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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Page - 663 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II

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66318. Juli 1853 mehr behaglich und sieht auch das verhältniß zu crailsheim mit sehr kal- ten Augen an.1 im grunde meines herzens konnte ich ihr in vielen dingen nur recht geben, predigte aber dennoch aus leibeskräften, um ihrer selbst willen. Andererseits hat auch die mutter ihre fehler, und es schien mir leider, daß mutter und tochter immer mehr auseinander kommen, erstere hat ihre launen, was wohl zum theile der krankheit zuzuschreiben ist, ist sehr empfindlich, will sich ihrer Tochter zu Liebe nicht im Geringsten gêniren oder langweilen und verkleinstädtelt nach und nach immer mehr in Ansbach, wo sie gewöhnt ist, die erste und fetirteste frau zu seyn, so hatte sie sich auch hier ein Bischen encanaillirt mit lauter riese’s und leonhardi’s und schlosser’s und Bolongaro’s und steiger’s und dergleichen volk. kurz ich habe an der erziehung Beyder arbeiten müssen, denn am Ende sind es doch vortreffliche Leute und mir sehr theuer. Gestern Abends hatten wir noch eine Abschiedssoirée bey Blomberg. franzensbad 18. July seit nun bald 3 Wochen liege ich in dem allermiserabelsten, jämmerlich- sten Zustande von der Welt, physisch und moralisch herunten wie nie zuvor – was ist der mensch! und wie unerwartet kam mir diese Bescherung, und wie viel ärger, wie vollkommen unausstehlich wäre mein Zustand gewesen, wenn die Andrians nicht hier wären, mit denen ich in einem hause wohne, also so oft ich will gesellschaft habe, ja ja, es ist nicht gut, daß der mensch allein sey. in den letzten tagen [Juni] spürte ich ein zunehmendes Anschwellen der rechten leistendrüsen, ging daher am 1. zu dr. hochberg, dieser erkannte darin die folgen einer heftigen verkältung (bey dem hundewetter und in dem hundeneste carlsbad, wo es gar kein mittel gibt, sich gegen dasselbe zu schützen), die sich auf jene theile geworfen habe, und sprach von Blut- egeln und einer cur von 3–4 tagen. ich fragte, ob ich diese nicht ebensogut in franzensbad überstehen könne, wo ich verwandte, also doch wenigstens Pflege und Gesellschaft hätte? und er gab es zu. so fuhr ich denn am 2. nachmittag von carlsbad ab, war um 8 in eger, hätte dort nach den sublimen österreichischen Posteinrichtungen 1 1/2 stunden warten sollen, nahm daher einen miethwagen und war in einer halben stunde hier. Andern tages übergab ich mich meinen beyden Peini- gern, dr. catellieri und Wundarzt tissl, die Blutegel wurden gesetzt, halfen aber nichts, die entzündung nahm zu, nun arbeiten die leute auf eine eite- rung los, welche denn auch de guerre lasse so schwach als möglich eintrat. 1 Zur Beziehung zwischen einem jungen frh. v. crailsheim und clementine Andrian-Wer- burg vgl. einträge v. 30.8. und 5.9.1851.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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