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Tourismus und Klimawandel
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anderer wetterbedingter Extremereignisse (Starkregenereig- nisse, Stürme, Nassschnee etc.) betreffen für österreichische Städte vor allem den Transport, insbesondere die An- und Abreise. Hierbei sind die Empfehlungen des Kap. 3 relevant. Wie bereits in Abschn. 9.3 erwähnt, können Maßnahmen zur Anpassung an Hitze bzw. zur Reduktion von urbanen Hit- zeinseln auch für die Anpassung an Starkregenereignisse för- derlich sein. 9.5.3 Wissenslücken und Forschungsbedarf Auch wenn bisherige Statistiken zeigen, dass insbesondere die Hitzebelastung wenig Einfluss auf das Buchungsverhalten hatte, so ist der zukünftige Einfluss von Extremereignissen auf den Städtetourismus in Österreich bislang kaum erforscht worden. Zusammenhänge zwischen Hitzetoleranz und den Bedürfnissen und Motiven der Zielgruppen, aber auch der Einfluss von städteplanerischen Parametern (z. B. des Grün- flächenanteils) wurden bisher im Kontext des österreichischen Städtetourismus ebenfalls wenig betrachtet. Wichtige Aspekte sind dabei die Erreichbarkeit und Zugänglichkeit der grünen und blauen Infrastruktur2 sowie die (noch) akzeptierte Distanz zu selbigen (oder zu alternativen, gekühlten Indoorattraktio- nen) je nach Zielgruppe. Hierbei wäre auch eine Untersuchung der unterschiedlichen Akzeptanz je nach Quellmarkt wichtig. Weiterhin könnten sich Besichtigungsrouten verlagern, wie von Allex et al. (2011a) erstmals nachgewiesen wurde, da die akzeptable fußläufige Distanz zwischen Sehenswürdig- keiten bei großer Hitze abnimmt. Hier ist einerseits die Städ- teplanung vermehrt gefordert, Hitzeinseln entgegenzuwirken und verstärkt Schattenbereiche im Freiraum zu schaffen bzw. ggf. zusätzliche Kühlung der Freiflächen zu ermöglichen. Al- ternativ ist die Kapazität der klimatisierten ÖV-Verbindungen zwischen Sehenswürdigkeiten zu prüfen, da sich die Nach- frage der Nutzung von einzelnen Linien erhöhen könnte. Gegebenenfalls sind höhere Frequenzen in die Mobilitäts- planung miteinzubeziehen. Konkrete, aktuelle Studien für die österreichischen Städtedestinationen (insbesondere Wien und Graz mit starker, zunehmender Hitzebelastung) zur Akzep- tanz der Maßnahmen bzw. Veränderungen im touristischen Tagesprogramm können wichtige Hinweise für die Vermark- tung und Produktgestaltung bieten. 9.6 Zusammenfassung Anpassungsoptionen für den Städtetourismus ergeben sich primär durch die Zunahme von Hitzewellen und ihre Aus- wirkungen auf die Verstärkung städtischer Hitzeinseln (hohe 2 Unter grüner und blauer Infrastruktur versteht man die Ausstattung mit Grünflächen, Parks und Freiflächen an Gewässern. Übereinstimmung, starke Beweislage). Synergien für den Tourismus ergeben sich durch die städtebaulichen bzw. frei- raumplanerischen Anpassungsziele, die insbesondere eine Be- grünung der dichter bebauten Bereiche forcieren ebenso wie eine Kühlung von großen Plätzen (hohe Übereinstimmung, starke Beweislage). Größere Grünareale sowie Wasserflächen könnten vermehrt in die touristische Angebotsgestaltung ein- gebunden werden ebenso wie kühlere Indoorangebote (bei- spielsweise Besuche von Kulturinstitutionen, Kirchen u. a.). Entsprechend ist ihre öffentliche Anbindung, aber auch die Wahrung der Interessen der städtischen Bevölkerung zu be- achten (hohe Übereinstimmung, mittlere Beweislage). Für den Klimaschutz ist die Reduktion des Flugverkehrs bei der Anreise bedeutsam. Sowohl außereuropäische Gäste auf Rundreisen als auch Städtereisende aus dem stärksten Quellmarkt Deutschland könnten durch Anreize und Marke- tinganstrengungen zu einer verstärkten Nutzung von Hoch- geschwindigkeitszügen animiert werden (hohe Übereinstim- mung, starke Beweislage). Kernaussagen – Kapitel  9 – Je nach Größe und Lage der städtischen Destination sind Hitze bzw. Hitzewellen und deren Auswirkungen die größte Herausforderung in den nächsten Jahrzehn- ten für den Städtetourismus (hohe Übereinstimmung, starke Beweislage). – In Hinblick auf den Klimaschutz zählen die För- derung der klimaschonenden Anreise (Reduktion des hohen Anteils an Flugreisen) sowie die Reduktion des Energieverbrauchs in der Beherbergung im Vorder- grund (insbesondere um dem stärkeren Energiebedarf durch höheren Kühlungsbedarf in den Sommermona- ten entgegenzuwirken) zu den wichtigsten Aufgaben- feldern (hohe Übereinstimmung, starke Beweislage). – Anpassungsmaßnahmen, die im Rahmen der Stadt- entwicklung (z. B. zur Reduktion von Hitzeinseln) geplant und durchgeführt werden, sind auch für die touristische Anpassung und Angebotsentwicklung von hoher Bedeutung und schaffen Synergieeffekte. Verstärkte Kommunikation und Austausch zwischen Stadtplanung und Tourismus sind wichtige Voraus- setzungen, um Co-Benefits zu erzielen und Lock-in- Effekte zu vermeiden. Dabei ist auch die Berücksich- tigung der Verkehrsplanung bzw. eine Abstimmung mit den Verkehrsbetrieben zu beachten (hohe Über- einstimmung, starke Beweislage). 9 Städte, denkmalgeschützte Anlagen und kulturelles Erbe 175
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Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
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