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Tourismus und Klimawandel
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Verschiebungen der Touristenströme von traditionellen warmen Tourismusdestinationen zu LĂ€ndern in höheren geo- grafischen Breiten werden auch von Hamilton et al. (2005) und RossellĂł und Santana-Gallego (2014) angenommen, ebenso mit Österreich als einem der LĂ€nder, welche Zuge- winne verzeichnen wĂŒrden. Auch Grillakis et al. (2016) be- rechnen, dass Zentral- und Nordeuropa bei einer ErwĂ€rmung um 2 °C profitieren wĂŒrde, wĂ€hrend die KlimaattraktivitĂ€t in den mediterranen LĂ€ndern wĂ€hrend der heißen Sommer- monate abnehmen wĂŒrde. Falk (2014) geht anhand einer Ana- lyse des bisherigen Verhaltens von Touristinnen und Touristen (1960–2012) als Reaktion auf unterschiedliche WetterverhĂ€lt- nisse ebenfalls davon aus, dass Österreichs Tourismus von wĂ€rmeren Sommermonaten und der abnehmenden Attrakti- vitĂ€t sĂŒdeuropĂ€ischer Destinationen profitieren wird. Einige Studien gehen noch einen Schritt weiter und ver- suchen auch die ökonomischen Effekte von klimabedingten VerĂ€nderungen der Besucherströme zu berechnen. Barrios und Ibañez (2015) etwa verwendeten einen hedonischen Be- wertungsansatz von klimatischen Bedingungen unter BerĂŒck- sichtigung von Beherbergungs- und Reisekosten, um die Aus- wirkungen des Klimawandels auf die Tourismusnachfrage zu quantifizieren, und kamen zum Ergebnis, dass durch den Klimawandel bis zum Ende des Jahrhunderts die Tourismus- einkĂŒnfte um 0,31 bis 0,45 % des BIP pro Jahr in SĂŒdeuropa reduziert werden könnten, wĂ€hrend Zentral- und Nordeuropa positive Effekte erzielen. FĂŒr Österreich wurde eine Zunahme der TourismuseinkĂŒnfte zwischen 0,12 und 0,39 % des BIP quantifiziert. Kovats et al. (2014) schrĂ€nken jedoch auf Basis eines Re- views bisheriger Forschungsergebnisse ein, dass signifikante VerĂ€nderungen in dieser Hinsicht wohl erst in der zweiten JahrhunderthĂ€lfte zu erwarten sind. Generell dĂŒrften die negativen Effekte fĂŒr den mediterranen Raum und die damit verbundenen positiven Effekte fĂŒr den alpinen Sommertou- rismus wohl als zu hoch eingeschĂ€tzt werden. Grund dafĂŒr ist, dass in Berechnungen rein auf Basis von Klimaindizes wie dem TCI nicht berĂŒcksichtigt wird, dass verschiedene Tourismussegmente unterschiedliche AnsprĂŒche haben und dass vor allem Strandtouristinnen und -touristen auch bei deutlich höheren Temperaturen als etwa im TCI angegeben noch geeignete Bedingungen vorfinden (Gössling und Hall 2006; UNWTO und UNEP 2008; Moreno und Amelung 2009; Rutty und Scott 2010; Abegg und Steiger 2011; Arent et al. 2014; Prettenthaler und Kortschak 2015a). Zudem werden die zuvor beschriebenen Simulationen der interna- tionalen Tourismusströme dahin gehend kritisiert, dass sie in erster Linie Änderungen der Durchschnittstemperaturen berĂŒcksichtigen, nicht aber Temperaturschwankungen und andere meteorologische Variablen wie Änderungen bezĂŒg- lich der NiederschlĂ€ge (Gössling und Hall 2006; UNWTO und UNEP 2008; Gössling et al. 2012; Prettenthaler und Kortschak 2015a). Auch werden nur direkte, aber keine in- direkten Auswirkungen des Klimawandels (z. B. Änderung der WasserqualitĂ€t, des Landschaftsbildes) in diesen Studien berĂŒcksichtigt. Vor diesem Hintergrund sind Studien interessant, welche genauer auf bestimmte Tourismusarten abgestimmt sind und auf deren spezifische klimatische AnsprĂŒche eingehen. So nehmen Moreno und Amelung (2009) als Ausgangspunkt zur Bewertung der KlimaverĂ€nderungen auf Strandtourismus den Beach Climate Index, welcher von Morgan et al. (2000) auf Basis von Umfrageergebnissen erstellt wurde. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass der Mittelmeerraum noch bis mindestens 2060 seine Position als MarktfĂŒhrer im europĂ€ischen Strand- tourismus halten und es nur zu sehr leichten Änderungen der Touristenströme kommen wird. Auch statistische Modellie- rung von Prettenthaler und Kortschak (2015a), ebenso mit einem auf Umfragedaten basierenden Index (Ruddy und Scott 2010) als Basis, brachten als Ergebnis fĂŒr den europĂ€ischen Strandtourismus im Zeitraum 2035 bis 2065 nur sehr mode- rate VerĂ€nderungen, wobei innerhalb des Mittelmeerraums zwar einige Regionen stĂ€rker negativ betroffen wĂ€ren, andere mediterrane Regionen jedoch stagnierende NĂ€chtigungs- zahlen oder sogar Zunahmen aufweisen wĂŒrden. Es wurden dabei unterschiedliche Szenarien hinsichtlich Verschiebungen in der Destinationswahl, der Tourismusart (PrĂ€ferenzen) und Urlaubszeit berĂŒcksichtigt. Studien zu den lĂ€nderĂŒbergreifenden Auswirkungen des Klimawandels gibt es auch fĂŒr den schneebasierten Winter- tourismus, welcher fĂŒr Österreich von besonderer Bedeutung ist. In diesem Zusammenhang wurde von Tranos und Da- voudi (2014) auf europĂ€ischer Ebene die VulnerabilitĂ€t von Wintersportregionen gegenĂŒber dem Klimawandel anhand eines berechneten Index bewertet und verglichen. Als Indi- katoren zogen sie dafĂŒr die VerĂ€nderung an schneebedeck- ten Tagen (2071–2100 gegenĂŒber 1961–1990) sowie fĂŒr die ökonomische AbhĂ€ngigkeit die Bettenanzahl in Hotels und Ă€hnlichen Einrichtungen in Wintersportregionen heran. Am höchsten wurde die VulnerabilitĂ€t in den Alpen aufgrund der höheren ökonomischen AbhĂ€ngigkeit bewertet, obwohl die VerĂ€nderung der Tage mit Schneebedeckung in den nordi- schen LĂ€ndern Ă€hnlich hoch ist. Damm et al. (2017) untersuchten die Auswirkungen einer globalen ErwĂ€rmung um 2 °C auf die vom Skitourismus ab- hĂ€ngigen WinternĂ€chtigungen in Europa. Mithilfe von Zeit- reihenmodellen wurde der Einfluss von Naturschnee auf die WinternĂ€chtigungen in den relevanten Regionen in Europa untersucht. Österreich ist demnach von den Auswirkungen einer globalen ErwĂ€rmung um 2 °C am stĂ€rksten betroffen, mit durchschnittlichen Einbußen an WinternĂ€chtigungen von bis zu 3 % (−1,4 Mio. NĂ€chtigungen durchschnittlich bzw. −2,1 Mio. NĂ€chtigungen, wenn man sozioökonomische Ent- wicklungen berĂŒcksichtigt). In Jacob et al. (2018) wurden die Effekte einer 1,5 °C-ErwĂ€rmung untersucht. FĂŒr Österreich liegen die durchschnittlichen Einbußen an NĂ€chtigungen Globale Entwicklung und nationale Verpflichtungen196
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Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
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