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Tourismus und Klimawandel
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Ein Instrument bzw. eine Auszeichnung, die viele Ver- anstaltungen anstreben, ist das Österreichische Umweltzei- chen für „Green Meetings und Green Events“ (BMLFUW 2014). Ein Green Meeting oder Event soll ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen. Dafür müssen eine Reihe an Musskriterien und die für die jeweilige Veranstaltung geforderten Mindestpunkte in den Bereichen Mobilität und Klimaschutz, Unterkunft, Veranstaltungsstätte, Beschaffung, Material- und Abfallmanagement, Ausstellung, Catering und Gastronomie, Kommunikation, soziale Aspekte und Veranstaltungstechnik eingehalten werden. Dadurch sollen eine erhöhte Energieeffizienz, Abfallvermeidung, umwelt- schonende An- und Abreise, regionale Wertschöpfung und soziale Verantwortung gewährleistet werden (BMLFUW 2014). Die Initiative wurde 2010 gestartet und konnte 72 Li- zenznehmerinnen und Lizenznehmer bis 2017 verzeichnen, dies entspricht einem Zuwachs von 10,8 % im Vergleich zum Vorjahr. Österreichweit fanden 130 Green Meetings und 65 Green Events statt. Betrachtet man die Anzahl der Veranstaltungen seit Einführung der Richtlinie, dann sind bereits 973 Green Meetings und 247 Green Events umge- setzt worden (ACB und ÖW 2018). Allerdings ist kritisch anzumerken, dass die Kriterien, um als „nachhaltige Veranstaltung“ ausgewiesen zu werden, relativ einfach zu erfüllen sind und der für die CO2-Emis- sionen kritische Bereich der An- und Abreise, der in vielen Fällen weiterhin auf Basis des motorisierten Individual- verkehrs erfolgt, ungenügend Beachtung findet bzw. Ver- haltensänderungen nur schwer zu erreichen sind. Letzteres ist teilweise natürlich auch darauf zurückzuführen, dass die dazu notwendige Infrastruktur fehlt, aber auch darauf, dass in der Eventplanung Anreisemöglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu wenig berücksichtigt und dem Indivi- dualverkehr, etwa durch Zurverfügungstellung großzügiger Parkflächen, günstige Bedingungen eingeräumt werden. Auch sind Veranstaltungen systematisch auf ihre Nachhaltigkeit hin zu evaluieren, um den Angaben der Veranstalter objektive Ergebnisse gegenüberstellen zu können. 10.2 Relevante Entwicklungen in den wichtigsten Herkunftsländern Nachdem Veranstaltungen vermehrt touristische Zwecke er- füllen und auch über die Landesgrenzen hinaus vermarktet werden, hat sich die Besucherstruktur zunehmend „internatio- nalisiert“. Dies zeigt sich unter anderem an der zunehmenden Zahl an Veranstaltungen internationaler Organisationen in Österreich. Detaillierte Informationen dazu stehen allerdings nicht zur Verfügung, da in Österreich keine Erhebung zu aus- ländischen Tagesgästen durchgeführt wird und auf der Basis von monatlichen Nächtigungen selbst auf Ebene von Destina- tionen eine Zuordnung zu Veranstaltungen kaum möglich ist. Die beobachtete Internationalisierung des Publikums hat zur Folge, dass noch stärker auf Nachhaltigkeitsaspekte Rück- sicht zu nehmen ist, gerade auch weil die An- und Abreise zu den Veranstaltungen als wichtige Emissionsquelle gilt. Die Entwicklung der Kongressveranstaltungen im Zeitraum 2014 bis 2017 (dazu zählen Kongresse, Firmen- tagungen, Seminare) verdeutlicht eine Zunahme von Ver- anstaltungen in den letzten Jahren. 2017 wurden 21.641 Kon- gressveranstaltungen in Österreich ausgetragen. Im Vergleich zum Jahr 2014 handelt es sich dabei um ein Plus von 11,9 %. Vor allem in Tirol (+47,8 %), Niederösterreich (+37,1 %) und dem Burgenland (+23,4 %) sind deutliche Zuwächse zu erkennen. Die Anzahl der Gäste in der gesamten österreichi- schen Tagungsbranche belief sich im Jahr 2017 auf knapp 1,7 Mio., ein Plus von 10,7 % zum Jahr 2014. Vor allem die Bundesländer Tirol und das Burgenland verzeichnen im Ver- gleich zum Vorjahr eine Zunahme der Gästezahlen (ACB und ÖW 2018). Dem Städte- und Kongresstourismus kommt somit eine wichtige Rolle in Österreichs Tourismuswirtschaft zu. Dies wird auch durch die Entwicklung der Sommernächtigungen von 2008 bis 2018 in dieser Sparte verdeutlicht, die in den letzten Jahren zugenommen haben (Fleischhacker 2019). Eine Betrachtung des Kongresstourismus in 113 Städten und Gemeinden (ausgenommen Wien und die Landeshauptstädte) mit „Kongresszentren“ und größeren Kongress- und Tagungs- kapazitäten (Säle mit über 300 Sitzplätzen) weist einen An- stieg an Sommernächtigungen um 20 % auf (Fleischhacker 2019). Auch die Beschäftigungsanzahl von Eventcaterern weist auf die Bedeutung der Branche hin: Aktuell sind 3525 Eventcaterer in Österreich tätig, wovon die Mehrheit in Wien (1754) ansässig ist. Dies deutet auf die große Anzahl an Events hin, die in der Landeshauptstadt organisiert werden (WKO 2018). 10.3 Einfluss des Klimawandels bzw. Einfluss auf den Klimawandel 10.3.1 Einfluss des Klimawandels auf Veranstaltungen und Events Die Veränderungen des Klimas und der Wetterereignisse auf- grund des Klimawandels, wie in Kap. 2 beschrieben, können auch die Organisation und Durchführung von Events beein- flussen. Während anlagengebundene Veranstaltungen, in Sportanlagen oder in der Halle, in der Regel eine geringere Betroffenheit aufweisen, können Freiluftveranstaltungen erheblich betroffen sein. Österreich verfügt mit dem Donau- inselfest beispielsweise über ein mehrtägiges Open-Air- Event, das aufgrund seiner hohen Teilnehmerzahlen an allen Tagen international auf Platz 2 entsprechender Open-Air-Ver- anstaltungen liegt (Drösser und Bublies 2019). 10 Festivals, kulturelle Events, Großveranstaltungen, Sportgroßveranstaltungen und Lifestyle Events 181
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Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
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