Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Tourismus und Klimawandel
Page - (000222) -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - (000222) - in Tourismus und Klimawandel

Image of the Page - (000222) -

Image of the Page - (000222) - in Tourismus und Klimawandel

Text of the Page - (000222) -

neue Märkte erschließen konnten. Obwohl die Konzepte zum Teil mit öffentlichen Mitteln gefördert wurden, können zen- trale Einsichten aus der Entwicklung und dem Betrieb auch in der Fläche umgesetzt werden. Klimaschonendes Wirt- schaften kann zu Kosteneinsparungen verhelfen, Gast- und Mitarbeiterloyalität erhöhen und Impulse für die Destinati- onsentwicklung geben. Staatliche und regionale finanzielle Anreize könnten ein Interesse an diesen Konzepten zusätzlich verstärken. Hierzu gehören auch Zertifizierungen, wie das Österreichische Umweltzeichen, oder ein nach EMAS bzw. ISO 14001 zertifiziertes Umweltmanagementsystem (Pröbstl und Müller 2012; Reschl 2019). Allerdings ist bei der Buchung für die Kunden vielfach die Berücksichtigung nachhaltiger Entwicklungen nur ein- geschränkt möglich. Wichtig wären in diesem Zusammen- hang Partnerschaften mit Reiseveranstaltern, Reisebüros und Buchungsplattformen, wie z. B. TUI, Booking.com oder trivago. Es gibt viele weitere internationale Best-Practice-Bei- spiele, die aus einer Treibhausgasminderungsperspektive für Österreich interessant sein könnten. Dazu gehören z. B. Angebote der Klimakompensation, da nicht für alle Gäste eine klimaschonende Anreise infrage kommt. Dies ist teil- weise von Veranstaltern im deutschen Forum Anders Reisen eingeführt worden. Auch vor Ort können viele Angebote ge- macht werden, um Mobilität nachhaltiger zu gestalten. Dazu gehören einerseits Apps, die es Gästen möglich machen, lo- kale und regionale Mobilitätsangebote lückenlos zu nutzen und dabei auch verschiedene Transportmittel zu kombinieren (z. B. WienMobil). Eine wünschenswerte Entwicklung aus touristischer Sicht wäre eine zentrale App, die innerhalb ganz Österreichs genutzt werden kann, z. B. nach dem Vorbild von Moovel2. Auch die Förderung der ÖPNV-Nutzung sei hier er- wähnt, mit Gratisnutzungsangeboten durch Gästekarten (z. B. KONUS-Gästekarte im Schwarzwald, Schladming-Dachstein Sommercard, AchenseeCard, Geneva Transport Card für Hotelgäste). Weiters lassen sich durch die Bereitschaft bei der Förderung der Elektromobilität durch die Hotelbetriebe weitere Problemstellungen realisieren (Last Mile, Auftanken/ Aufladen usw.; vgl. Abschn. 4.4.3). Insbesondere in Städten können Fahrrad- und Fußverkehr gefördert werden. Hotels könnten ihren Gästen zum Beispiel als Standard ein kostenloses Fahrrad anbieten.3 Da auch Nut- zer anderer Unterkunftsformen potenziell am Fahrradverleih interessiert sind, bietet sich außerdem ein Mietangebot in Bahnhofsnähe an.4 Fußverkehr kann auch durch einfachste Mittel gefördert werden. Die Stadt Pontevedra in Spanien 2 www.moovel-group.com. 3 Im Ohboy-Hotel in Malmö (www.ohboy.se) gehört zu jedem Zimmer ein Fahrrad. 4 In den Niederlanden bietet OV-Fiets (www.ns.nl) zum Preis von 3,85 € pro 24 Stunden Räder in fast 300 Leihstationen an, die mit minimalem Aufwand gemietet werden können. hat beispielsweise eine entsprechende Innenstadtkarte ent- wickelt, die Entfernungen in Metern und Gehminuten aus- weist (Abb. 12.2). Auch Wanderwege bzw. Sehenswürdig- keiten lassen sich so den Reisenden näherbringen. Durch autonome Mobilität werden sich bald neue Mög- lichkeiten des Transportes ergeben. Gäste, die mit dem Zug anreisen, können beispielsweise von selbstfahrenden Fahr- zeugen an ihr Ziel gebracht werden. Die Wechselwirkungen dieser neuen Technologien sind aber noch weitgehend un- geklärt. 12.3 Die Bedeutung klimaverträglicher Lebensstile für den Tourismus Aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive erstreckt sich das Erfordernis einer drastischen und systematischen Emissionsreduktion naheliegend über alle gesellschaftlichen Gruppen und über alle Branchen. Mit Blick auf das Han- deln einzelner Menschen sind die individuellen Aktivitäten in sämtlichen Lebensbereichen klimapolitisch relevant. Gleichzeitig ist die verbleibende Zeit, um das Wirtschafts- system im Sinne der Pariser Klimaziele zu „dekarbonisieren“, also den Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen zu minimieren, äußerst knapp. Diese Zeitknappheit wird ins- besondere dann deutlich, wenn man berücksichtigt, dass eine Dekarbonisierung „von heute auf morgen“ weder gesamt- wirtschaftlich noch in Bezug auf die individuellen Lebens- realitäten der Menschen realistisch ist. Die Einhaltung der Pariser Klimaziele unter Berücksichtigung ökonomischer, sozialer, politischer und technologischer Realitäten kann jedoch nur gelingen, wenn die dringend notwendige Re- duktion von Treibhausgasemissionen zu einem Projekt für alle wird, das alle relevanten Zielgruppen berücksichtigt und einen „Paris Lifestyle“ zu einer attraktiven Art der Lebens- gestaltung werden lässt (Schwarzinger et al. 2018). Das Spektrum von klimaverträglichen Produkten und Dienstleis- tungen, die sowohl für die Angebots- als auch für die Nach- frageseite attraktiv sind, mag aus heutiger Perspektive klein erscheinen und wie eine Schnittmenge wirken, die sich auf Nischenmärkte beschränkt. Allerdings steht außer Frage, dass es erforderlich ist, diese Schnittmenge systematisch zu ver- größern, um das Wirtschaftssystem, von dem auch der Touris- mus ein wesentlicher Bestandteil ist, auf einen klimaverträg- lichen Kurs zu bringen. Wege zu einem klimaverträglichen touristischen Produkt können auch ohne eine entsprechende Kennzeichnung angestrebt werden und auch unbemerkt vom Gast implementiert werden. Die Tatsache, dass Angebote mit betont geringen Klima- auswirkungen – speziell im Tourismus – derzeit noch eine Ausnahme darstellen, darf also nicht zur Annahme verleiten, dass derartige Angebote auch zukünftig ihren Nischencharak- ter behalten werden. Vorweg sei an dieser Stelle angemerkt, 12 Nationale Verpflichtungen auf Grundlage des Pariser Klimaabkommens 215
back to the  book Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Tourismus und Klimawandel