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weder hinsichtlich der Referenz der Kunst noch hinsichtlich jener des Berufes eine
wichtige Erzählpraktik dar. Sie wird jedoch verständlich in der Synthese der beiden
Referenzen: Wenn Musik zentrales Lebensthema war (wie im Beruf) und die Art,
in der musiziert wurde, mit der individuellen Persönlichkeit in Verbindung gebracht
wurde (wie in der Kunst), entstand daraus eine spezifische Annäherung an die und
Wertschätzung der Musik durch den Musizierenden/die Musizierende – eben jene
der Ernsthaftigkeit. Um aber eine ernsthafte Beschäftigung mit Musik über einen
längeren Zeitraum realisieren zu können, musste sie in der Form des Berufes ausge-
übt werden. Nur dieser bot genügend Ressourcen (Zeit, Kontakte, Entlohnung) für
eine intensive Entwicklung des eigenen musikalischen Wesens.
Auch die Wahl, welche musikalische Ausbildung absolviert wurde, war abhängig
von den Bezügen sowohl auf Beruf als auch auf Kunst: Während für eine positive
Bezugnahme auf Kunst die schöpferische Entfaltung des Künstlers / der Künstlerin
wichtig war, wurde für eine positive Bezugnahme auf Beruf zwar keine spezifische
Form der Ausbildung privilegiert, jedoch Kontinuität und Planbarkeit der Musiker-
karriere vorausgesetzt. Die Ausbildung an Akademie oder Konservatorium mit ihrer
offiziellen Bescheinigung des Könnens (als Voraussetzung für eine planbare Karriere)
wie auch mit ihrem Anspruch, die individuelle Entwicklung zu fördern (etwa durch
die Anstellung großer KünstlerInnen als Lehrende), stellte daher die wichtigste Form
der Ausbildung für ernsthaft Studierende dar.6 Die Orientierung des ernsthaften Stu-
diums war demzufolge eng an die ökonomischen und politischen Entwicklungen des
Musizierens gebunden, die in Kapitel 2 beschrieben wurden. Erst seit der Mitte des
19.
Jahrhunderts wurde die Ausbildung ernsthaft Musizierender in Konservatorien und
Akademien von staatlicher Seite substanziell gefördert, ab 1909 dann – in der Aka-
demie für Musik und darstellende Kunst in Wien – direkt vom Staat übernommen.
6 Vergleicht man die programmatische Ausrichtung etwa des Konservatoriums der Gesellschaft
der Musikfreunde (später Akademie für Musik und darstellende Kunst) in Wien im Zeitablauf,
so wird die Kombination von Beruf und Kunst – in unterschiedlicher Zusammensetzung –
sichtbar. So war nach den Statuten des Konservatoriums von 1832 Zweck der Anstalt im wei-
teren Sinn, „dem Musiktalente durch systematischen Unterricht und bewährte Lehrmethoden
die Mittel zur Entwicklung und Vervollkommnung zu schaffen“, im engeren Sinne „tüchtige
Chor- und Orchester- Mitglieder zu bilden“ (Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen
Kaiserstaates, Instruction, 6 f). In den Statuten von 1852 war der Zweck der Anstalt, „musikali-
schen Talenten
[…] die geeigneten Mittel zur höheren Entwicklung und Vervollkommung zu
verschaffen, damit wahre Künstlerschaft […] erzielt werde“ (Instruction, 1). Hingegen findet
sich 1909
– im Jahre der Verstaatlichung
– nur mehr der Zweck der „Unterrichtserteilung und
Ausbildung auf dem Gesamtgebiete der Musik und der darstellenden Kunst“ (Statuten, 6),
während zwei Jahrzehnte später der Zusammenhang von Kunst und Beruf expliziert wurde in
der Aufgabe, „ihren Schülern eine abschließende, künstlerisch praktische Ausbildung auf dem
Gesamtgebiete der Musik und der darstellenden Kunst“ (Statut, 1) zu geben.
Das ernsthafte Studium der Musik: Dominanz 177
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Über die Produktion von Tönen
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
- Title
- Über die Produktion von Tönen
- Subtitle
- Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
- Author
- Georg Schinko
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20802-0
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 310
- Keywords
- Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
- Category
- Kunst und Kultur