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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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66526. Juli 1853 eine furchtbare diarrhöe, bey mir eine ganz ungewohnte erscheinung, die aber die ganze nacht fortdauerte und, wie es scheint, eine wohlthätige cri- sis bewirkte. Am tage darauf blieb ich bis gegen mittag liegen, aß dann etwas soupe und fuhr nach 1 per eisenbahn weiter bis Bamberg, wo wir um 7 ankamen und über nacht blieben. diesen ganzen tag über war ich so entkräftet, daß ich mehr schlief als wachte und mich kaum an etwas besin- nen kann. tags darauf dagegen war ich vollkommen wohl, und von diesem tage an datire ich meine ziemlich rasch fortschreitende reconvalescenz, wir aßen in nürnberg, waren um 1/2 4 in gunzenhausen, wo wir fast 2 stunden lang blieben und caffeh tranken, und fuhren dann im eilwagen, den wir aber ganz allein einnahmen, nach Ansbach, wo wir gegen 1/2 9 an- kamen und von eduard, krafft und fedor crailsheim empfangen wurden, ich wohnte dießmal bey ihnen. gleich am selben tage und noch ausführlicher am nächsten morgen zeigte und erzählte ich grauvogel,1 nach dem ich mich die ganze Zeit über gesehnt hatte, meinen casus morbi, er schlug die hände über dem kopf zu- sammen und sagte, was ich immer im stillen vermuthet hatte, daß mich die leute systematisch zu grunde gerichtet hätten, sie hätten eine eiterung erzwingen wollen, wo gar keine disposition dazu vorhanden war, anstatt auf Absorption und Zertheilung hinzuwirken. Ich mußte daher alle Pflaster etc. wegwerfen, ein Bad nehmen, was mir besonders wohlthat, und er ver- ordnete mir homöopathische innere mittel, um auf jene Absorption zu ar- beiten, doch meint er, werde dieß bis zu seiner vollkommenen Beendigung wohl 3 monathe dauern! seitdem erhole ich mich sichtlich, obwohl die eiterung (die ich weder hemmen noch befördern, sondern geschehen lassen soll, bis der schnitt von selbst zuheilt) recht stark fortgeht, obwol ich des Nachts noch häufig starke schweiße habe, obwohl ich endlich noch immer ein gelindes Bauchgrimmen und eine fortdauernde neigung zur diarrhöe spüre. fahrten wie die heu- tige bringen mich natürlich auch eher zurück als vorwärts. ich eile jetzt nach Wien, um mich dort in die hände eines geschickten homöopathen, wahrscheinlich Wurm’s zu geben. Bisher, wo ich keinen eigentlichen Arzt hatte und brauchte, war ich unentschieden, fühlte aber schon seit einiger Zeit das Bedürfniß, mich für den fall der nothwendigkeit im voraus zu fixiren, jetzt ist dieses geschehen, und was ich in diesen Tagen von der Ho- möopathie erfahren, hat mich befriedigt. mein Aufenthalt in Ansbach war dießmal ein ganz unbedeutender, von donnerstag 21. Abends bis zum sonntag 24. mittags, während welcher 1 der bayerische oberstabsarzt eduard v. grauvogl [sic] war mit der familie von Andrians cousin eduard verschwägert.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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