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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher692 auch bey der vor 8–10 tagen vorgekommenen differenz wegen der getrei- deausfuhr, welche der Pascha schlechtweg verbothen hatte, gezeigt hat. dieselbe Post brachte mir auch einen Brief von Bruck (welchem ich noch von Wien aus meine reise geschrieben hatte1), worin er mich in sehr freundlicher Weise engagirt, in constantinopel meine Wohnung bey ihm zu nehmen, und mir nebstdem ein sehr schmeichelhaftes empfehlungscircu- lare an sämmtliche consulate der levante überschickt. neulich machte ich mit huber einen eselritt nach Altcairo, wir besahen uns dort die coptenstadt und die alte unterirdische koptische kirche, in welcher (sie war noch 2 fuß hoch mit nilwasser gefüllt) man mir die zwey nischen zeigte, in welchen sich die mutter gottes und Joseph sammt dem Jesukindlein verbargen. Auch in shubra war ich neulich und sah mir den garten, die große fontaine und die elende menagerie mehemet Alis an. die ägyptische Armée beträgt circa 70.000 mann, darunter 10–12.000 irreguläre, d.i. Albaneser etc., der redif, d.h. die Ausgedienten sind dabey nicht mitgezählt, 28.000 mann sind gegenwärtig an der donau, der gemeine Mann wird ziemlich regelmäßig bezahlt, dagegen erhalten die Offiziere nur Bons, welche sie dann oft mit 40 und mehr % verlust an die saraafs verkau- fen müssen, welche sie dann für voll der regierung in rechnung bringen. doch soll der neuernannte kriegsminister hier ordnung machen wollen, es ist ein 16jähriger Bursche, sohn Abbas Paschas. der könig von sardinien hat dieser tage dem Pascha mittelst einer pom- pösen gesandtschaft den mauritius (vulgo spinat) orden übersandt,2 der frosch möchte sich zum ochsen aufblähen. [kairo] 1. december Heute sollte die große Prozession des Mehmeh stattfinden, d.h. der heilige schrein, in welchem der alljährlich mit der großen caravane nach mecca gehende, vom sultan neu gespendete teppich seine reise macht, sollte in die hiesige citadelle zurückgebracht werden, um bis zum nächsten Jahre darin zu bleiben. Auf Befehl Abbas Pascha’s wurde dieser einzug jedoch auf übermorgen vertagt, da dieses der erste eines türkischen monathes und folglich ein glücklicher tag ist. die caravane selbst ist vor ein paar tagen hier angekommen, und cairo war daher in diesen tagen mit hadjis aus al- len Theilen Africas überfüllt. Besonders fielen mir die Maroccaner und die 1 das konzept des Briefes an frh. karl ludwig v. Bruck, in dem Andrian um empfehlungen an die österreichischen vertretungen in Ägypten und syrien ersucht, in k. 115, umschlag 666. 2 der sardinische, später italienische orden des hl. mauritius zeigte ein grünes kreuz, das volkstümlich als gekreuzte spinatblätter bezeichnet wurde.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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