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Tourismus und Klimawandel
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ebenfalls wichtige Herkunftsländer für den österreichischen Städtetourismus darstellen, ist unklar, ob Hitzewellen in den Heimatländern Einfluss auf eine verstärkte Reisetätig- keit in alpine bzw. nördlicher gelegene Länder haben wer- den. Im Kontext der internationalen Publikationen ist hier jedoch nur eine vorsichtige Erwartungshaltung angebracht (siehe Abschn. 9.3). Weitere wichtige Quellmärkte für den österreichischen Städtetourismus sind China, Russland und im Sommer auch die Vereinigten Arabischen Emi- rate (Wien Tourismus 2018). Insbesondere bei Gästen aus China (und anderen asiatischen Ländern) wird noch ein Zuwachs erwartet, wenngleich der chinesische Quellmarkt sehr heterogen ist (Thuen Jørgensen et al. 2017). Durch die vergleichsweise kurze Aufenthaltsdauer asiatischer Gäste ist ihr Beitrag zur Wertschöpfung in den einzelnen Städte- destinationen deutlich geringer im Vergleich zu anderen Quellmärkten. Jedoch im Sinne des Klimaschutzes ist eine Förderung der zwei Hauptquellmärkte – Deutschland und Österreich – sowie weiterer europäischer Quellmärkte zu favorisieren, insbesondere bei gleichzeitigem Ausbau bzw. der intensivierten Förderung und Vermarktung der öffent- lichen Anreise. 9.3 Einfluss des Klimawandels auf den Städtetourismus bzw. Einfluss auf den Klimawandel 9.3.1 Einflüsse des Klimawandels Für österreichische Städte könnten, je nach Lage und Topo- grafie, insbesondere Starkregenereignisse, Stürme und Hit- zewellen vermehrt im touristischen Kontext relevant werden. Für mittelgroße und große Städte ist Hitze das am meisten diskutierte Thema in Zusammenhang mit möglichen An- passungspotenzialen (Fleischhacker und Formayer 2007; Kromp-Kolb et al. 2007; Fleischhacker et al. 2009; Götz et al. 2012; Stadt Wien 2016; Steininger et al. 2016). Hier zeigt sich ein heterogenes Bild zwischen der empfundenen Belastung der städtischen Bevölkerung und jener der Gäste. So zeigen aktuelle Untersuchungen aus Graz, Leibnitz (Babcicky und Seebauer 2016) und Wien (Juschten et al. 2019a, b), dass die Wohnbevölkerung bereits erschwerte Le- bens- und Arbeitsbedingungen durch längere Hitzeperioden für sich wahrnimmt. Die Befragung der Wiener Bevölkerung im Rahmen der REFRESH-Studie zeigt, dass knapp die Hälfte der Befragten die warmen Temperaturen ihrer Stadt- wohnung zwar noch als „erträglich“ empfindet, etwas mehr als ein Drittel der Befragten Hitze aber bereits als belastend wahrnimmt. Für den Hitzesommer 2015 haben rund 45 % angegeben, dass sie die Hitze als „belastend“ und „nachts schwierig“ empfunden haben (Juschten et al. 2019a). Zahlreiche internationale Studien haben in den letzten zehn Jahren den Einfluss des Wetters bzw. der klimatischen Bedingungen auf die Buchungsentscheidung untersucht (Kra- jasits et al. 2008; Serquet und Rebetez 2011; Dubois et al. 2016; FUR 2017; Gómez-Martín et al. 2017; Zellmann und Mayrhofer 2017). Dubois et al. (2016) zeigen für die französische Stichprobe, dass generell angekündigte Hitzewellen weniger Einfluss auf Änderungen der Reiseentscheidung haben als angekündigte Schlechtwetter- und Kälteperioden. Auch retrospektiv ist die Erinnerung an Regenperioden – insbesondere bei längeren Reisen – deutlich negativer besetzt als jene an Hitzewellen am Urlaubsort. Gössling et al. (2016) untersuchten, wie kom- plex die Einstufung des Reisewetters als „extrem“ ist und wie unterschiedlich der längerfristige Effekt der Erinnerung daran ist. Serquet und Rebetez (2011) sowie Dubois et al. (2016) zeigen hierbei, dass eine hohe „Hitzetoleranz“ bei Reisenden besteht. Im Vergleich zu anderen Reiseformen ist bei Städte- reisen die akzeptable Temperatur (bevor sie von Touristinnen und Touristen als „zu heiß“ empfunden wird) höher als bei- spielsweise bei Aufenthalten in Berggebieten. Auch die bisherigen Entwicklungen für den Wientouris- mus zeigen bislang keine negativen Effekte der Hitzeproble- matik. Sie belegen vielmehr einen kontinuierlichen Trend hin zur stärksten Auslastung in den Sommermonaten Juli und August (Wien Tourismus 2018). Im Hitzesommer 2018 hatte der Städtetourismus in ganz Österreich den stärksten Nächtigungszuwachs aller Reisekategorien der Sommersai- son nach dem Gesundheitstourismus (Fleischhacker 2019). Auch wenn die fünf wärmsten Sommer der letzten zehn Jahre (2008–2018) betrachtet werden, zeigt sich ein starkes Plus beim Städtetourismus (stärkstes Nachfrageplus aller Sommer- tourismuskategorien; Fleischhacker 2019). Somit ist bisher kein Hinweis eines negativen Einflusses durch eine mögliche Hitzebelastung für den österreichischen Städtetourismus in der tatsächlichen, statistisch belegten Nachfrage gegeben. Allex et al. (2011a) zeigten jedoch in ihrer Befragung Wie- ner Touristinnen und Touristen, dass bereits vor knapp zehn Jahren 32,6 % der befragten Personen ihr Programm aufgrund von Hitze adaptiert haben. Dabei gab es eine Verschiebung der Aktivitäten, indem bewusst längere Pausen eingeplant oder kühlere Orte aufgesucht wurden. Signifikante Unterschiede gab es vor allem bei längeren Aufenthalten, in diesem Fall wurde deutlich häufiger das Programm angepasst. Abb. 9.1 zeigt die Unterschiede, wie Städtetouristinnen und -touristen die Lokali- täten hinsichtlich der Hitzebelastung generell bewerteten. Somit kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Hitzeproblematik zukünftig auf das Buchungsverhalten aus- wirken wird (z. B. hinsichtlich der gebuchten Jahreszeit oder der Aufenthaltsdauer) bzw. dass entsprechende Effekte zwar bereits bestehen, aber durch das grundsätzliche Wachstum des Städtetourismus verschleiert werden. Spezifische Komponenten des touristischen Angebots – Attraktionen172
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Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
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