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2017a). Vor allem in Tirol ist eine groĂźe Zahl an teilweise
sehr modernen Kletterhallen zu finden (Tirol Werbung o.J.;
Verein Climbers Paradise Tirol o.J.). Möglichkeiten zum
Indoorklettern sind aber auch in den übrigen Bundesländern
zahlreich vorhanden, nicht zuletzt im urbanen Raum, wie
z. B. Wien (ÖAV o.J.). Der Deutsche Alpenverein schätzt die
Zahl der deutschen Kletterhallen auf insgesamt ca. 500, mit
einem besonders groĂźen Angebot in MĂĽnchen, wo sich mit
dem Kletterzentrum MĂĽnchen-SĂĽd (Thalkirchen) nach eige-
nen Angaben sogar die weltweit größte Kletterhalle befindet
(Burmester 2010; DAV 2018, o.J.).
Insgesamt lag der Anteil der Gäste, die im Sommer 2018
Klettern als ihre Hauptaktivität bezeichnet haben, bei 1 %
(von weiteren 3 % wurde Klettern als Nebenaktivität aus-
geübt). Die wichtigste Nation unter den Gästen stellte dabei
Deutschland mit 49 % dar (Ă–sterreich Werbung 2019c). Zwar
können Kletterhallen als vergleichsweise sichere Alternative
zu alpinen Klettersteigen angesehen werden, die aufgrund des
klimawandelbedingten Tauens von Permafrost und der da-
mit verbundenen erhöhten Gefahr von Steinschlag und/oder
Felssturz evtl. in Zukunft nicht oder nur mehr eingeschränkt
genutzt werden können (Braun 2009; DAV und ÖAV 2011;
BMWFJ 2012; siehe Abschn. 7.3.2). Andererseits sind die
österreichischen Berge für 69 % der Klettergäste der Haupt-
entscheidungsgrund, gefolgt vom Angebot an Wanderwegen
(50 %). Dementsprechend sind Wandern (86 %) und Berg-
steigen (68 %) die von dieser Gruppe am häufigsten genann-
ten Nebenaktivitäten (Österreich Werbung 2019c). Da das
Naturerlebnis für dieses Gästesegment offenbar sehr wich-
tig ist, werden sie mehrheitlich wohl nicht in Kletterhallen
ausweichen, sondern, wenn möglich, Regionen aufsuchen,
in denen der Sport weiterhin gefahrlos im Freien ausgeĂĽbt
werden kann. Indoorklettern dĂĽrfte fĂĽr sie nur dann eine Al-
ternative darstellen, wenn die Zahl geeigneter Regionen stark
zurĂĽckgehen sollte bzw. fĂĽr den Fall, dass die Anreise mit
unverhältnismäßig viel Zeit und Kosten verbunden ist. Für
diejenigen Gäste, die Klettern als Nebenaktivität ausüben,
kann Indoorklettern aber durchaus eine attraktive wetter- und
jahreszeitenunabhängige Ergänzung des lokalen Angebots
einer Destination darstellen.
8.2.3 Indoorschneesport
Eine weitere Entwicklung, die zwar fĂĽr Ă–sterreich aufgrund
der herrschenden geografischen und topografischen Verhält-
nisse weniger relevant ist als für andere Länder, jedoch immer
wieder in den heimischen Medien diskutiert wird und an die-
ser Stelle daher trotzdem genannt werden soll, sind Skihallen,
die ganzjährig genutzt werden können (Scott und McBoyle
2007). Diese sind in mehreren europäischen Ländern, z. B. in
GroĂźbritannien, den Niederlanden und in Deutschland, aber
auch in Russland, zu finden (Ă–sterreich Werbung 2015). In Ă–sterreich wird zwar momentan noch keine solche Indoor-
skihalle betrieben, jedoch besteht beispielsweise eine Koope-
ration zwischen der SalzburgerLand Tourismus GmbH und
der JEVER Fun Skihalle im deutschen Neuss sowie mit der
Skihalle snej.com nahe Moskau. Ziel der Kooperation ist es,
die Besucherinnen und Besucher im Ausland auf das hei-
mische Angebot aufmerksam zu machen und damit Werbe-
effekte fĂĽr den Winterurlaub in Salzburg zu erzielen (Ă–ster-
reich Werbung 2015; SalzburgerLand Tourismus GmbH o.J.).
Auch andere österreichische Organisationen bzw. Betriebe,
wie beispielsweise Kärnten Werbung und Ötztal Tourismus,
treten als Sponsoren, Förderer oder Partner von Skihallen im
europäischen Ausland auf (Österreich Werbung 2015).
Im Sinne der Nachhaltigkeit und eines sparsamen Um-
gangs mit Energie, aber auch wegen ihres großen Flächen-
verbrauchs, der damit verbundenen Versiegelung (Um-
weltbundesamt GmbH o.J.) und ihres Einflusses auf das
Landschaftsbild können Skihallen jedoch nicht als geeignete
Anpassungsstrategie an den Klimawandel in Ă–sterreich an-
gesehen werden. AuĂźerdem ist fraglich, ob und inwieweit
Skihallen für die Gäste überhaupt ein attraktives Alternativ-
angebot zum alpinen Schneesport darstellen, sind doch Berge,
Landschaft und Natur wichtige Entscheidungskriterien fĂĽr
den Urlaub in Ă–sterreich (WKO 2018).
8.3 Einfluss des Klimawandels bzw. Einfluss
auf den Klimawandel
8.3.1 Einfluss des Klimawandels
auf Indooraktivitäten
Allgemein lässt sich festhalten, dass Indoorangebote in vielen
Destinationen lediglich eine Ergänzung zu Outdooraktivitä-
ten darstellen. Ist deren AusĂĽbung durch den Klimawandel
gefährdet bzw. nur mehr eingeschränkt möglich, dann wird
auch dieses ergänzende Angebot einen entsprechenden Nach-
fragerückgang nicht verhindern können. Langfristig werden
nur diejenigen Angebote attraktiv bleiben, die sich durch eine
Unique Selling Proposition (USP) auszeichnen. Diese kann
beispielsweise in der Lage eines Wellnesshotels in einer at-
traktiven (Winter-)Landschaft bestehen (Stichwort „Skiwell-
ness“). Geht diese jedoch infolge des Klimawandels verloren,
so werden die betroffenen Betriebe auch ihre USP verlieren
und sich neu orientieren mĂĽssen (z. B. bei einem RĂĽckgang
der Schneefälle in tiefer liegenden Wintersportorten).
Bei einer Zunahme von extremen Wetterereignissen und
einer steigenden Steinschlaggefahr könnten Klettersport-
lerinnen und Klettersportler in Zukunft vermehrt in Hallen
ausweichen. Ob dies aufgrund des fehlenden Naturerlebnisses
auch auf Touristinnen und Touristen zutrifft oder nur auf re-
gional ansässige (Hobby-)Sportelnde, ist allerdings fraglich
(siehe dazu die AusfĂĽhrungen in Abschn. 8.2.2 und 7.3.1).
8 Indooraktivitäten und damit zusammenhängende Einrichtungen 159
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Tourismus und Klimawandel
- Title
- Tourismus und Klimawandel
- Authors
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Publisher
- Springer Spektrum
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Size
- 21.0 x 28.0 cm
- Pages
- 263