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Dem Prinzip der externen Hierarchisierung zufolge
[…] das heißt dem Kriterium des welt-
lichen Erfolges zufolge
[…] gebührt die Palme den beim ‚breiten Publikum‘ bekannten und
anerkannten Künstlern
[…] Das Prinzip der internen Hierarchisierung, das heißt der Grad
an feldspezifischer Anerkennung, begünstigt Künstler (usw.), die
[…] bei ihren Kollegen
und nur ihnen bekannt und anerkannt sind 31
Stand die Ausbildung bei Berühmtheiten dieser Diktion zufolge für externe Anerken-
nung, so bedeuteten Akademie oder Konservatorium interne Beglaubigungen des
eigenen Könnens. Neben diesen Überlegungen war aber auch der Plan von einer
musikalischen Karriere oder Laufbahn ein wichtiger Aspekt des ernsthaften Studiums.
Die Erzählenden thematisierten frühe Vorbereitungen auf und den frühen Wunsch
nach einer langfristigen Beschäftigung mit Musik.32 Diesem Planen der Laufbahn
entsprachen Konservatorium oder Akademie mit ihrem (im Laufe des 20.
Jahrhun-
derts immer stärker realisierten) Anspruch, eine Ausbildung für zukünftige profes-
sionelle MusikerInnen anzubieten. Die Realisierung eines ernsthaften Studiums war
daher auch abhängig von der zunehmenden Finanzierung und teilweisen Übernahme
dieser Ausbildungseinrichtungen durch den Staat seit dem Ende des 19. Jahrhun-
derts. Ohne die Existenz dieser Einrichtungen
– die, wie etwa das Konservatorium
der Gesellschaft der Musikfreunde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, oft
Schwierigkeiten hatten, den Betrieb aufrechtzuerhalten
– wäre ernsthaftes Studium
schwierig gewesen. Der zunehmende Einfluss des Staates sorgte aber nicht nur für
die Existenz vieler Akademien und Konservatorien, sondern beeinflusste auch deren
Ausrichtung. Vor allem die Nachweisbarkeit von Fähigkeiten und die Formalisierung
von Qualifikationen sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Demgegenüber ent-
hielt der Privatunterricht auch bei Berühmtheiten ein Element des Ungewissen und
des Zufalls, sowohl was die Möglichkeiten der weiteren Beschäftigung mit Musik,
als auch was den Eintritt in den Privatunterricht selbst betraf. So schilderte etwa
der Opernsänger Leo Slezak – kein ernsthaft Studierender – den Beginn seiner
musikalischen Ausbildung folgendermaßen:
Einzelne Chorstellen, die mir im Ohr geblieben waren, brüllte ich mit, daß mir fast die
Halsadern platzten. So geschah es auch eines Abends in der Oper ‚Bajazzo‘.
– Den Tonio
sang Adolf Robinson. – Ich schreie neben ihm wie ein Zahnbrecher, er drehte sich über-
rascht um, sieht mich an und flüstert mir zu: ‚Melden Sie sich nach der Vorstellung in
meiner Garderobe, ich habe Ihnen etwas zu sagen.‘33
31 Bourdieu, Regeln, 345, Hervorhebung im Original.
32 Diese Aspekte werden durch die Modalitäten werden wollen und Vorschau dargestellt.
33 Slezak, Werke, 12. Das ernsthafte Studium der Musik: Dominanz 185
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Über die Produktion von Tönen
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
- Title
- Über die Produktion von Tönen
- Subtitle
- Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
- Author
- Georg Schinko
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20802-0
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 310
- Keywords
- Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
- Category
- Kunst und Kultur