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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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weder hinsichtlich der Referenz der Kunst noch hinsichtlich jener des Berufes eine wichtige Erzählpraktik dar. Sie wird jedoch verständlich in der Synthese der beiden Referenzen: Wenn Musik zentrales Lebensthema war (wie im Beruf) und die Art, in der musiziert wurde, mit der individuellen Persönlichkeit in Verbindung gebracht wurde (wie in der Kunst), entstand daraus eine spezifische Annäherung an die und Wertschätzung der Musik durch den Musizierenden/die Musizierende  – eben jene der Ernsthaftigkeit. Um aber eine ernsthafte Beschäftigung mit Musik über einen längeren Zeitraum realisieren zu können, musste sie in der Form des Berufes ausge- übt werden. Nur dieser bot genügend Ressourcen (Zeit, Kontakte, Entlohnung) für eine intensive Entwicklung des eigenen musikalischen Wesens. Auch die Wahl, welche musikalische Ausbildung absolviert wurde, war abhängig von den Bezügen sowohl auf Beruf als auch auf Kunst: Während für eine positive Bezugnahme auf Kunst die schöpferische Entfaltung des Künstlers  / der Künstlerin wichtig war, wurde für eine positive Bezugnahme auf Beruf zwar keine spezifische Form der Ausbildung privilegiert, jedoch Kontinuität und Planbarkeit der Musiker- karriere vorausgesetzt. Die Ausbildung an Akademie oder Konservatorium mit ihrer offiziellen Bescheinigung des Könnens (als Voraussetzung für eine planbare Karriere) wie auch mit ihrem Anspruch, die individuelle Entwicklung zu fördern (etwa durch die Anstellung großer KünstlerInnen als Lehrende), stellte daher die wichtigste Form der Ausbildung für ernsthaft Studierende dar.6 Die Orientierung des ernsthaften Stu- diums war demzufolge eng an die ökonomischen und politischen Entwicklungen des Musizierens gebunden, die in Kapitel 2 beschrieben wurden. Erst seit der Mitte des 19.  Jahrhunderts wurde die Ausbildung ernsthaft Musizierender in Konservatorien und Akademien von staatlicher Seite substanziell gefördert, ab 1909 dann  – in der Aka- demie für Musik und darstellende Kunst in Wien  – direkt vom Staat übernommen. 6 Vergleicht man die programmatische Ausrichtung etwa des Konservatoriums der Gesellschaft der Musikfreunde (später Akademie für Musik und darstellende Kunst) in Wien im Zeitablauf, so wird die Kombination von Beruf und Kunst  – in unterschiedlicher Zusammensetzung  – sichtbar. So war nach den Statuten des Konservatoriums von 1832 Zweck der Anstalt im wei- teren Sinn, „dem Musiktalente durch systematischen Unterricht und bewährte Lehrmethoden die Mittel zur Entwicklung und Vervollkommnung zu schaffen“, im engeren Sinne „tüchtige Chor- und Orchester- Mitglieder zu bilden“ (Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiserstaates, Instruction, 6 f). In den Statuten von 1852 war der Zweck der Anstalt, „musikali- schen Talenten  […] die geeigneten Mittel zur höheren Entwicklung und Vervollkommung zu verschaffen, damit wahre Künstlerschaft  […] erzielt werde“ (Instruction, 1). Hingegen findet sich 1909  – im Jahre der Verstaatlichung  – nur mehr der Zweck der „Unterrichtserteilung und Ausbildung auf dem Gesamtgebiete der Musik und der darstellenden Kunst“ (Statuten, 6), während zwei Jahrzehnte später der Zusammenhang von Kunst und Beruf expliziert wurde in der Aufgabe, „ihren Schülern eine abschließende, künstlerisch praktische Ausbildung auf dem Gesamtgebiete der Musik und der darstellenden Kunst“ (Statut, 1) zu geben. Das ernsthafte Studium der Musik: Dominanz 177
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Title
Über die Produktion von Tönen
Subtitle
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Author
Georg Schinko
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Size
15.5 x 23.5 cm
Pages
310
Keywords
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Category
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