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Tagebücher698
genfresser, gaukler jeder Art, marktbuden etc. ich ging noch am selben
Abende, dem letzten, mit scott und Jochmus da herum, unter andern eine
Bude, wo männer als frauen gekleidet die bekannten tänze aufführten
etc.
crailsheim, welcher an huber und von diesem mir empfohlen war, nahm
ich in Augenschein, der mann roch mir aber zu sehr nach bayerischem Bier,
und so sprach ich ihm gar nicht davon, daß er mit mir die nilreise machen
sollte.
Am 13. vormittags ließen wir unsere effecten an Bord bringen und rü-
steten uns eben zur Abreise, als der eigenthümer des Bootes m. Page zu
uns kam und uns versicherte, der Wind sey so heftig und contrair, daß an
eine Abfahrt nicht zu denken sey, wir ritten daher nach Boulak, gingen an
Bord, wo noch eine menge nothwendige dinge unvollendet waren (z.B. die
glasscheiben eben erst in die fenster eingesetzt wurden etc.), was, wie ich
vermuthe, der hauptgrund war, weßhalb uns Page von der reise abrieth,
nahmen die nothwendigsten sachen mit uns und blieben dann noch eine
nacht in cairo.
endlich am 14. nach dem frühstücke ritten wir nach Boulak. Jochmus
begleitete uns, huber, welcher auch kommen wollte, kam nicht. nachdem
wir Alles von Page regelmäßig übernommen hatten, fuhren wir um 1/2 1
uhr mittags ab, der Wind war ziemlich stark und conträr, so daß das Boot
gezogen werden mußte, schon nach 4 stunden wurde ungefähr gegenüber
von Altcairo angelegt, und der reis ging mit meiner erlaubnis ans land,
um Page aufzusuchen, der ihm einiges mitzugeben vergessen hatte.
gestern früh gegen 7 uhr fuhren wir wieder ab, ein herrlicher tag, und
namentlich war der morgen und der Abend ganz magisch schön. die ge-
gend und Alles, was wir sahen, magnifique, ich hatte mir das Alles lange
nicht so schön vorgestellt. diese imposante Wassermasse, und auf der ei-
nen seite die mokattamhügel und im hintergrunde cairo, auf der ande-
ren ganze Wälder von dattelpalmen, wir gingen eine Zeit lang am ufer
spatzieren, vorwärts kamen wir aber sehr langsam, da wieder fortwährend
gezogen werden mußte und nebstdem einmahl der strick brach, so daß wir
in 5 minuten weiter zurückkamen als wir in einer stunde wieder einholen
konnten. ebenso geht es heute, d.h. Windstille oder vielmehr ein schwacher
conträrer Wind, jedoch ist an lange Weile bey dieser herrlichen scenerie
nicht zu denken. unser Boot ist ziemlich comfortable, ich habe ein Zimmer
für mich allein, die mannschaft besteht aus dem reis, steuermann, schiffs-
jungen und 12 mann, lauter wohlgestalteten lustigen nubiern, die jeden
Abend singen und musik machen à leur maniére, wir haben einen sehr gu-
ten koch, was die hauptsache ist, und einen intelligenten neapolitanischen
Bedienten. Also in dieser hinsicht gut versorgt. Abends spielten wir bisher
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume II
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- II
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien