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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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68117. Oktober 1853 einstweilen warte ich die rückkehr des kaisers von Possenhofen ab, welche am 19. oder 20. erfolgen soll. ich war nämlich am tage vor sei- ner Abreise, am 9., bey grünne und sagte ihm das, was ich ihm in dieser Beziehung zu sagen hatte, er versprach mir, es dem kaiser mitzutheilen, was am allerbesten unterweges geschehen seyn dürfte.1 daher ich mir nun ein paar tage nach seiner rückkunft die Antwort abholen will, sie wird ohne allen Zweifel zustimmend ausfallen, und dann habe ich den rücken gedeckt und bin gegen jedes etwaige nachherige nasenrümpfen gesichert. Lieber wäre es mir allerdings, wenn die Antwort verneinend ausfiele, und zwar mit dem vorbehalte einer verwendung, daran ist aber jetzt kaum zu denken. übrigens sind die türkischen Angelegenheiten äußerlich drohender als je, die kriegserklärung ist erfolgt, der termin zur räumung der fürsten- thümer gesetzt, und nach dessen fruchtlosem verlaufe (woran kein mensch zweifelt) soll der krieg beginnen, jedoch sollen die russen entschlossen seyn nicht anzugreifen, ebensowenig wird omer Pascha es thun, und dar- über wird der Winter kommen und vergehen, und kommt Zeit kommt rath. übrigens sagt man auch, daß die türken im caucasus offensiv verfahren wollen. Bey uns ist, als Beweis unserer neutralität, eine enorme reduc- tion der Armée (bedeutender als selbst vor 1848) angeordnet worden und scheint dießmal auch wirklich durchgeführt werden zu sollen, wenn nicht etwas neues dazwischenkömmt. überhaupt scheint der kaiser das soldatenspielen allmälig satt zu krie- gen und sich mehr und mehr den anderen und höheren obliegenheiten seines Amtes zuzuwenden, vor der hand zwar nur den auswärtigen An- gelegenheiten, man sagt, daß er das Armeeobercommando abgeben und dem erzherzog Albrecht übertragen wolle, man spricht von concessionen, welche er den ungarn machen wolle etc. das Alles erzählt man, ich kann aber, wenigstens in dem Wesentlichen, nicht recht daran glauben, mit Aus- nahme vielleicht der concessionen für ungarn, deren tragweite er nicht einsieht. die comödie mit den ungarischen reichsinsignien,2 auf jeden fall eine inconsequenz bey dem jetzigen systeme, ist ebenfalls ausschließlich im gehirne des kaisers entstanden, und es würde mich nicht wundern, wenn sich die ungarn wieder, wie ehemals, das beste stück herausrissen, und wir Andern den schaden und den spott hätten, die reichseinheit aber 1 Andrian hatte über generaladjutant graf karl grünne beim kaiser angefragt, ob dieser angesichts der internationalen lage etwas gegen seine geplante reise nach Ägypten einzu- wenden habe, vgl. eintrag v. 3.10.1853. 2 Zur Auffindung der ungarischen Krone und ihrer feierlichen Überführung nach Wien vgl. eintrag v. 13. und 22.9.1853.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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