Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kunst und Kultur
Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Page - 213 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 213 - in Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938

Image of the Page - 213 -

Image of the Page - 213 - in Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938

Text of the Page - 213 -

sich positiv auf die Referenzen des Berufes oder der Kunst beziehen zu können bzw. zu wollen, mussten Gelegenheitsmusizierende auf andere, für das Musizieren weni- ger bedeutsame Institutionen  – wie etwa Tradition oder Volkskultur  – zurückgreifen, um sich zu behaupten und zu legitimieren.105 Das bisher über das Gelegenheitsmusizieren Geschriebene kann leicht den Eindruck einer defizitären Orientierung erwecken  – einer Orientierung, deren ErzählerInnen sich stets dafür rechtfertigen mussten, dass sie sich positiv darauf bezogen. Jedoch stellte Gelegenheitsmusizieren eine Orientierung mit eigenen BefürworterInnen und eigenen Rechtfertigungsstrategien dar. Wer als Gelegenheit musizierte, versuchte damit, die offizielle Hierarchie der Legitimationen zu vermeiden. Er/sie konnte sich nicht nur auf eine (wahrgenommene) lange Tradition berufen, sondern fand auch prominente FürsprecherInnen und institutionelle Akteure, die sein/ihr Musizieren unterstützten und Anschluss an Gleichgesinnte boten. Eine detaillierte Darstellung dazu findet sich in den Kapiteln 2 und 6  – hier sei nur exemplarisch auf die Verbände der Nichtbe- rufsmusiker, auf ländliche Behörden und politische Vertreter ländlich- konservativer Kreise verwiesen, die Musizieren, das nicht ernsthaftes Studium, populärer Erfolg oder Treue zur Musik war, propagierten und gegen Angriffe von anderen verteidigten. Gelegenheitsmusizieren war also kein „Überbleibsel“, keine bloße Ansammlung all jener Musizierformen, die den zeitgenössischen Vorstellungen von legitimem Musi- zieren nicht mehr entsprachen. Dass Gelegenheitsmusizieren dennoch als dominiert charakterisiert wird, bezieht sich auf den Vergleich mit den anderen untersuchten Musizierformen, die  – auf verschiedene Weise  – alle ein Mehr an Legitimation auf- wiesen. Gerade die Stellungnahmen der BefürworterInnen des Gelegenheitsmusizie- rens zeigten vielfach eine Defensivhaltung, ein Ringen um Anerkennung, die für die anderen Musizierformen ganz normal war und nicht mehr thematisiert werden musste. So war es äußerst selten, dass Musizierende, die sich positiv auf das ernsthafte Studium bezogen, den Nachweis der Legitimation ihres Musizierens erbringen mussten. Im Untersuchungszeitraum stellten Kunst und Beruf derart wichtige Institutionen dar, dass Musizierformen, die sich nur negativ auf sie beziehen konnten, bei aller Fürspra- che unter Rechtfertigungsdruck kamen. Der Unterschied wird exemplarisch deutlich etwa am Vergleich einer periodischen Zeitschrift, die sich mit Kunstmusik beschäf- tigte, und einem Druckwerk wie der Alpenländischen Musikerzeitung. Während in jener ganz selbstverständlich Personen und Institutionen der Kunstmusik beschrieben wurden, musste diese das Nichtberufs- und Nichtkunstmusikertum permanent gegen Angriffe vor allem der BerufsmusikerInnen legitimieren. 105 „Wir wollen die restlose Anerkennung der Volksmusik als eigene Musikgattung im Gesetze.  […] Wir  […] lassen uns unsere alten Bräuche und Sitten  […] nicht rauben!“ (Alpenländische Musiker- Zeitung (1935), März, 1 ff., hier 4). Als Gelegenheit musizieren: Dominiertheit 213
back to the  book Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938"
Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Title
Über die Produktion von Tönen
Subtitle
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Author
Georg Schinko
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Size
15.5 x 23.5 cm
Pages
310
Keywords
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Category
Kunst und Kultur
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Über die Produktion von Tönen