Page - (000189) - in Tourismus und Klimawandel
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dass positive touristische Effekte einer Veranstaltung unter
anderem davon bestimmt werden, ob diese Veranstaltung zum
bereits etablierten Image einer Destination passt.
In der Öffentlichkeit werden touristische Veranstaltungen
mit einem direkten und indirekten gesamtwirtschaftlichen
Nutzen begründet. Davon zeugen zahlreiche Medienberichte1,
die sich nicht zuletzt auf hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen
Qualität fragwürdige Studien berufen, die im Auftrag von
Veranstaltern oder den die Veranstaltung unterstützenden
öffentlichen Stellen empirische Belege für diesen Nutzen lie-
fern sollen (als ein Beispiel unter vielen solcher Studien siehe
Steiner 2012). In der Fachliteratur werden solche Effekte hin-
gegen massiv in Zweifel gezogen und es wird allgemein eine
ungenügende Evaluierungskultur beklagt (Matheson 2006;
Jago et al. 2010). In diesem Zusammenhang spricht Matheson
(2004) von völlig übertriebenen Vorstellungen hinsichtlich
positiver Effekte2.
Nachdem viele Veranstaltungen auch mit erheblichen
öffentlichen Mitteln unterstützt werden, ist dabei auch die
ökonomische Rechtfertigung für den Einsatz öffentlicher
Gelder kritisch zu hinterfragen (Thöni und Barth 2012).
Selbst wenn durch Großveranstaltungen ein relevanter öko-
nomischer Nutzen generiert werden kann, ist festzustellen,
dass ein erheblicher Teil der Veranstaltungseinnahmen nicht
dem Veranstaltungsort selbst, sondern den internationalen
Organisationen zufließen (Barrios et al. 2016).
Nachdem der Klimawandel in jüngster Zeit immer deutli-
cher spürbar wird und sich auch auf touristische Aktivitäten
auswirkt (große Hitze in den Städten, Erwärmung der Bade-
seen, niedrige Wasserstände etc.), werden das Thema Nach-
haltigkeit und die Notwendigkeit klimaschonender Events in
der Öffentlichkeit immer intensiver diskutiert. Das betrifft
letztendlich auch Veranstaltungsorganisationen. Sichtbares
Zeichen dieser Entwicklung ist, dass auch bei Veranstaltun-
gen „grüne“ Interessen stärker in den Vordergrund treten,
also die Planung und Umsetzung „grüner“ Strategien und das
Versprechen einer nachhaltigen Eventdurchführung als mit-
entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit von Megaevents
gesehen werden. Das gilt insbesondere, aber nicht nur, für
Großveranstaltungen im Bereich des Sports. Laing und Frost
(2009) merken jedoch an, dass die Auswirkungen des Klima-
wandels und anderer ökologischer Fragen auf Veranstaltun-
gen bis 2009 international wenig Beachtung gefunden haben
– die Fallstudien zu den Olympischen Spielen 2000 in Sydney
1 Siehe z. B. https://www.derstandard.at/story/2000076674413/touris-
mus-wuerden-sport-grossveranstaltungen-gut-tun; https://www.touris-
muspresse.at/presseaussendung/TPT_20190319_TPT0008/vienna-city-
marathon-auch-wirtschaftlich-eine-rekordveranstaltung; https://orf.at/
stories/3131873/.
2 „Cities routinely offer to spend large sums of money in order to attract
these events in large part based upon these exaggerated claims of an
economic bonanza, but a sceptical public should beware of economists
bearing reports showing great benefits from mega-events“ (Matheson
2004, S. 8). und zu den Manchester Commonwealth Games 2002, die As-
pekte eines umwelt- und klimaschonenden Veranstaltungs-
managements thematisieren, gelten dabei als Ausnahmen.
In Österreich wurden bereits bei der Ausrichtung des ös-
terreichischen EU-Ratsvorsitzes 2006, der unter dem Titel
„Greening the Presidency“ stand, nachhaltige Kriterien bei
der Organisation berücksichtigt. Darauf aufbauend setzte der
österreichische EU-Ratsvorsitz auch 2018 ein umfassendes
umwelt- und klimaschonendes Veranstaltungsmanagement
um. So wurde das Austria Center Vienna, Hauptveranstal-
tungsort des österreichischen EU-Ratsvorsitzes in Wien, bei-
spielsweise mit dem Österreichischen Umweltzeichen zerti-
fiziert und diente als Veranstaltungsort für über 200 Events
während der Ratspräsidentschaft (BMNT 2018a). Für das
gestiegene Interesse an nachhaltig organisierten Veranstal-
tungen in Österreich können auch die Alpine-Ski-WM 2013
in Schladming (ÖSV 2013) oder die Nordische Skiweltmeis-
terschaft 1999 in Ramsau am Dachstein (FH Campus 02 et al.
2018) als Beispiele für erste Bemühungen genannt werden,
dem Thema Umwelt- und Klimaschutz in der Organisation
von Veranstaltungen Rechnung zu tragen. Auch in der Kon-
zeption für eine Bewerbung als Austragungsort der Olympi-
schen und Paralympischen Winterspiele 2026 hat die Stadt
Graz eine Studie beauftragt, in der nicht nur die Machbar-
keit der Durchführung der Winterspiele 2026 in Graz und in
den Partnerregionen geprüft wurde, sondern neben der öko-
nomischen auch die soziale und ökologische Nachhaltigkeit
(Austragungsorte, Transport, Energieversorgung, Recycling,
Verpflegung) eine Rolle einnahm (FH Campus 02 et al. 2018).
Die Entwicklung in Österreich deutet darauf hin, dass die
Anzahl der als „umwelt- und klimaschonend“ deklarierten
Veranstaltungen zunimmt und das Thema an Bedeutung ge-
winnt. Dies zeigt unter anderem die Initiative „Green Events
Austria“ des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und
Tourismus (BMNT) zur Förderung einer umwelt- und klima-
schonenden Eventbranche. Mit der Initiative werden umwelt-
und klimaschonende Veranstaltungskonzepte, Produkte und
Dienstleistungen gefördert. Das Green-Events-Austria-Netz-
werk wurde im Zuge der internationalen Konferenz „Green
Events Austria“ 2008 in Linz als bundesweite Plattform für
Green Events in Österreich gegründet. Implementierte Pro-
jekte dieses Netzwerks zwischen Bund und Bundesländern
sind der Wettbewerb „nachhaltig gewinnen!“ und die „Info-
thek Green Events“, welche Unterstützung und Empfehlun-
gen für die Planung und Durchführung von Veranstaltungen
bietet, wie beispielsweise eine Auflistung umweltfreundlicher
Hotels, Locations oder Biocaterer (BMNT 2018a). Die Platt-
form hat auch erstmals österreichweit einheitliche Mindest-
anforderungen an Veranstaltungen für die Organisation und
Durchführung von Green Events erarbeitet. Diese Standards
finden sich nun in den regionalen Programmen der Bundes-
länder, den Umweltzeichenkriterien sowie der „Infothek
Green Events“ wieder (BMNT 2018a).
Spezifische Komponenten des touristischen Angebots –
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Tourismus und Klimawandel
- Title
- Tourismus und Klimawandel
- Authors
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Publisher
- Springer Spektrum
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Size
- 21.0 x 28.0 cm
- Pages
- 263