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32,5 % bzw. 32 % angehoben (Europäische Kommission
2018). In dem 2015 verfassten Positionspapier werden auch
die Sektoren erwähnt, welche schwerpunktmäßig zu dieser
Reduktion beitragen sollen. Es sind dies Energie, Industrie,
Landwirtschaft, Abfall sowie Landnutzung und Forstwirt-
schaft. Trotz der Bedeutung der Tourismuswirtschaft fĂĽr die
Treibhausgasemissionen auf internationaler Ebene (siehe
Kap. 11) wird diese nicht explizit als Themenschwerpunkt
behandelt. Der Tourismus ist aber indirekt sehr wohl be-
troffen, da Touristen und touristische Betriebe Produkte aus
industrieller und landwirtschaftlicher Produktion nutzen, Ab-
fall produzieren und Landflächen in Anspruch nehmen. Am
stärksten ist der Bezug zum Tourismus jedoch eindeutig im
Bereich Energie, sowohl was touristische Mobilität als auch
den Energieverbrauch touristischer Betriebe angeht.
In diesem Zusammenhang hat die Europäische Kommis-
sion 2016 ein Maßnahmenpaket unter dem Titel „Saubere
Energie für alle Europäer“ gestartet (Europäische Kommis-
sion 2018). Darin enthalten sind Initiativen zu unterschied-
lichen Themenbereichen, welche teilweise noch verhandelt
werden und teilweise bereits vom Europäischen Parlament
und vom EU-Rat verabschiedet wurden und nun rechtsgĂĽltig
sind (Stand September 2018). Neben den Bereichen erneuer-
bare Energien, Energieeffizienz allgemein, Governance der
Energieunion und Gestaltung des Elektrizitätsmarkts ist dabei
auch die Energieeffizienz von Gebäuden ein wichtiger Punkt.
Bereits 2010 war vereinbart worden, dass alle Neubauten ab
2020 Niedrigstenergiegebäude sein müssen (Europäisches
Parlament und Rat der Europäischen Union 2010). Nun sollen
die Mitgliedsstaaten vor allem ihre Anstrengungen verstär-
ken, um bis 2050 einen weitgehend emissionsfreien Gebäude-
bestand zu erreichen, u. a. durch eine langfristige, mit ausrei-
chenden Mitteln ausgestattete Strategie zur Sanierung älterer
Gebäude. Des Weiteren sollen Gebäude über Infrastruktur
zur Unterstützung von E-Mobilität verfügen und intelligente
Technologien sollen verstärkt für einen effizienten Gebäude-
betrieb sorgen. Spezifische MaĂźnahmen fĂĽr den Tourismus
sind im Paket „Saubere Energie für alle Europäer“ nicht ent-
halten (Europäische Kommission 2018).
Daneben ist auch die europäische Strategie für emissions-
freie Mobilität erwähnenswert (Europäische Kommission
2016b), welche einige aus touristischer Sicht interessante
Punkte enthält. So sollen Maßnahmen gesetzt werden, um die
Emissionen im Luftverkehr zu reduzieren (Ziel ist ein emis-
sionsfreies Wachstum des Luftfahrtsektors ab 2020), der Schie-
nenverkehr soll durch einen geänderten Rechtsrahmen für den
Eisenbahnsektor wettbewerbsfähiger und für Fahrgäste at-
traktiver werden und im Bereich E-Mobilität soll eine europa-
weit verfĂĽgbare Lade-, Betankungs- und Wartungsinfrastruk-
tur aufgebaut werden, mit dem Ziel „… eine Autoreise quer
durch Europa unternehmen zu können, bei der das Aufladen
des Fahrzeugs ebenso problemlos ist wie ein konventioneller
Tankvorgang“ (Europäische Kommission 2016b, S. 6). Schließlich gibt es auf EU-Ebene auch eine Klimawandel-
anpassungsstrategie, welche bereits 2013 von der Kommis-
sion veröffentlicht und inzwischen noch nicht erneuert wurde
(Stand September 2018). Auch hierbei ist der Tourismus
kein Schwerpunktthema. Das Strategiepapier enthält jedoch
Guidelines fĂĽr die Ausarbeitung von Anpassungsstrategien
auf Ebene der Mitgliedsstaaten, bei denen der Tourismus als
einer der vom Klimawandel betroffenen Sektoren erwähnt
wird (Europäische Kommission 2013).
12.1.2 Klimarelevante Aspekte der europäischen
Tourismuspolitik
Die Europäische Kommission startete 2010 eine neue Stra-
tegie zur Entwicklung des Tourismus in der EU, wobei in
zwei von vier genannten Schwerpunkten der Strategie neben
Qualitätsoptimierung der Aspekt der Nachhaltigkeit genannt
wird, sowohl für den europäischen Tourismus generell als
auch speziell fĂĽr einzelne Destinationen. Konkret gibt es
drei Aktionsbereiche fĂĽr nachhaltigen Tourismus, die auch
klimaschutzrelevante MaĂźnahmen beinhalten. Die Initiative
Sustainable Transnational Tourism Products förderte von
2011 bis 2015 länderübergreifende Projekte zur Entwicklung
nachhaltiger Tourismusangebote, wie zum Beispiel Fahrrad-
routen oder Naturtourismusprodukte (Europäische Kommis-
sion 2019a).
Der zweite Aktionsbereich betrifft die Entwicklung des
European Tourism Indicators System (ETIS), welches den
Entscheidungsträgern in europäischen Tourismusdestinatio-
nen dabei helfen soll, ihre Nachhaltigkeitsperformance zu
messen und dementsprechende MaĂźnahmen zu ergreifen.
Dazu wurden 41 Indikatoren definiert, wobei zwei speziell
auf die Thematik Klimawandel abzielen („Prozentsatz der
Tourismusbetriebe, die in Programme zum Klimaschutz und
in Anpassungsaktionen involviert sind“, sowie „Prozentsatz
von touristischer Infrastruktur in gefährdeten Zonen“), dazu
gibt es vier Indikatoren betreffend die Reduktion von Trans-
portemissionen und drei Indikatoren zum Energieverbrauch
(Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energieträger;
Europäische Kommission 2016c).
Als dritter Aktionsbereich können EMAS (EU Eco-
Management and Audit Scheme), ein Programm mit dem
Unternehmen dabei unterstĂĽtzt werden, ihre Umweltbilanz
zu verbessern, sowie das Zertifizierungsprogramm EU Eco-
label fĂĽr umweltfreundliche Unternehmen genannt werden
(Europäische Kommission 2019a). Letzteres beinhaltet als
spezielle Produktkategorie die touristischen Beherbergungs-
betriebe, wobei unter anderem die Bereiche energieeffiziente
Heizung, KĂĽhlung und Beleuchtung, der Bezug elektrischer
Energie aus erneuerbaren Quellen und die Bewerbung einer
umweltfreundlichen Anreise bewertet werden (Europäische
Kommission 2019b).
Globale Entwicklung und nationale
Verpflichtungen210
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Tourismus und Klimawandel
- Title
- Tourismus und Klimawandel
- Authors
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Publisher
- Springer Spektrum
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Size
- 21.0 x 28.0 cm
- Pages
- 263