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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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65917. Juni 1853 sperre etc., kurz Alles kömmt jetzt mit einem mahle über den hals, und er verlangt sogar noch, daß wir ihn gegen england und frankreich unterstüt- zen sollen! nein, für so indiscret hätte man ihn doch nicht gehalten. da- bey zeigt sich auch, daß auf diesen, bisher unsern einzigen, Alliirten denn doch auch nicht so bestimmt und in allen fällen zu rechnen sey, kurz es herrscht große rathlosigkeit, man möchte weder mit noch gegen rußland seyn, während der czar, wie es scheint, eine categorische erklärung ver- langt, von einer vermittelung durch uns, wie es Anfangs hieß, scheint keine rede zu seyn. Auch könnten wir eine solche Aufgabe nie allein, sondern nur etwa gemeinschaftlich mit england übernehmen, und dazu sind wir gegen diese letztere regierung noch zu verbittert. Wenn ich sage wir, so meine ich darunter natürlich seine majestät den kaiser, bey welchem persönliche gefühle entscheiden und capacität und einsicht mangelt. unwissenheit und Beschränktheit, in solchen händen sind wir. – – – übrigens ist die ganze geschichte ein beyspielloses moralisches fiasco für rußland, in jeder Beziehung. insolenz in der form, ungeschicklichkeit in der Ausführung, kostbare Zeitversäumniß, unbegründete rechtswidrige, gewaltthätige forderungen, daher der nimbus der rechtlichkeit, der loya- lität und legalität, den man sich bisher gab, verschwunden, hinterlistige täuschung der europäischen mächte über den eigentlichen Zweck der men- zikoffschen mission, kurz in einer und derselben sache unredlichkeit, ge- waltthätigkeit und ungeschicklichkeit, und was das Ärgste ist, alles dieses vergebens. kaiser nicolaus und die russischen gesandtschaften machten zwar überall einen heidenspectakel, drohen und lärmen und möchten der Welt so gerne furcht einjagen, aber england und frankreich haben sich bereits soweit aventurirt, daß sie nicht mehr zurück können, et personne ne croit à la guerre. eine weitere folge dieser geschichte ist die gewonnene überzeugung, daß die griechen im oriente nichts weniger als russische sympathieen ha- ben, sondern vor der hand nur das bleiben wollen, was sie sind. ich gehe nächste Woche nach carlsbad und von dort nach franken etc. ende July denke ich wieder hier zu seyn. hier geht nun Alles fort, nämlich die Wenigen, die nicht schon fort sind. heute war ich mit gabrielle und den Barkoczys in der villa Arthaber in döbling. es ist ein junger engländer hier, mr. morier, welcher wie es scheint sich unsere Zustände zu seinem, unerquicklichen, studium erwählt hat und sich an mich hält, der ich überhaupt eine Art von cardinale inglese hier vor- stelle. die engländer benehmen sich übrigens in der orientalischen frage ehrenhafter und energischer als ich gedacht hatte, die ganze Presse und die öffentliche meinung sind entschieden türkisch und im nothfalle für den krieg. lord Aberdeen hat sich von Brunnow einfädeln lassen und möchte
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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