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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Stand Musizieren als Gelegenheit unter Rechtfertigungsdruck, so trugen dennoch spezifische technologische und soziale Entwicklungen seit der Mitte des 19.  Jahr- hunderts maßgeblich zu seiner Verbreitung bei. Notendrucke wurden leichter leist- bar, während die Ausweitung des schulischen Musikunterrichts diese einer immer größeren Anzahl von Menschen zugänglich machte. Nach dem Vorbild der Mili- tärkapellen (und wohl auch im Zusammenhang mit der propagierten Bedeutung des Militärs in der Habsburgermonarchie) entstanden vor allem auf dem Land viele Blasmusikkapellen. Männerchöre (nach 1848) und neue Jugendbewegungen (zu Beginn des 20.  Jahrhunderts) knüpften Musizieren und Singen auch an politi- sche Zielsetzungen. Diese Entwicklungen trugen maßgeblich dazu bei, dass in der österreichischen Zwischenkriegszeit Musizieren als Gelegenheit verbreitet war und ein bestimmtes Maß an Normalität aufwies, sodass es in der Perspektive mancher sogar durch eine jahrhundertealte Tradition gekennzeichnet schien. Es war aber nicht nur Tradition, sondern für Musizierende oftmals auch (Not-)Unterhalt. Die wirtschaftlichen Kri- sen der Zwischenkriegszeit brachten viele dazu, ihre musikalischen Fähigkeiten  – die in besseren Zeiten anderen Zwecken gedient hatten  – als Unterhaltsstrategie neben oder anstelle von regelmäßigeren Unterhaltstätigkeiten einzusetzen. Weder griffen für derartiges Musizieren die Anforderungen etwa der Gewerkschaften, Musizieren nur berufsmäßig auszuüben, noch waren viele Gelegenheitsmusizierende gewillt, ihre Tätigkeiten zugunsten der BerufsmusikerInnen einzuschränken. Die Musikerverordnung von 1934 stellte die Kodifizierung des Anspruchs, Musizieren zu verberuflichen, dar, und machte damit diesen Konflikt auf gesetzlicher Ebene offensichtlich. Die Musikerverordnung wurde von Gelegenheitsmusizierenden als Angriff auf Traditionen und Unterhaltsformen der ländlichen Gesellschaft gesehen. Dass sie ausgerechnet im austrofaschistischen Regime erlassen wurde, welches ja stärker als vorhergehende Regierungen auf den Rückhalt der bäuerlichen und länd- lichen Bevölkerung abzielte, sorgte für Unstimmigkeiten und Verwirrung zwischen unterschiedlichen staatlichen Einrichtungen. So konnte es geschehen, dass Joseph v. Rinaldini, Bundeskulturrat und ab 1934 Leiter des Arbeitskreises Musik der Kultur- abteilung der Vaterländischen Front, für das Druckwerk der Nichtberufsmusiker Texte verfasste, während die staatliche Musikergewerkschaft mit eben jenen Nicht- berufsmusikern zwar einen kurzlebigen Zusammenschluss einging, sie aber davor und danach immer wieder scharf kritisierte und attackierte. Ist schon die Sozialgeschichte des Musizierens in der österreichischen Zwischen- kriegszeit (im Gegensatz zur Geschichte der Musik) bislang eher wenig erforscht worden, so gilt das noch viel mehr für das Gelegenheitsmusizieren. Während Musi- zieren als Beruf und/oder Musizieren als Kunst offensichtlich „logische“ Forschungs- gegenstände darstellen, stieß das Musizieren jener, die weder der einen noch der Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Durch Musik ein Fortkommen finden214
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Title
Über die Produktion von Tönen
Subtitle
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Author
Georg Schinko
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Size
15.5 x 23.5 cm
Pages
310
Keywords
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Category
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