Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Tourismus und Klimawandel
Page - (000191) -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - (000191) - in Tourismus und Klimawandel

Image of the Page - (000191) -

Image of the Page - (000191) - in Tourismus und Klimawandel

Text of the Page - (000191) -

Im Fall von sommerlichen Veranstaltungen besteht die Gefahr, dass durch den Klimawandel die Risiken durch lokale Gewitter und Starkregenereignisse zunehmen (siehe Kap. 2), die gerade bei Musikveranstaltungen infolge der ein- gesetzten elektronischen Anlagen und des damit verbundenen Gefahrenpotenzials bei Gewittern zum Abbruch von Veran- staltungen gefĂŒhrt haben. DarĂŒber hinaus muss das Manage- ment entsprechender Veranstaltungen (Sportveranstaltungen ebenso wie Musikevents) eine Zunahme von EinsĂ€tzen wegen Kreislaufkollapse und Dehydrierung feststellen. Als Folge dieser Entwicklung werden mehr Versorgungs- und Kranken- stationen bei Konzertgroßveranstaltungen, wie dem Nova Rock 2019 im Burgenland und dem Donauinselfest 2019 in Wien, eingerichtet (Haidenschuster 2019; Regional Media AT 2019). So verzeichnete das Rote Kreuz beim Nova Rock 2019 insgesamt 3367 Behandlungen, wobei 1400 EinsĂ€tze mehr als im Vorjahr absolviert werden mussten. Als Grund fĂŒr diese hohe Anzahl wurden von behandelnden Arzt- und Sani- tĂ€tsteams die sehr hohen Temperaturen angegeben (Regional Media AT 2019). Bei Sportveranstaltungen mit allgemeiner Beteiligung der Bevölkerung, wie etwa dem Frauenlauf in Wien oder den Marathonveranstaltungen (Stadtmarathon, Berglauf, Radmarathon usw.), ist durch die sportliche Be- tĂ€tigung unterschiedlich gut trainierter Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gefahr hitzebedingter Gesundheitsprobleme noch grĂ¶ĂŸer (Brocherie et al. 2015). Weitere AusfĂŒhrungen zu den möglichen Effekten des Klimawandels auf die AusĂŒbung verschiedener OutdooraktivitĂ€ten enthĂ€lt Kap. 7. Bei Veranstaltungen im Winter ist der „termingerechte“ Schnee ein wichtiges Thema, das insbesondere fĂŒr die Plan- barkeit von nationalen und internationalen Sportgroßver- anstaltungen entscheidend ist. Im Rahmen einer Strategie fĂŒr die BerĂŒcksichtigung des Klimawandels fĂŒr Schladming in der Steiermark (Pröbstl et al. 2008) wurde auch die Betrof- fenheit von Events am Beispiel des Nachtslaloms (das sog. Nightrace) im Blick auf den Klimawandel nĂ€her betrachtet. Zu dieser Veranstaltung reisen regelmĂ€ĂŸig rund 50.000 Be- sucherinnen und Besucher an. Die untersuchte Fragestellung lautete, ob das traditionell Ende Januar stattfindende Event mit Begleitprogramm auch in den MĂ€rz verlegt werden könnte, um vor Ort den besten Slalomfahrer am Saisonende auszeichnen zu können. Die Tage mit mehr als 12 Stunden ĂŒber 5 °C reprĂ€sentieren dabei die vom Veranstalter beson- ders gefĂŒrchteten lang anhaltenden WĂ€rmeeinbrĂŒche. Die Ergebnisse der Studie haben gezeigt, dass Ende Januar oder Anfang Februar im Talbereich im Mittel nur zu etwa 5 % aller Stunden mit Temperaturen ĂŒber 5 °C gerechnet werden muss. Anfang MĂ€rz liegt dagegen die Wahrscheinlichkeit bereits bei mehr als 20 %. Im Mittelbereich des Skigebiets (Abb. 10.1) muss