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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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erhalten, wo er immerhin schon lokaler Publikumsliebling wurde. Von dort wurde er an die Wiener Hofoper engagiert, wo er auch über lokale Grenzen hinaus bekannt wurde. Im Gegensatz etwa zu Erzählungen des ernsthaften Studiums standen in Slezaks Erzählung weniger seine musikalische Entwicklung als vielmehr sein Erfolg beim Publikum und seine Bekanntheit in der Welt im Vordergrund: „Nach meinem ersten Auftreten in Brünn wurde ich der sogenannte ‚Liebling‘ des Publikums“;86 „Am nächsten Tag war in allen Kaffeehäusern die Sensation: Ein neuer Tenor!“.87 Die Konstruktion als populär Erfolgreicher wurde von Slezak nicht nur über explizite Formulierungen vorgenommen („als Triumphator kam ich heim“ 88). Auch die Wahl der Themen, über die erzählt wurde, zeigte an, dass hier eine Berühmtheit sprach  – denn nur eine solche konnte über „Umzüge und Familiäres“, „Das Rei- sen in Amerika“ oder „Warum ich nicht Gutsbesitzer in Kanada wurde“ (so einige Kapitelüberschriften) berichten und damit noch auf Interesse stoßen. Das Singen wurde nach dem oben erwähnten Bruch in Inhalt und Erzählstruktur nur mehr als eines von mehreren Themen in Slezaks Leben präsentiert. So schrieb er über seine Zeit in Breslau im „Lebensmärchen“ viel ausführlicher über das Kennenlernen sei- ner späteren Frau (die ebenfalls am dortigen Theater spielte) als über seine Auftritte. Auch seine Auftritte wurden mehr als Ansammlung humoristischer Anekdoten über andere DarstellerInnen denn als Beschäftigung mit Inhalt und Stil von Musik und Gesang erzählt. Aus der Feder einer Berühmtheit schienen derartige Beschreibun- gen eher angebracht zu sein als ästhetische Urteile und Überlegungen. Leo Slezaks Erzählungen waren exemplarische Beschreibungen populären Erfolgs. Durch die Erzählfigur des (doppelten) Aufstiegs ebenso wie durch die thematische Durchmischung von Gesangsauftritten und Privatem wurde er als Berühmtheit sichtbar, die weder „ernsthafte“ Kunst noch eine durchgängige Berufslaufbahn (die anhand seines Lebensverlaufs durchaus konstruierbar gewesen wäre) präsentieren musste, um bei Publikum und Leserschaft anzukommen. 7.3 Der Musik treu bleiben: Skepsis Jene Orientierung, die sich negativ auf die Referenz der Kunst und positiv auf die Referenz des Berufs bezog, kann am besten beschrieben werden als „der Musik treu bleiben“. Im Vordergrund stand hier der Nachweis der Kontinuität des eige- nen Musizierens. „Immer schon“ musiziert zu haben, ohne dazwischen anderen 86 Ebd., 79. 87 Ebd., 107. 88 Ebd., 108. Der Musik treu bleiben: Skepsis 201
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Title
Über die Produktion von Tönen
Subtitle
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Author
Georg Schinko
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Size
15.5 x 23.5 cm
Pages
310
Keywords
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Category
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