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künstlerischer Musik als Mysterium
– als eigene Sprache mit schwer zu erlernendem
Vokabular und nicht unmittelbar zugänglichen Regeln – wirkte an der Verbindung
von ernsthaftem (und daher langwierigem) Studium und Kunst mit.5 Formulierungen,
die mit dem ernsthaften Studium eng in Zusammenhang standen, wurden, wie die
Zitate etwas weiter unten zeigen, auch außerhalb des künstlerischen Musizierens
verwendet. Damit wird die Dominanz des ernsthaften Studiums offensichtlich: Auch
jene, die sich nicht positiv auf diese Orientierung beziehen konnten, ‚entliehen‘ ihr
Erzählpraktiken, um ihr Musizieren zu legitimieren.
Das ernsthafte Studium wurde als Beruf – genauer: als Lebensberuf – ausgeübt.
Künstlerisches Musizieren konnte prinzipiell auf vielfältige Art und Weise stattfinden,
etwa als fallweises künstlerisches Musizieren neben anderen Unterhaltstätigkeiten
und anderen Musizierformen – oder nebenbei, ohne Musik zum Lebensinhalt und
zentralen Thema des eigenen Lebens zu machen. Ernsthaftes Studium hingegen
bedeutete eine spezifische Kombination von Kunst und Beruf: Kontinuierliches
künstlerisches Musizieren, ohne sich nebenbei nicht- musikalischen Tätigkeiten zu
widmen. Die Kontinuität und Ausschließlichkeit des Musizierens, die in der zweiten
Dimension als kennzeichnend für den Beruf beschrieben wurden, machten sich darin
bemerkbar. Gleichzeitig war das ernsthafte Studium nicht als eine bloße Kombination
dessen zu sehen, was Kunst und Beruf im untersuchten Zeitraum bedeuteten. Besser
gesagt: Die Kombination von Kunst und Beruf bedeutet eine Neubestimmung der
Bedeutung der Musizierpraktiken im Gegensatz zu ihrer Bedeutung in Bezug auf nur
eine der beiden Referenzen, d. h. eine Änderung ihrer Verwendung als Einsätze. So
war etwa die Ernsthaftigkeit des Umgangs mit Musik ein wesentlicher Bestandteil
dieser Orientierung (wie ein Zitat etwas weiter unten zeigt). Dieser Anspruch wurde
selten konkretisiert, aber vielfach umschrieben mit Formulierungen wie „sich auf die
Musik einlassen“ oder „ernsthafte künstlerische Arbeit leisten“. Ernsthaftigkeit stellte
diente der Verwirklichung der inneren Berufung. Dieses Berufsethos ist in den kontinental-
europäischen Ländern heute noch wesentlich präsenter als in den USA.“
5 Dieser „mysteriöse“ Charakter künstlerischer Musik dürfte sich im 20.
Jahrhundert gegenüber
dem vorigen Jahrhundert noch verstärkt haben. Leon Botstein beschreibt für das 19.
Jahrhun-
dert eine fortschreitende Erleichterung des Zugangs zu klassischer Musik: „Through gradual
familiarity earned at concerts and in the home, a widening audience in the second half of
the 19th century came to know and became attached to the musical ‚jewels‘ of high art – a
‚classical‘ repertoire. They were no longer exclusive possessions of birth and wealth. […] All
in all, the availability of music and its susceptibility to adaption and repetitive reinforcement
in the many contexts of music making and listening gave the urban 19th century audience a
special sense of competence in relation to the professional.” (Botstein, Music, 69 f., 84) Eine
Reihe von Entwicklungen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts führte infolge zur zuneh-
menden Trennung zwischen dem musikalischen Wissen von professionellen MusikerInnen
und AmateurInnen bzw. ZuhörerInnen.
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Durch Musik ein Fortkommen
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Über die Produktion von Tönen
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
- Title
- Über die Produktion von Tönen
- Subtitle
- Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
- Author
- Georg Schinko
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20802-0
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 310
- Keywords
- Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
- Category
- Kunst und Kultur