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den, Luxemburg, Belgien, Dänemark und Deutschland eine
höhere Aufenthaltsdauer haben als die besonders weit gereis-
ten Gäste aus z. B. China oder Japan mit häufig komplexen
Besuchsprogrammen in mehreren europäischen Ländern. Die
Entwicklung von Nahmärkten kann aus diesem Grund zu
einer höheren durchschnittlichen Aufenthaltsdauer beitragen
und gleichzeitig Transportemissionen verringern.
Mittelfristig wäre es auch notwendig, marktbasierte Maß-
nahmen für den Flugverkehr einzuführen, wie beispielsweise
auch von der internationalen Zivilluftfahrtorganisation ge-
fordert (ICAO 2015), die das Interesse an einem hohen Be-
legungsgrad der Maschinen und der Verwendung alternativer
Brennstoffe erhöhen. Es ist zum Beispiel denkbar, nichtbe-
legte Sitze zu besteuern und gleichzeitig eine Grundabgabe
(Air Passenger Duty) einzuführen, um zu verhindern, dass
Sitze sehr billig verkauft werden. Diese Abgabe könnte sich
an der britischen Flugsteuer orientieren, die distanzbasiert
gestaffelt und damit näherungsweise proportional zu den ver-
ursachten Emissionen ist. Gleichzeitig wäre es notwendig, der
Erforschung der technischen Möglichkeiten eines syntheti-
schen Brennstoffs bzw. einer hybridelektrischen Antriebsform
verstärkt Aufmerksamkeit zu widmen, also den Antrieben, die
langfristig tatsächlich emissionsfrei sein könnten. Steigende
Treibstoffkosten für den Flugverkehr sind ein wichtiger Bau-
stein, um diesen Antriebsformen zur Markteinführung zu ver-
helfen (Gössling und Scott 2018).
Weitere systemische Maßnahmen sollten insbesondere
die Gastronomie betreffen. Lenzen et al. (2018) haben die
Nahrungsmittelproduktion, deren Verarbeitung und Zuberei-
tung als zweitwichtigsten Aspekt der Gesamtemissionen her- vorgehoben. Die großen Möglichkeiten der Gastronomie, in
diesem Bereich Emissionsminderungen zu erreichen, sind in
Kap. 5 ausgeführt. Die Ergebnisse legen den Schluss nahe,
dass ein wesentlicher Teil der Gesamtemissionen allein durch
geringfügige Änderungen der Einkaufs-, Koch- und Präsen-
tationsstrategien eingespart werden könnten. Einsparungen
in der gleichen Größenordnung wären auch in der Beherber-
gung allein durch die Umstellung auf Strom aus erneuerbaren
Quellen möglich, wobei in diesem Bereich das grundsätzliche
Potenzial einer fast klimaneutralen Wirtschaftsweise gegeben
ist (Gössling 2010).
Einzelmaßnahmen können ebenfalls zu signifikanten
Treibhausgaseinsparungen führen. Zum Beispiel zeigen die
Analysen von Pröbstl und Jiricka (2012a) für die Skilifte
Lech (Vorarlberg) ein hohes Einsparpotenzial beim Pistenma-
nagement. Insgesamt 70 % des Dieselverbrauchs entfallen
auf die Pistenpräparation, wo es, ebenso wie beim Schnee-
management, erhebliche Einsparpotenziale gibt (z. B. durch
GPS-basierte Schneehöhenmessung). Auch bei den Skiliften
gilt, dass durch die Verwendung regenerativ erzeugten Stroms
signifikante Emissionsminderungen erreicht werden können
(Pröbstl und Jiricka 2012b).
Österreich kann auf verschiedene Best-Practice-Ansätze
verweisen, die international viel Beachtung gefunden haben.1
Allen gemeinsam ist, dass sie „Klimafreundlichkeit“ zum
Alleinstellungsmerkmal gemacht haben und sich dadurch
1 Dazu gehören zum Beispiel das Wiener Boutiquehotel Stadthalle
(www.hotelstadthalle.at), die Biohotels (www.biohotels.info) sowie das
Mobilitätskonzept der Alpinen Perlen (www.alpine-pearls-com).
Abb. 12.1 Aufenthaltsdauer
und Anreisedistanz der Besucher
Österreichs (2015). (Basierend
auf Statistik Austria 2017; Nach-
druck aus Gössling et al. 2019
mit Genehmigung von Taylor &
Francis Ltd)
GER
AUS
BEL
BRA
CHN*
DNK
GRC
IRL ISL
ISR
JPN
CAN
LUX
NZL
NL
POL
PRT
ROU SAU
ESP ZAF
IND KOR
TWN
TUR
HUN
USA
ARE
GBR
CYP R² = 0,27
0
1
2
3
4
5
6
000.02000.51000.0150000
Ø Aufenthaltsdauer [Anzahl der Nächte]
En ernung [km]
* inkl.
Hongkong Globale Entwicklung und nationale
Verpflichtungen214
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Tourismus und Klimawandel
- Title
- Tourismus und Klimawandel
- Authors
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Publisher
- Springer Spektrum
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Size
- 21.0 x 28.0 cm
- Pages
- 263