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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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64529. April 1853 doch irgend eine Beschäftigung zu haben, mich an solchen unternehmungen betheiligen, aber das ist hier sehr schwer, indem sie alle oder fast alle in den händen der großen Banquiers und geldmänner sind, welche eine fest geschlossene clique bilden. überhaupt sind die verhältnisse alle hier spieß- bürgerlich, kleinstädtisch und veraltet, eine freyere gewerbliche industrielle und commercielle Bewegung muß erst zum durchbruche kommen, und dazu zeigen sich jetzt allerdings starke spuren, die materielle noth treibt dazu, und in dieser Beziehung hat sowohl der neue tariff als der preußische ver- trag mächtig gewirkt, aber ohne heftige crisis geht dieses natürlich nicht ab, und ob es im interesse und in der Absicht der regierung liegt, eine solche gerade jetzt durchzumachen, ist sehr zu bezweifeln. Bruck ist noch immer nicht hier, es scheint, daß man die jetzige crisis in constantinopel abwarten will, da man es nicht wagt, rußland entgegen- zutreten, so will man sich wahrscheinlich lieber davon ganz ferne halten, übrigens scheint sich die sache friedlich zu lösen. stratford canning ist von der Pforte wie ein rettender engel aufgenommen worden und hat sich sehr entschieden gegen russische übergriffe ausgesprochen. es wird nichts entscheidendes erfolgen, nur der moralische eindruck bleibt, und die ori- entalische frage hat einen bedeutenden schritt vorwärts gemacht. frankreich aber scheint unter dem jetzigen regimente immer unbedeu- tender zu werden, ce n’est plus une puisance sérieuse, sagt eine so eben in london erschienene russische Broschüre. louis napoléon steht noch um ein paar stufen niedriger und ungünstiger als louis Philippe, nur mit dem unterschiede, daß er dabey große Worte macht und machen muß, die ihn aber auf die länge lächerlich machen. england verfolgt die sache gegen kossuth eifrig und will sich, wie es scheint, namentlich vis-à-vis von uns rehabilitiren, es soll nächstens könig leopold von Belgien herkommen, um im Auftrage der königinn victoria eine entente cordiale herzustellen, welche rußland gegenüber allerdings sehr nothwendig wäre, die ich aber unter den jetzigen verhältnissen bey- nahe für eine unmöglichkeit halte. die fatale geschichte mit den lombardischen sequestrationen wird im- mer ärger und zwingt uns, wie immer quand on est dans son tort, zu den stupidesten Behauptungen, so z.B. daß jeder staat innerhalb seiner gren- zen thun dürfe, was er wolle, ohne daß ein fremder staat dagegen recla- miren dürfe (während wir gerade in diesem Augenblicke wegen der Aus- weisung von 7 capuzinern die grenze gegen tessin sperren), dann: daß jene classe der emigranten, welche ruhig und vorsichtig zusieht, geradeso strafbar sey wie die, welche mit dem dolche in der hand Aufruhr und mord anstiftet etc. rechberg ist nach verona abgegangen, um dem feldmarschall [radetzky] in civilsachen beyzustehen. das ist für ihn eine uriasmission,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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