be- sorgung der wichtigsten regierungsgeschäfte wieder übernommen und für die übrigen den erzherzog Wilhelm bevollmächtiget habe, das ist ein kuri- oser vorgang. erzherzog Wilhelm ist zwar ein vortrefflicher junger mensch, jedoch ausschließlich zum militair und speciell für die Artillerie erzogen, an- dererseits ist des kaisers Bruder und thronfolger hier, für welchen dieß eine offenbare Zurücksetzung ist, des erzherzog ludwig und franzcarl nicht zu gedenken. [Wien] 9. märz Wir haben schon ganz schön warme tage, wie im April, ich war heute mit gabrielle, welche gestern mit ihrem hofe von ofen hier ankam und 6–8 tage bleiben dürfte, im Prater, wo es schon ganz frühjahrsmäßig aussah. ich fühle nun wieder das Bedürfniß der locomotion, bin auch schon seit langer Zeit nicht so lange nacheinander ruhig auf einem flecke gesessen wie jetzt. da ich aber gegen die mitte may hier seyn muß, weil um jene Zeit das ka- pitel des maltheserordens gehalten werden wird,2 so habe ich keine große Auswahl, um so mehr, als die erste Zeit nach der völligen Wiederherstellung des kaisers dann doch vielleicht eine ereignißreiche seyn könnte, und ich mich deßhalb nicht allzuweit entfernen will. ungarn, Ansbach (vielleicht mit dem umwege über Berlin, von wo clementine3 nun bald nachhause zurück- kehren dürfte), venedig, das wären so ziemlich die einzigen richtungen, in welchen ich mich daher vorläufig zu bewegen hätte. vom Anfang Juny an bin ich dann frey und werde den sommer auf irgend eine Weise zubringen, 1 frédéric Bastiat, harmonies économiques (Paris 1850). 2 Andrian versuchte erfolglos, zur Absicherung seiner ökonomischen lage in den malteser- orden aufgenommen zu werden; vgl. Eintrag v. 17.12.1852 und 12.5.1853. 3 die tochter seines cousins frh. eduard v. Andrian-Werburg befand sich seit september 1851 zur Behandlung in Berlin.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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