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im Vergleich zum 2 °C-Szenario um einen Prozentpunkt
niedriger, bei rund 2 %. Die Einschränkungen der in diesen
Untersuchungen gewählten Methode liegen darin, dass das
Gästeverhalten rein auf in der Vergangenheit beobachteten
Sensitivitäten beruht. Mögliche zukünftige Veränderungen
dieser Sensitivitäten sind damit nicht berücksichtigt. Weiters
betrachtet das gewählte Modell nur die Wetterabhängigkeit
der Wintertourismusnachfrage in Skiregionen (ausgewählte
NUTS-3-Regionen). Da künftig andere Tourismusregionen
im Winter günstigere Witterungsbedingungen vorfinden und
dadurch relativ zu den Skigebieten und dem Skitourismus an
Attraktivität gewinnen könnten, bedarf es zur Modellierung
dieses Effektes eines komplementären Zuganges. Auch inner-
halb der Skiregionen könnten sich komparative klimatische
Wettbewerbsvorteile zukünftig verschieben, was mit der sta-
tischen Modellierung (getrennt für jede Region) von Damm
et al. (2017) nicht erfasst ist.
In Prettenthaler und Kortschak (2015b) wurden diese Zu-
sammenhänge unterschiedlicher Witterungsbedingungen in
Europa sowie unterschiedliche Anpassungsstrategien von
Gästen und deren Auswirkungen auf die Winternächtigun-
gen (aller Tourismusregionen) untersucht. Die Substitutions-
effekte werden mithilfe eines regionalen Verteilungsmodells
geschätzt1. Bezüglich der Anpassungsstrategien wurden dabei
zwei Szenarien untersucht: (a) Beibehalten des Skifahrens als
Freizeitaktivität im Winter, d. h., die Anzahl der Winternächti-
gungen über alle Skiregionen bleibt gleich, und (b) Änderung
des Freizeitverhaltens im Winter, d. h., Verschiebungen von
Winternächtigungen auch in Nichtskiregionen sind möglich.
Im Falle von Szenario (a) würden Österreich, Skandinavien,
Deutschland und osteuropäische Länder gewinnen (bis zu
+5 % in RCP 4.5), während vor allem Frankreich, Spanien,
Italien und die Schweiz zu den Verlierern zählen (bis zu −6 %
in RCP 4.5). Ändern die Wintergäste ihr Freizeitverhalten
(Szenario b), so sind in allen Ländern Rückgänge zu erwar-
ten: bis zu −20 % in Österreich und die höchsten mit bis zu
−35 % (in RCP 4.5) in Frankreich.
Auffallend sind in den genannten Studien die unterschied-
lichen Resultate für Österreich, welche mit der unterschied-
lichen methodischen Herangehensweise zusammenhängen.
Während beispielsweise in Damm et al. (2017) der Einfluss
von saisonalen Schwankungen der Schneebedingungen auf
die Winternächtigungen im Fokus der Analyse steht, wird
in Prettenthaler und Kortschak (2015b) die Sensitivität der
Nächtigungen auf Basis der intrasaisonalen Schwankungen
der Schneebedingungen in den einzelnen Wintermonaten
geschätzt. Die Klimasensitivität unterliegt dabei in Damm
et al. (2017) eher einer konservativen Schätzung, während in
Prettenthaler und Kortschak (2015b) der Klimaeinfluss pro-
gressiver geschätzt wird. Hinzu kommen Unterschiede und
1 Mögliche Substitutionseffekte zwischen Sommer- und Wintersaison
sind auch hier nicht untersucht. Modellunsicherheiten hinsichtlich der Auswahl des am besten
geeigneten Schneeindex2. Dies beeinflusst z. B. auch die Er-
gebnisse für die beiden benachbarten Skinationen Österreich
und Schweiz im direkten Vergleich. Die Schneesicherheits-
analysen von Abegg et al. (2007) und auch Steiger und Abegg
(2018) stützen die Ergebnisse von Damm et al. (2017), dass
die Schweiz eine geringere Vulnerabilität aufweist.
Weitere Limitationen, die beide Tourismusnachfragestu-
dien in gleichem Maße betreffen, beinhalten Unsicherheiten
hinsichtlich der Klimaszenarien und Schneemodellierung
sowie die ausschließliche Berücksichtigung der Natur-
schneesensitivität der Nächtigungen, die aufgrund der tech-
nischen Beschneiung in den letzten Jahrzehnten jedoch
abgenommen hat (vgl. Töglhofer et al. 2011 sowie die Aus-
führungen in Kap. 6). Durch eine in großen Skigebieten fast
flächendeckende Beschneiung dürften in manchen Regionen
die Schneesensitivitäten und damit die Klimawandelaus-
wirkungen überschätzt sein, während gleichzeitig in ande-
ren Regionen eine Unterschätzung der Folgen im Falle von
nichtsignifikanten Naturschnee-, aber signifikanten Gesamt-
schneeeinflüssen möglich ist. Da jedoch auch die Model-
lierung der Gesamtschneehöhe (d. h. inklusive technischer
Beschneiung) hinsichtlich der Durchdringungsrate der tech-
nischen Beschneiung über die Zeit sowie auch betreffend der
Beschneiungsstrategie sehr vereinfachend erfolgen würde –
insbesondere bei dieser großräumigen Betrachtung vieler Ski-
gebiete –, wären auch diese Ergebnisse mit Unsicherheiten
verbunden und damit die Betrachtung beider Indizes – Natur-
und Gesamtschnee – sinnvoll.
Wenngleich die Studien etwa zum Strandurlaub und
schneebasierten Tourismus genauere Aussagen zulassen,
zeigt sich, dass auch hier noch große Unsicherheiten gegeben
sind und damit noch weiterer Forschungsbedarf besteht.
11.1.1 Weitere Einflussfaktoren
Eine Prognose der zukünftigen Tourismusentwicklung wird
auch dadurch erschwert, dass diese neben dem Klimawandel
auch von vielen anderen Faktoren beeinflusst wird, wie etwa
die zuvor angesprochenen Auswirkungen von technischen
Innovationen bei der Beschneiung oder Änderungen im Frei-
zeitverhalten. Auf globaler Ebene zählen Bevölkerungsent-
wicklung und das Wirtschaftswachstum zu den wichtigsten
Faktoren, welche auf die touristische Entwicklung einwir-
ken. In einer Studie zur Modellierung der zukünftigen Än-
derungen der Weltmarktanteile im internationalen Tourismus
kamen beispielsweise Hamilton et al. (2005) zu dem Ergeb-
2 In den Modellen von Damm et al. (2017) zeigte sich der Schneeindex
auf mittlerer Höhe der Skigebiete als am besten geeignet für die Mehr-
heit der Modelle, während im methodischen Ansatz von Prettenthaler
und Kortschak (2015b) der Schneeindex auf Höhe der Talstationen aus-
gewählt wurde.
11 Berücksichtigung der globalen Entwicklung 197
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Tourismus und Klimawandel
- Title
- Tourismus und Klimawandel
- Authors
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Publisher
- Springer Spektrum
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Size
- 21.0 x 28.0 cm
- Pages
- 263