man sowohl im Februar als auch im MĂ€rz mit 10–20 % aller Stunden ĂŒber 5 °C rechnen. Besonders warme Jahre sind bereits durch rund 60 % Stundenanteil ĂŒber 5 °C gekennzeichnet. Tage mit mehr als 12 Stunden ĂŒber 5 °C kommen Ende Januar im Tal faktisch nicht vor, im MĂ€rz treten aber im Mittel bereits fast 2 solcher Tage auf. Es kamen aber sogar schon Jahre mit 10 derartigen Tagen innerhalb der ersten MĂ€rzhĂ€lfte vor. Diese VerhĂ€ltnisse werden unter den Bedingungen des Klimawandels voraussichtlich weiter zu- nehmen. Wie die Abb. 10.1 zeigt, sind die Bedingungen im MĂ€rz deutlich ungĂŒnstiger; dagegen werden nur in seltenen FĂ€llen temperaturbedingte VeranstaltungsausfĂ€lle wegen un- zureichender Bedingungen auf der Piste bereits Ende Januar bzw. Anfang Februar auftreten. Daher wurde im Rahmen des Projektes dem Ort und den Betreibern empfohlen, das Sport- event nicht auf das Saisonende im MĂ€rz zu verschieben. Weitere Aspekte im Hinblick auf die Betroffenheit im Bereich des Winters sind in Kap. 6 ausfĂŒhrlich dargestellt. Das Thema der Schneesicherheit ist vor allem fĂŒr den Win- tersport und die dazugehörigen Veranstaltungen (wie etwa Events im Rahmen von FIS-Skisportveranstaltungen) von großer Bedeutung, da durch die damit einhergehende me- diale Berichterstattung die Wahrnehmung der Touristinnen und Touristen sowie das Image der Destination wesentlich beeinflusst werden. Was den Kongress- und Tagungstourismus angeht, so wird der Einfluss des Klimawandels als gering eingestuft. Haupt- sĂ€chliche Chancen fĂŒr den Kongresstourismus könnten eine SaisonverlĂ€ngerung fĂŒr Seminare u. Ä. im Februar und MĂ€rz sein, aber auch eine Verlegung von Kongressen im Sommer in höher gelegene Alpenregionen. Mögliche Risiken können zukĂŒnftig MobilitĂ€tseinschrĂ€nkungen durch steigende Ener- giepreise fĂŒr (internationale) Kongresse und eine sinkende AttraktivitĂ€t als Veranstaltungsort aufgrund von Überhitzung der StĂ€dte sein (BMWFJ 2012). 10.3.2 Einfluss von Veranstaltungen und Events auf den Klimawandel Ein wesentlicher Einflussfaktor auf die Treibhausgasemis- sionen von Großveranstaltungen und Events, die in der Regel nur an wenigen Tagen stattfinden, liegt in der Art bzw. den Möglichkeiten der An- und Abreise sowie der MobilitĂ€t vor Ort (APCC 2014; siehe dazu auch Kap. 3). Neben dem Reise- verhalten der GĂ€ste ist die Wahl der Beherbergungsbetriebe zur Übernachtung und Verpflegung von Bedeutung (siehe dazu die AusfĂŒhrungen in Kap. 4 und 5). Hier unterscheiden sich insbesondere die Musikevents deutlich von anderen Ver- anstaltungen. Nach Angaben von Drösser und Bublies (2019) ĂŒbernachten hier 43 % der Festivalbesucherinnen und -be- sucher im Zelt und nur 32 % in einem Hotel bzw. 16 % in einem Appartement (Rest sonstige Quartiere). Ein extremes Beispiel fĂŒr die mit Veranstaltungen einher- gehenden Treibhausgasemissionen ist das zweitĂ€gige Groß- event Airpower, eine Flugschau, die 2013 in Zeltweg nach Angaben von Gegnern der Veranstaltung 150.000 bis 300.000 Spezifische Komponenten des touristischen Angebots – Attraktionen182
back to the  book Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Tourismus und Klimawandel