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Tourismus und Klimawandel
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tums der internationalen Touristenankünfte auch durch das Eintreten statistisch unwahrscheinlicher, aber nicht unmög- licher pessimistischer Szenarien zerrüttet werden, wie bei- spielsweise der Ausbruch von Pandemien oder Naturkatastro- phen mit globalen Auswirkungen (Gössling und Hall 2006; UNWTO und UNEP 2008; Scott und Gössling 2015). Dazu sollte nicht vergessen werden, dass – wie bereits zuvor in Hinblick auf den asiatischen Markt erwähnt – viele der angesprochenen Faktoren selbst ebenso vom Klima- wandel beeinflusst werden, was dann wiederum indirekt den Tourismus betreffen könnte. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang die Klimapolitik zu nennen, da sich durch Maßnahmen wie CO2-Steuern die Kosten für Flüge deutlich erhöhen könnten. Dies – und auch die „Flugschambewegung“ – könnte dem österreichischen Tourismus eventuell zugute- kommen, da europäische Touristinnen und Touristen dadurch auf Fernreisen verzichten und vermehrt innerhalb Europas reisen könnten (vgl. Fleischhacker et al. 2009; Mayor und Tol 2010). Die Auswirkungen einer CO2-Steuer dürften jedoch gemäß bisherigen Studien gering sein, sofern sich die Preise nicht signifikant erhöhen (Gössling et al. 2012; Markham et al. 2018). Detaillierte Untersuchungen, wie sich aufgrund von Regulierungen oder Selbstbeschränkung („Flugscham“) die Touristenströme verschieben könnten, sind nicht bekannt. Insgesamt besteht beim Zusammenspiel unterschiedlicher Einflussfaktoren im Zusammenhang mit dem Klimawandel noch großer Forschungsbedarf. 11.2 Auswirkungen des globalen Tourismus auf die Treibhausgasemissionen 11.2.1 Treibhausgasemissionen des globalen Tourismus Eine zentrale Frage der Berechnung der Treibhausgasemis- sionen des globalen Tourismus ist die der Systemgrenzen (Gössling 2013). Fast alle existierenden Berechnungen haben die mit Transporten, Beherbergung und touristischen Aktivitäten verbundenen CO2-Emissionen berücksichtigt; nicht eingerechnet wurden in aller Regel touristische Ein- käufe (Shopping) sowie Essen und Getränke. Bei Lebens- mitteln liegt der touristische Mehrverbrauch im Vergleich zur Ernährung zu Hause bei geschätzten +27 % (Gössling und Peeters 2015). Für den Klimawandel ebenso relevant sind die sogenannten Nicht-CO2-Emissionen aus dem Flugverkehr, die sich in erster Linie auf ozonbildende und Wolkeneffekte in Flughöhe beziehen (Lee et al. 2009). Abfälle und Abwasser können auch Emissionen verursachen. Eine Berechnung des touristischen Beitrags zum Klimawandel sollte daher neben dem CO2 auch andere Treibhausgasemissionen erfassen und diese auf der Basis einer Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Analysis, LCA) berechnen. Der bislang umfassendste Versuch einer solchen Berech- nung wurde von Lenzen et al. (2018) unternommen. Die Autoren berücksichtigen auf der Basis eines Input-Output- Ansatzes die Aspekte Transporte, Beherbergung, Aktivitäten, Einkäufe und Ernährung für die Treibhausgase CO2, CH4, NOx, HFC, CFC, SF6 und NF6. Diese Berechnung berück- sichtigt Produktionswege, also auch die Emissionen, die indirekt entstehen. Die zusätzlichen Effekte kurzlebiger Emissionen aus dem Flugverkehr sind allerdings nicht ein- gerechnet. Dies bedeutet eine erhebliche Auslassung, da die zusätzliche Erwärmung dem zwei- bis dreifachen Effekt des CO2 entsprechen könnte (Lee et al. 2009). Lenzen et al. (2018) kommen zu dem Schluss, dass der Tourismus im Jahr 2013 etwa 8,1 % aller CO2-Emissionen verursachte bzw. 5,3 % aller CO2-Äquivalentemissionen, entsprechend 4,5 Gt CO2-Äquivalente. In Zukunft werden die Emissionen aus dem Tourismus weiter zunehmen. Lenzen et al. (2018) errechnen für die Jahre 2009–2013 einen Nettozuwachs in den globalen tourismus- bedingten Treibhausgasemissionen von 3,3 % pro Jahr. Die Berechnung berücksichtigt Effizienzgewinne, die durch das rasche Wachstum des Tourismus und die hohe Energieintensi- tät der konsumierten Waren und Dienstleistungen neutralisiert werden. Die Autoren heben auch hervor, dass mehr als die Hälfte des gesamten Emissionsanstiegs zwischen 2009–2013 Ländern mit hohen Einkommen zuzuordnen war. China als Land mit mittleren durchschnittlichen Einkommen verzeich- nete allerdings die höchsten Zuwachsraten mit 17,4 % pro Jahr. Diese Zahlen belegen, dass der Tourismus auch in naher Zukunft stark zu wachsenden Emissionen beitragen wird, und zwar insbesondere in den bereits entwickelten Ökonomien als auch in Schwellenländern. Aus einer ökologisch-ökonomi- schen Perspektive ist der Tourismus kein vorteilhafter Sektor, da pro umgesetztem US-Dollar Emissionen von rund 1 kg CO2-Äquivalent entstehen, deutlich mehr als im Weltwirt- schaftsdurchschnitt (0,75 kg CO2-Äquivalent pro US-Dollar). Abb. 11.1 schlüsselt die touristischen Emissionen nach Sektoren auf. Der größte Teil der Treibhausgasemissionen entsteht dabei durch Transporte (49,1 %), gefolgt von „Es- sen und Trinken“ (17,5 % – Landwirtschaft, Lebensmittel- industrie, Gastronomie), Serviceleistungen (7,9 %) und Beherbergung (6,4 %). Der Flugverkehr ist mit 16 % der CO2-Äquivalente der wichtigste Emissionssektor, auch ohne Berücksichtigung der zusätzlichen Klimawirkung kurzlebiger Treibhausgase. Bisherige Schätzungen kamen beim Anteil des globalen Tourismus an den CO2-Emissionen auf rund 5 % (UNWTO und UNEP 2008). Dabei wurden insgesamt 75 % dem Ver- kehr (40 % Luftverkehr, 32 % Autoverkehr, 3 % sonstiger Verkehr), 21 % der Beherbergung und 4 % den Tourismus- aktivitäten zugeordnet. Es wurden jedoch Essen und Getränke und der touristische Einkauf sowie auch indirekte Emissionen (durch Vorleistungen) nicht berücksichtigt. 11 Berücksichtigung der globalen Entwicklung 199
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Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
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