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Liter Kerosin verbrannte und rund 500 Tonnen CO2 verur-
sachte (ORF 2013). Auch das Formel-1-Rennen in Spielberg
ist in diesem Zusammenhang kritisch zu erwähnen. Wissen-
schaftliche Studien, die den durch diese Veranstaltung ver-
ursachten CO2-Ausstoß quantifizieren, sind allerdings nicht
bekannt.
Selbst wenn Veranstaltungen unter Berücksichtigung
von Nachhaltigkeitskriterien organisiert werden, so können
sie trotz der gesetzten Minderungsmaßnahmen dennoch
eine große Menge an CO2 emittieren, wie die Ski-WM in
Schladming 2013 verdeutlicht hat. In den zwei WM-Wochen
wurden 1290 Tonnen CO2-Äquivalente emittiert (ÖSV 2013)
und dadurch fast dreimal so viel wie etwa durch die Air-
power (siehe oben); dies entspricht dem jährlichen Ausstoß
von rund 180 österreichischen Haushalten. Auf die Ski-WM
und die erwähnten Maßnahmen wird näher im nachfolgenden
Abschn. 10.4 eingegangen.
10.4 Anpassungs-, Minderungsmaßnahmen
und Strategien
Veranstaltungen können durch eine Veränderung des Trans-
portverhaltens der Gäste Einfluss auf die verursachten Treib-
hausgasemissionen nehmen. Mögliche Minderungsmaß-
nahmen, die im An-, Abreise- und Vor-Ort-Transport im
Kontext von Veranstaltungen umgesetzt werden können, sind Verschiebungen der Transportmittelwahl, z. B. von Auto und
Flugzeug hin zu Zug und Bus (UNWTO und UNEP 2008).
Selbstverständlich gibt es regional große infrastrukturelle Un-
terschiede und dadurch auch eingeschränkte Möglichkeiten
einer autofreien Erreichbarkeit. Eine Studie des Umweltbun-
desamts (2009) zur Erreichbarkeit alpiner Tourismusstand-
orte schlägt daher eine Reihe von Maßnahmen im Bereich
Mobilität vor. Diese umfassen ein wesentlich verbessertes
Informationsmanagement3, das explizit auf klimaschonende
An- und Abreisemöglichkeiten hinweist, Ticketangebote,
die den Besucherinnen und Besuchern Anreize bieten, auf
klimaverträglichere Mobilität umzusteigen (z. B. eine in den
Preis inkludierte kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrs-
mittel oder (Elektro-)Fahrräder zum Ausleihen), sowie in-
frastrukturelle Maßnahmen, die aber nur zum Teil in der Hand
der Veranstaltungsorganisation liegen. Solche Maßnahmen
können bei Veranstaltungen eventuell sogar leichter umge-
setzt werden als bei anderen touristischen Aktivitäten, sind
sie doch meist in der Hand weniger Akteure, die andererseits
3 Zum Beispiel die Schaffung einheitlicher Plattformen mit Infor-
mationen zur autofreien Anreise (im Sinne von grenzüberschreitend
verfügbaren Reiseinformationsdiensten entsprechend der Umsetzung
der Richtlinie 2010/40/EU des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 07.07.2010 zum Rahmen für die Einführung intelligenter Verkehrs-
systeme im Straßenverkehr und für deren Schnittstellen zu anderen
Verkehrsträgern).
Abb. 10.1 Berechnungen für die
Wahrscheinlichkeit von längeren
Zeiträumen mit über 5 °C bei
zwei verschiedenen Austrags-
zeitpunkten (Ende Januar bzw.
Anfang Februar gegenüber
Anfang März) der Veranstaltung,
jeweils unter Betrachtung der
Bedingung zwischen 1961 und
1990 sowie zwischen 1973 bis
2002, um Effekte des Klima-
wandels für die Veranstaltungs-
planung zu erhalten. (Grafik:
Herbert Formayer, in Pröbstl
2011)
10 Festivals, kulturelle Events, Großveranstaltungen, Sportgroßveranstaltungen und Lifestyle Events 183
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Tourismus und Klimawandel
- Title
- Tourismus und Klimawandel
- Authors
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Publisher
- Springer Spektrum
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Size
- 21.0 x 28.0 cm
- Pages
- 263