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Tourismus und Klimawandel
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• Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen durch den Reisenden (Consumer Adaptation), • Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen durch den touristischen Betrieb (Business Adaptation), • Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen durch die regionale Destination (Destinationsadaptation), • Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen durch die Destination Österreich (National Destination Policy and Adaptation). Diese spezifischen Ansätze werden nachstehend bezogen auf Österreich und die verschiedenen Bestandteile einer Reise beschrieben. Allerdings muss an dieser Stelle auch hervor- gehoben werden, dass es sich bei der vorliegenden Studie in erster Linie um einen Sachstandsbericht handelt und daher nur grundsätzliche Lösungsansätze, nicht jedoch konkrete Maßnahmen erarbeitet werden konnten. Wir hoffen jedoch, dass die Handlungsoptionen in diesem Kapitel die Forschung und Forschungsförderung stimulieren werden. 13.2 Handlungsebenen und spezifische Lösungsansätze 13.2.1 Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen durch den Reisenden Im Zusammenhang mit der Klimawandelanpassung, ins- besondere den zu treffenden Maßnahmen, wurde in der Ver- gangenheit vielfach die betriebliche Ebene in den Mittelpunkt gestellt (APCC 2014; EIW 2014; BMWFW et al. 2015). Da- her soll hier, zu Beginn der Strategien, Herausforderungen und Lösungsansätze, zunächst nicht die Angebots-, sondern die Nachfrageseite in den Mittelpunkt gestellt werden. Deren Bedeutung wurde bereits in den vorausgegangenen Kapiteln erläutert: In Österreich waren im Kalenderjahr 2018 rund 110,4 Mio. Übernachtungen ausländischer und 39,4 Mio. Übernachtungen inländischer Gäste zu verzeichnen (Statistik Austria 2019), die während ihres Aufenthalts Dienstleistun- gen wie Zimmerservice oder Reinigungsdienste in Anspruch genommen und grob überschlagen rund 450 Mio. Mahlzeiten konsumiert haben (siehe Abschn. 5.1). Diese Zahlen verdeut- lichen, wie hoch das Potenzial für Energieeinsparungen und die Reduzierung der Treibhausgasemissionen ist, wenn die Nachfrageseite in die Anpassungsstrategien aktiv mit aufge- nommen wird. Alleine eine Änderung der Ernährungsgewohn- heiten könnte zu einer Verringerung der Treibhausgasemis- sionen um bis zu 40 % führen (Gössling und Peeters 2015). Die Reisenden informieren Einigkeit besteht darin, dass bewusstseinsbildende Maß- nahmen sinnvoll sein können, um Touristinnen und Tou- risten in ihrer Urlaubsplanung und -umsetzung im Sinne des Klimaschutzes positiv zu beeinflussen (z. B. Wahl des Urlaubsortes, Wahl des Verkehrsmittels). Die gegenwärtig schlechte Verfügbarkeit von Informationen über die Klima- bilanz von Produkten und Dienstleistungen führt dazu, dass selbst umweltbewusste und handlungsbereite Personen kaum in der Lage sind, eine informierte Konsumentscheidung zu treffen. Das bedeutet, dass über die Treibhausgasbilanz von Produkten und Dienstleistungen mehr als bisher Transparenz hergestellt werden muss, um eine faire Grundlage für die In- ternalisierung4 externer Kosten zu schaffen und um klima- bewussten Konsumentinnen und Konsumenten eine infor- mierte Entscheidung zu ermöglichen. Dies bedeutet auch, dass die Informationsmöglichkeiten für die Reisenden zum Beispiel in Bezug auf Reisebüros, große Reiseanbieter und Buchungsplattformen, wie Booking. com oder Trivago, erheblich verbessert werden müssen. Dies kann etwa durch Ausweisung eines CO2-Fußabdruckes für die jeweiligen Angebote sowie durch Darstellungen von Zertifi- zierungen oder durch ein spezielles ECO-Labeling erreicht werden. In diesem Zusammenhang kann die zunehmende Bedeutung des Internets als Informations- und Buchungs- plattform verstärkt genutzt werden. Erhebliche Informationsdefizite bestehen besonders im Bereich der An- und Abreisemöglichkeiten. Im Alpenraum gehen Reisende grundsätzlich von einer schlechten Erreich- barkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus. Der Informati- onsbedarf betrifft hier vor allem die örtliche Multimodalität und die Vernetzung der verschiedenen Mobilitätsformen. Die Anforderungen der EU-Verordnung 2017/1926 der Kommis- sion vom 31.05.2017 zur Bereitstellung EU-weiter multi- modaler Reiseinformationsdienste wird diese Entwicklung ebenfalls stark vorantreiben (EU 2017). Auch die Umweltleistungen und das Engagement ver- schiedener Anbieter zur Reduktion von Treibhausgasemis- sionen sollten besser dargestellt und auf den jeweiligen Internetseiten so zu finden sein, dass sie für die Entschei- dungsfindung herangezogen werden können. Beispielhaft sei hier die lokale Energiegewinnung in Skigebieten durch die Seilbahnunternehmungen oder die energetische Nutzung natürlicher Heißwasserquellen in Thermen genannt. Bislang sind solche Umweltinformationen auf den Webseiten oft zwar vorhanden, aber vielfach schwer zu finden (Schmied 2012). Eine sachgerechte Information und Kommunikation zum Klimawandel sind ein aufwendiger Prozess, der von den Be- trieben und Destinationen sorgfältig geplant werden muss. Ansatzpunkte finden sich dazu für Österreich unter anderem in Prutsch et al. (2014). Die internationale Literatur zeigt aber auch, dass Information alleine nicht ausreicht (z. B. Stehr und 4 Das bedeutet: die Zurechnung der externen Umwelteffekte auf den Verursacher. Globale Entwicklung und nationale Verpflichtungen226
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Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
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