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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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64912. Mai 1853 um endlich einmal mit eigenen Augen zu sehen, ich kann mir kaum vorstel- len, daß er mir ein solches Begehren unter diesen verhältnissen abschlagen werde. ich bin verstimmt und ärgerlich, weil ich nicht einig mit mir selbst bin, ginge es nach meinem sinne, so würde ich den leuten ein paar grobheiten in den Bart werfen und es dabey bewenden lassen, es ärgert mich, daß ich mich rechtfertigen soll. meine beyden schwestern und tante lotty [fünf- kirchen] heizen mir nach Weiberart ein und tragen, trotz ihres besten Wil- lens, zu meiner verstimmung bey, wären meine verhältnisse gesicherter, wäre mir dieses nichtsthun nicht gar so peinlich und unerträglich, und wäre nicht die Aussicht auf eine jahrelange ähnliche stagnation und mo- ralisches Absterben vor mir, so würde ich mich gewiß zu nichts von dem entschlossen haben, was ich nun versuchen will. ich habe unter diesen umständen auch mit Bruck, der schon seit 10–12 tagen hier ist, nicht gesprochen, ihn nach constantinopel zu begleiten, wenn auch nur en simple voyageur, würde erstlich bey den jetzigen con- juncturen mir höchst wahrscheinlich gar nicht gestattet werden, und dann kann ich mich auch eben jetzt, où il s’agit de faire mousser la chose, von hier nicht entfernen. es wimmelt jetzt von hoheiten. die königinn von griechenland kam hier durch, blieb 2 tage und ist heute Abends fort. gestern kam der könig von Belgien sammt sohn, den man als Bräutigam der erzherzogin marie nennt, sie werden mit großer Auszeichnung behandelt, ob er in seiner diplomati- schen Aufgabe réussiren wird, wollen wir sehen.1 thatsache ist es, daß man sich england zu nähern wünscht, obwohl die Brutalität und ungeschick- lichkeit unserer jetzt allmächtigen troupiers jeden Augenblick einen strich durch die rechnung macht, so jetzt wieder durch eine höchst unangenehme geschichte in mailand mit einem engländer nahmens sickel. Andererseits entfernt man sich immer mehr, zum theile ohne es zu wollen, von frank- reich. oesterreich, england, Preußen – und vis-à-vis rußland und frank- reich – naturam expellas furca, tamen usque recurret. der könig von Preußen kömmt am 19. viele sagen, daß auch kaiser ni- colaus kommen soll. gabrielle ist mit ihrem hofe da, um vor dem herbste nicht nach ofen zurückzukehren. Auch erzherzog Johann ist da, er sprach mich heute auf der straße an und sagte, er sey gekommen, um seinen freund, den könig leopold, zu sehen. 1 Am 29.4.1853 hatte Andrian geschrieben, der belgische könig würde nach Wien kommen, um im Auftrag von königin victoria eine entente zwischen österreich und großbritannien anzubahnen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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