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Tourismus und Klimawandel
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nis, dass sowohl mittel- als auch langfristig diese beiden Aspekte einen deutlich stärkeren Einfluss haben könnten als die Änderungen der klimatischen Bedingungen. Auch Hopkins et al. (2013) weisen auf die Bedeutung nichtklima- tischer Faktoren im Hinblick auf die relative Vulnerabilität von Tourismusregionen hin. Speziell mit dem Zusammenspiel aus Demografie und Klimawandel bezüglich internationaler Touristenankünfte in Österreich beschäftigt sich eine Studie von Steiger (2012), welche Szenarien für den heimischen Skitourismus aufzeigt. Der Fokus liegt dabei auf der Bevölkerungsentwicklung des wichtigsten Herkunftsmarktes Deutschland. Demnach wird je nach Szenario zumindest bis um 2050 die demografische Ent- wicklung der bestimmende Faktor sein, während gegen Ende des Jahrhunderts der Einfluss des Klimawandels bedeutender sein wird. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Szenarien der Studie von einer sinkenden Bevölkerungszahl in Deutsch- land ausgehen, was jedoch etwa durch zunehmende Migration auch in eine andere Richtung gehen könnte. Ein Teil der Sze- narien der Studie berücksichtigt zusätzlich das Älterwerden der Bevölkerung, unter der Annahme, dass die Touristinnen und Touristen mit zunehmendem Alter weniger Ski fahren. Auch bei Migrantinnen und Migranten stellt sich die Frage, wie sehr Wintersport in ihren Interessen liegt bzw. ob sie In- teresse und Affinität dafür entwickeln werden. Ein wichtiger Anreiz für einen Einstieg in den Skisport können Skikurse be- ziehungsweise Schulsportwochen sein. Die Anzahl der Schul- skikurse und Wintersportwochen ist österreichweit jedoch rückläufig, was einen Rückgang der Nachfrage nach Skisport in nachkommenden Generationen erwarten lässt. Während im Jahr 1979 noch 252.000 Kinder und Jugendliche an Winter- sportwochen teilgenommen haben, ist diese Teilnehmerzahl in den letzten Jahren auf 133.000 (2010/2011) und 120.000 (2016/2017) österreichweit zurückgegangen (Egger 2017). Neben einer sinkenden Schülerzahl und steigenden Kosten können aber auch die Rahmenbedingungen für Schulskikurse ein Hindernis sein. So wird bereits gefordert, dass die Re- gelung gelockert wird, dass mindestens 70 % einer Schul- klasse an der Sportwoche teilnehmen müssen (ORF.at 2018). Auch andere Möglichkeiten eines Heranführens an den Sport spielen eine wichtige Rolle, u. a. durch Angebote und Winter- sportbedingungen im Deutschen Mittelgebirge oder das An- gebot von Skihallen (Roth et al. 2018; Pröbstl-Haider und Flaig 2019), sowie der Anteil an Gästen, die einen Winter- urlaub auch ohne sportliche Aktivitäten anstreben (Roth et al. 2018; vgl. auch Kap. 6). Die Auswirkungen einer alternden Gesellschaft auf den Skitourismus wird auch von Fleischhacker (2018) erwähnt, der den österreichischen Binnentourismus betrachtet und da- bei feststellt, dass die quantitativ wichtigste Altersgruppe der Winteraktivurlauberinnen und -urlauber, die 45- bis 54-Jäh- rigen, bis 2025 gemäß Bevölkerungsprognosen der Statistik Austria deutlich abnehmen wird. Andere Tourismusformen, wie etwa der Gesundheitstourismus könnten dagegen von dieser Entwicklung profitieren. Yeoman (2012) nimmt zu- dem an, dass das Älterwerden der Bevölkerung in West- und Mitteleuropa zu einer Abnahme des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf und deutlich verringerten Pensionszahlungen führen könnte, mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf die touristische Nachfrage im Binnenmarkt und in den derzeit wichtigsten Herkunftsländern, wobei dies erst nach 2030 zu einem bestimmenden Faktor werden würde. Dagegen kann jedoch mit einer Zunahme von Gästen aus den aufstrebenden Märkten der Schwellenländer ausgegangen werden, vor allem aus China und Indien (BMWFJ 2012; Yeoman 2012; Haller Rupf et al. 2019). Buckley et al. (2015) bezeichnen dies als einen der Megatrends, welcher den internationalen Tourismus über die nächsten 30 Jahre bestimmen wird. Dies wäre auch abhängig von der globalen Klimapolitik, d. h. der Frage, ob der Flugverkehr weiterhin ungebremst wachsen darf. Schiff und Becken (2011) haben außerdem gezeigt, dass insbeson- dere die asiatischen Märkte stark preissensitiv sind. Ob dieser Megatrend bestehen wird, hängt daher auch von der Entwick- lung der Mittelschicht in diesen Ländern ab sowie vom all- gemeinen Wirtschaftswachstum, welches wiederum durch den Klimawandel abgeschwächt werden könnte. Zu den weiteren Aspekten, welche die internationale Entwicklung des Tourismus beeinflussen können, ist die Entwicklung der Reisekosten zu zählen, welche durch den technologischen Fortschritt reduziert oder aber auch durch steigende Energiekosten deutlich erhöht werden könnten (Hamilton et al. 2005; UNWTO und UNEP 2008; Steiger 2012; Buckley et al. 2015; Scott und Gössling 2015). Die Reisekosten werden etwa auch von der UNWTO als ent- scheidender Faktor aufgefasst. In einer Prognose für das Jahr 2030 geht die UNWTO, im Falle eines langsamen Wirtschaftswachstums und eines Ausbleibens bedeutsamer Kostenverringerungen im Transport, von einem globalen Anstieg auf 1,4 Mrd. internationaler Touristenankünfte aus (im Vergleich zu 940 Mio. im Jahr 2010). Würde es hingegen zu deutlich niedrigeren Reisekosten kommen, wäre dieser Prognose zufolge mit einem Anstieg auf 2 Mrd. zu rechnen (UNWTO 2011). Des Weiteren könnte der Tourismus auch durch Änderun- gen im Hinblick auf Arbeitsverhältnisse und Freizeitanspruch beeinflusst werden (Rosselló und Santana 2012; Scott und Gössling 2015). Eine Fortsetzung einer immer flexibleren Arbeitszeit und neue Beschäftigungsmodelle könnten vor allem Auslastungen im Frühjahr und Herbst verbessern, je- doch auch den Trend zu Kurzreisen weiter verstärken. Auch politische Veränderungen könnten den Tourismus global oder regional sowohl positiv als auch negativ beeinflussen, etwa durch neue Freihandelsabkommen oder Änderungen bezüg- lich Grenzkontrollen und Visaregelungen oder auch durch Kriege, politische Instabilität und Terroranschläge. Darüber hinaus könnten die Prognosen eines fortschreitenden Wachs- Globale Entwicklung und nationale Verpflichtungen198
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Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
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